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Julia Görges gewann bislang zwei WTA-Turniere © getty

Julia Görges verpasst in Dubai zwar den dritten Turniersieg der Karriere, klettert aber auf Platz 16 der Weltrangliste.

München - Einmal blickte Julia Görges nach dem verlorenen Finale dann doch ein wenig wehmütig auf den silbernen Siegerpokal von Dubai, der irgendwie an Aladdins Wunderlampe erinnert.

Der Traum vom dritten Turniersieg platzte für Görges im Wüsten-Emirat zwar, doch die Fed-Cup-Spielerin bewies mit einer Klasse-Leistung, dass sie längst Kurs auf die Top Ten genommen hat (DATENCENTER: Alle Ergebnisse).

"Bin nah dran"

"Es gibt mir eine Menge Selbstvertrauen zu sehen, dass ich nah an den besten Spielerinnen dran bin und sie schlagen kann. Am Ende waren im Finale vielleicht zwei, drei Punkte ausschlaggebend", sagte Görges nach dem 5:7, 4:6 gegen die Weltranglistensechste Agnieszka Radwanska (Bericht).

Nach einer Zweisatzpleite gegen die Polin im Achtelfinale der Australian Open vor vier Wochen hatte es für die Norddeutsche noch viel Häme gegeben.

Stolz statt Enttäuschung

Während sich Radwanska in Dubai wie im Märchen aus Tausend und einer Nacht fühlte, war auch Görges nach dem 105-minütigen Finale obenauf.

"Ich bin nicht enttäuscht, sondern sehr stolz auf meine Turnierwoche. Das war ein großer Schritt in die richtige Richtung", sagte die 23-Jährige aus Bad Oldesloe, die mit viel Zuversicht in die anstehende Hartplatzsaison in den USA (ab 7. März) starten kann.

Drei Plätze hoch

In der Weltrangliste verbesserte sich Görges um drei Plätze auf Rang 16. Auf dieser bislang besten Position hatte `Jule" im Juni 2011 schon einmal kurz gestanden, war aber dann wieder abgefallen.

Inzwischen reden aber selbst die Gegnerinnen in höchsten Tönen von der Stuttgart-Siegerin 2011, die in Dubai 242.815 Dollar kassierte.

"Vorhand ist Waffe"

"Julias Vorhand ist eine ganz starke Waffe. Die Bälle sind dann so schnell, dass ich sie gar nicht sehe, obwohl ich richtig stehe", sagte Radwanska (SERVICE: Die WTA-Weltrangliste).

Der kollektive Höhenflug der deutschen Spielerinnen setzte sich damit zwei Wochen nach dem Paris-Triumph von Angelique Kerber (Kiel) in der Wüste fort. Da passt es ins Bild, dass auch die am Rücken verletzte Andrea Petkovic Entwarnung gab.

"Petko" bald wieder dabei

"Der Knochen ist fast komplett zusammengewachsen, man sieht nur noch ein Mini-Haarriss. Das gibt mir Auftrieb", sagte die deutsche Nummer eins nach einer Untersuchung im Anschluss an einen achttägigen Malediven-Trip.

In zwei Wochen will Petkovic wieder den Schläger in die Hand nehmen, ein Comeback beim Fed Cup (21./22. April) scheint möglich.

2012 mit Hoch und Tief

Für Görges war das Jahr bislang eher ein Wechselbad der Gefühle. Nach einer harten Vorbereitungsphase - ausgerechnet in Dubai - reiste die 1,80 Meter große Rechtshänderin zum ersten Turnier 2012 nach Auckland/Neuseeland krank an: Der Hals schmerzte, die Nase war verstopft - "Jule" fühlte sich elend und schied in der zweiten Runde aus.

Was folgte, war ein Meilenstein in ihrer Karriere: Bei den Australian Open erreichte Görges erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier das Achtelfinale.

Kritik nach Melbourne

Doch nach dem 1:6, 1:6 gegen Radwanska erntete die Norddeutsche harsche Kritik. Unter anderem von Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner ("Das war nichts, keine Gegenwehr, enttäuschend") und ihrem Coach Sascha Nensel, der sie schon während des Matches aufrütteln wollte ("Überleg dir mal, wo du hier bist").

Trotzige Görges

Doch Görges war wenig einsichtig - und reagierte nach einer Trotz-Phase auf ihre Weise: Sie überzeugte Rittner wenig später beim Fed-Cup-Erstrundenspiel gegen Tschechien (1:4) mit einer bärenstarken Leistung.

Die Bad Oldesloerin musste sich Wimbledonsiegerin Petra Kvitova im zweiten Einzel erst mit 8:10 im dritten Satz geschlagen geben - genoss aber die einmalige Atmosphäre in ihrem "Wohnzimmer Stuttgart": "Ich hatte sogar zwischenzeitlich Tränen in den Augen, so unglaublich war die Stimmung", meinte Görges, während Rittner vom Auftritt der 23-Jährigen schwärmte: "Das war das beste Match im Fed Cup, was ich bislang coachen durfte."

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