Grünes Licht für Petko - Comeback ganz nah
München - Am Mittwoch steigt Andrea Petkovic in den Flieger Richtung USA - es ist so etwas wie eine Reise ins Ungewisse.
Knapp vier Monate hat die vom Verletzungspech verfolgte Darmstädterin nach einer Sprunggelenk-OP pausieren müssen, nachdem sie zu Beginn des Jahres bereits 105 Tage wegen einer Rückenblessur ausgefallen war.
Ihre Teilnahme an allen drei bisherigen Grand-Slam-Turnieren 2012 sowie bei Olympia musste "Petko" schweren Herzens absagen.
Comeback in New Haven
Nun also wieder ein Comeback, das auch für den Pechvogel selbst Antworten auf quälende Fragen geben soll. Ab Sonntag wird Petkovic beim Hartplatz-Turnier in New Haven im US-Bundesstaat Connecticut an den Start gehen.
Nach einer abschließenden Untersuchung bei Fußball-Nationalmannschaftsarzt und Bayern-Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt konnte in diesen Tagen grünes Licht gegeben
werden.
"Wir dürfen keine Wunder erwarten, aber ich freue mich sehr auf ihre Rückkehr. Andrea hat sich zum Glück die Zeit genommen, die sie zur Genesung brauchte. Sie hat der Tennisszene gefehlt", sagte Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner.
US Open vor der Tür
In den vergangenen Wochen hatte Petkovic in der Schüttler-Waske-Academy auf der Offenbacher Rosenhöhe für ihre Rückkehr geschuftet. Sie stellte ihre Technik um - speziell beim Aufschlag.
Zwei Tage nach Ende des Premier-Turniers in New Haven beginnen die US Open in New York (27. August bis 9. September), das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres. Und die letzte Chance für die Hoffnungsträgerin, nach einem Jahr Abstinenz endlich wieder Major-Luft zu schnuppern.
Angst vor Comeback
Und Petkovic hat großen Respekt vor dem Comeback.
"Zwei Dinge machen mir Angst: Dass sich das Tennis so weiterentwickelt hat, ich in der Weltspitze nicht mehr mitkomme und dass ich keinen Wille mehr habe, mich nochmal durch die Reha zu quälen, sollte ich mich erneut verletzen", hatte sie unlängst gesagt.
Auch kein Olympia
Petkovic hatte zuletzt ihre Olympia-Teilnahme absagen müssen, weil sie sich nach ihrer Sprunggelenk-OP noch nicht hundertprozentig fit gefühlt hatte.
Am 26. April war die konstanteste Grand-Slam-Spielerin 2011 im Match gegen Australian-Open-Siegerin Viktoria Asarenka (Weißrussland) in Stuttgart böse umgeknickt und hatte sich einen doppelten Bänderriss zugezogen.
Nur noch Rang 27
Erst vier Tage vor dem Fehltritt hatte "Petko" bei der Fed-Cup-Partie gegen Australien (2:3) ihr Comeback nach dreimonatiger Zwangspause wegen einer hartnäckigen Rückenverletzung gefeiert. Die US Open in Flushing Meadows wären für die Hessin das erste Major-Turnier 2012.
Verletzungsbedingt hatte sie auf die Australian Open, die French Open und Wimbledon verzichten müssen.
In dieser Saison hat die Einser-Abiturientin, die im vergangenen Jahr bei drei der vier Grand-Slam-Turniere im Viertelfinale stand, erst acht Matches bestritten. Von Platz zehn ist sie auf Rang 27 der Weltrangliste abgerutscht.
Doch bereits vor dem neuerlichen Rückschlag hatte sie erklärt, dass sie sich vom "Ranglistendenken" komplett gelöst habe.
Waske macht Mut
"Ich will jetzt versuchen, die großen Titel zu gewinnen", meinte die Einser-Abiturientin. Auch der frühere Davis-Cup-Spieler Alexander Waske, der öfter mit ihr in Offenhach trainiert, ist optimistisch.
"Petko ist eine unglaublich positive Athletin. Ich kenne niemanden, der nach so vielen Rückschlägen so stark zurückkommt. Ich wurde vom Kollegen zum Fan", sagte Waske.
Peking-Finale trotz Verletzung
Bei den US Open könnte sich ein Kreis schließen. In Flushing Meadows hatte 2011 die Pechsträhne von Petkovic begonnen. Damals hatte sie mit einem eingerissenen Meniskus gespielt und war trotz allem erst in der Runde der letzten Acht an Caroline Wozniacki (Dänemark) gescheitert.
Auch danach hatte der Musik-Freak weiter auf die Zähne gebissen und mit dem lädierten Knie in Peking das Finale erreicht.
Als Ersatzspielerin qualifizierte sich Petkovic schließlich für das Saisonfinale der besten acht Profis in Istanbul, kam am Bosporus aber nicht zum Einsatz.