Dritte Pleite! Kerber muss Koffer packen
Istanbul - Nach kurzer Nacht ist für Angelique Kerber der Traum vom Halbfinaleinzug bei ihrem Masters-Debüt geplatzt. ( DATENCENTER: Ergebnisse vom WTA-Masters)
Sichtlich entkräftet vergab die Weltranglistenfünfte beim 4:6, 3:6 gegen Li Na (China) im abschließenden Gruppenspiel ihre letzte Chance auf den Sprung in die Vorschlussrunde und kassierte die dritte Niederlage im dritten Match.
Als Kerber die große Masters-Bühne von Istanbul (täglich im LIVE-TICKER) verließ, lächelte sie und winkte tapfer ins Publikum.
"Jeden Knochen gespürt"
"Ich habe heute jeden Knochen gespürt und bin an die Grenzen meiner Kräfte gegangen. Ich war einfach ein bisschen müde und immer einen Schritt zu langsam", sagte die Kielerin, schwärmte aber trotzdem vom Abenteuer am Bosporus: "Ich war so glücklich, hier zu sein und nehme so viele gute Erfahrungen mit."
Jetzt geht es erst einmal in den Urlaub ans Meer - Ende November beginnt die Vorbereitung auf die Saison 2013.
Kerber zollt Strapazen Tribut
Rund 17 Stunden nach ihrer Weltklasseleistung gegen Branchenführerin Wiktoria Asarenka aus Weißrussland (7:6, 6:7, 4:6) waren der leicht erkälteten Kerber die Strapazen der vergangenen Tage auf dem Court deutlich anzumerken gewesen.
Vor 6000 Zuschauern im Sinan Erdem Dome lag die 24-Jährige aus Kiel im ersten Satz zwar mit 4:2 in Front, gab dann aber sechs Spiele in Folge ab.
Besonders der am Tag zuvor noch so starke Aufschlag ließ sie im Stich. Bezeichnenderweise mit einem Doppelfehler beendete Kerber in der Neuauflage des Finals von Cincinnati Mitte August den Auftaktdurchgang nach 45 Minuten.
Bereits nach dem Einspielen hatte sich "Angie" am linken Knie behandeln lassen und fasste sich in der Schlussphase auch immer wieder an die zunächst beklebte Stelle. Kerber wirkte während der gesamten Partie verständlicherweise alles andere als spritzig.
Ein Matchball reicht
Die frühere French-Open-Siegerin Li Na verwandelte nach 1:24 Stunden ihren ersten Matchball. Selbst bei einem Sieg hätte Kerber auf Schützenhilfe der Konkurrenz hoffen müssen. Unter anderem hätte Asarenka ihre beiden noch ausstehenden Spiele nicht gewinnen dürfen.
Die Australian-Open-Siegerin aus Weißrussland verlor sogar ihr erstes: 4:6, 4:6 gegen die bereits für die Runde der letzten Vier qualifizierte Serena Williams (USA).
Asarenka braucht Sieg
Die 23-jährige Asarenka benötigt am Freitag in ihrem abschließenden Gruppenspiel gegen Li Na (China) einen Sieg, um die Vorschlussrunde beim mit 4,9 Millionen Dollar dotierten Turnier zu erreichen. Sollte die einstige French-Open-Siegerin Li Na gewinnen, würde sie ins Halbfinale einziehen.
Endspiel um Halbfinals
Auch in anderen Gruppe kommt es am Freitag im Match zwischen Paris-Finalistin Sara Errani (Italien) und der Polin Agnieszka Radwanska, der Endspiel-Teilnehmerin von Wimbledon, zu einem direkten Duell um den Halbfinal-Einzug.
Errani besiegte Samantha Stosur mit 6:3, 2:6, 6:0 und feierte ihren ersten Sieg im zweiten Spiel.
Scharapowa winkt der Spitzenplatz
Sollte Asarenka gegen Li Na verlieren, könnte sie die Führung im Ranking theoretisch an Maria Scharapowa verlieren. Die russische French-Open-Gewinnerin, die in Istanbul schon vor ihrem letzten Gruppenmatch das Halbfinale erreicht hat, müsste dafür allerdings ungeschlagen den Masters-Titel holen.
Spät ins Bett
Die Vorbereitungen auf das abschließende Gruppenmatch waren alles andere als ideal gewesen. Nach der Niederlage gegen Asarenka hatte Kerber erst weit nach Mitternacht alle Pflichttermine wie Pressekonferenz und Dopingkontrolle erledigt und konnte den Weg ins Polat-Hotel antreten.
Kurze Pause
Allerdings verschnupft - und das in doppelter Hinsicht: "Ich habe mich schon über die Ansetzung gewundert", sagte die Linkshänderin über die Tatsache, dass sie am Donnerstag das erste Spiel des Tages bestreiten musste und damit nur wenig Regenerationszeit hatte.
Nach dem Marathon-Match hatte Kerber "den ganzen Körper gespürt" und war im Eisbad abgetaucht.
Herz erobert
In Istanbul hat Kerber bei ihrer ersten WM-Teilnahme aber ihre Duftmarke hinterlassen. "Ich habe bewiesen, dass ich hierher gehöre. Dieses Spiel hat mich eine Klasse weiter gebracht. Jetzt haben die anderen mehr Respekt vor mir, dies ist auch wichtig für das nächste Jahr", sagte die Norddeutsche, die dank ihrer Kämpferqualitäten die Herzen der Türken im Sturm eroberte.
"So viel gelernt"
Selbst zwei vergebene Matchbälle im zweiten Satz gegen Asarenka können die Bilanz nicht trüben. "Ich habe hier so viel gelernt. Auch außerhalb des Courts. Das alles hilft mir auf ein neues Level. Wenn mir letztes Jahr jemand gesagt hätte, ich würde beim Masters spielen, dem hätte ich es nicht gelaubt", merkte "Angie" an. ( DATENCENTER: WTA-Weltrangliste)
Lobeshymnen allerorts
Auch am Tag nach dem Weltklassematch schwärmte die Tenniswelt noch von Kerbers Auftritt. "Sie war auf Augenhöhe mit der Nummer eins und hätte den Sieg verdient gehabt", befand Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner.
Ex-Profi Claudia Kohde-Kilsch traut Kerber sogar eines Tages den großen Coup zu. `Sie ist im Moment die einzige, die was Großes packen kann. Weil sie extrem fit, wahnsinnig bissig und kämpferisch ist. Angelique bewegt sich unglaublich gut und spielt sehr solide", meinte die 48-jährige.