vergrößernverkleinern
Angelique Kerber stand zuletzt im Februar 2010 in Bogota in einem WTA-Finale © getty

Nach ihrem ersten Turniersieg wird Angelique Kerber von allen Seiten gelobt. Sie selbst sieht die Zukunft noch vor sich.

Paris - Einen klitzekleinen Wermutstropfen gab es für Angelique Kerber nach dem Triumphzug von Paris dann doch (BERICHT: Angie macht Wunder wahr).

Anstatt ihren ersten WTA-Titel im inzwischen wertgeschätzten italienischen Ristorante unweit der Champs Elysees feiern zu können, saß die frischgebackene Turniersiegerin schon eineinhalb Stunden nach ihrem verwandelten fünften Matchball im Flieger nach Doha.

Über den Wolken Richtung Katar kam sich Kerber vor wie im Märchen aus Tausend und einer Nacht.

"Bedeutet so viel"

"Es ist einfach unglaublich. Dieser Erfolg bedeutet mir so viel. Ich weiß jetzt, dass ich an mich glauben und mittlerweile mit den Besten der Welt mithalten kann", sagte die US-Open-Halbfinalistin aus Kiel, die in Paris die erste deutsche Gewinnerin seit Steffi Graf im Jahr 1995 war.

Ein bisschen schüchtern fügte Kerber später noch an: "Für mich geht es jetzt doch erst richtig los."

Die Belohnung für die Linkshänderin, die in der ersten Runde von Doha ausgerechnet auf ihre Fed-Cup-Kollegin Sabine Lisicki trifft, folgte am Montag auf dem Fuße.

"Sie will mehr"

In der Weltrangliste machte Kerber einen Sprung um fünf Ränge auf Platz 22 und ist auf dem besten Weg in die Top 20. (DATENCENTER: WTA-Weltrangliste)

Kein Wunder, dass Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner noch kein Ende des Höhenflugs sieht.

"Angie ist inzwischen unglaublich stabil. Aber das ist erst der Anfang, denn ich weiß, sie will mehr", sagte Rittner und meinte: "Seit ihrem Halbfinaleinzug bei den US Open hat sie ein ganz anderes Selbstvertrauen." Wenn Kerber von Flushing Meadows 2011 spricht, sagt sie, da habe es "klick gemacht".

Generalstabsmäßige Vorbereitung

Der frühere Davis-Cup-Spieler Alexander Waske, in dessen Akademie in Offenbach sich die einst eher laxe Kerber generalstabsmäßig auf die Saison vorbereitet hatte, traut ihr mittelfristig sogar "den Sprung unter die besten Zehn" zu.

Mit einer Bilanz von 14:3 Siegen gehört Kerber zu den erfolgreichsten Spielerinnen des Jahres. Die enorme Entwicklung beweist auch die Tatsache, dass der 24-Jährigen in Paris ihre ersten beiden Siege überhaupt gegen zwei Profis aus den Top 10 gelangen.

Lob von Scharapowa

Und die Konkurrenz ist längst hellhörig geworden.

"Angeliques Durchbruch hat erst begonnen. Sie besitzt viele Vorteile, spielt aggressiv, bewegt sich gut und ist Linkshänderin", lobte die frühere Weltranglisten-Erste Maria Scharapowa.

Die Russin hatte im Viertelfinale von Paris gegen Kerber den Kürzeren gezogen. Noch drei Wochen zuvor hatte sich die Norddeutsche bei den Australian Open klar in zwei Sätzen Scharapowa geschlagen geben müssen.

"Kämpfe um jeden Punkt"

Doch Kerber lernt inzwischen offenbar schnell aus Fehlern und wirft auch ihren neu gewonnenen Kampfgeist in die Waagschale.

Im 2: 39 Stunden langen Finale gegen die französische Lokalmatadorin Marion Bartoli (7:6, 5:7, 6:3) lag die deutsche Nummer vier in den Sätzen zwei und drei jeweils 4:0 in Front, kassierte dann aber Rückschläge.

Doch trotz körperlicher Erschöpfung und einer Bauchmuskelzerrung behielt sie in der entscheidenden Phase kühlen Kopf. "Ich habe mir einfach gesagt, kämpfe um jeden einzelnen Punkt", meinte Kerber lapidar.

Zuhause verbarrikadiert

Das war nicht immer so.

Nach einer blamablen ersten Jahreshälfte 2011 mit zehn Erstrundenpleiten hatte sie sich für einige Tage zuhause verbarrikadiert, um über ihre Zukunft als Tennisprofi zu sinnieren. "Dann habe ich entschieden, ich will es nochmal versuchen. Aber richtig", berichtete Kerber. Professionell wie nie zuvor ging sie das Projekt "zweite Karriere" an.

Und mit den Erfolgen kam auch die Gelassenheit.

Als ihr Barbara Rittner vor dem Fed-Cup-Spiel gegen Tschechien (1:4) Anfang Februar mitteilte, sie habe sich für Julia Görges als zweite Einzelspielerin entschieden, war Kerber enttäuscht, aber nicht beleidigt.

Rittner wartet ab

Die "neue Angie", die sich wegen eines ähnlichen Falls vor drei Jahren damals heftig mit Rittner zoffte, unterstützte ihr Team und wartete auf ihre Chance.

Da passte es ins Bild der Erfolgsstory Marke Kerber, dass sie es in Stuttgart war, die den einzigen Punkt für das DTB-Quartett holte.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel