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Serena Williams gab bereits im Alter von 14 Jahren ihr Debüt auf der WTA-Tour © getty

Nach ihrem dritten WM-Triumph erhält Serena Williams Lob von allen Seiten. Sie selbst zieht Teppich und Bikini den Lorbeeren vor.

Istanbul - Einen Tag nach dem märchenhaften Abschluss ihrer Bilderbuch-Saison war Serena Williams endgültig in Tausendundeiner Nacht angekommen (Bericht: Masters-Triumph für Williams) .

Im Istanbuler Stadtteil Kücük Cekmece besuchte die neue Masters-Siegerin einen Teppichhändler und tauchte beim Sightseeing am türkischen Nationalfeiertag in die orientalische Welt ein.

Ihr eigenes Reich hatte die Olympiasiegerin am Vorabend mit ihrem vierten großen Titel in diesem Jahr noch klarer abgesteckt.

Die 31-jährige Amerikanerin ist zwar "nur" die Nummer drei des Rankings, inoffiziell aber die derzeit beste Spielerin des Planeten.

"Wenn Serena fit ist, dann ist sie ein Level besser als der Rest", meinte auch Ikone Chris Evert.

Nur Kerber kann Williams ärgern

Angelique Kerber, die beim Saisonabschluss-Turnier nach drei Gruppenniederlagen das Halbfinale verpasst hatte, sieht es ähnlich (DATENCENTER: Ergebnisse vom WTA-Masters).

"Serena ist eine, die man eigentlich nicht schlagen kann, wenn sie gut drauf ist", sagte die Kielerin: "Man kann dann nur versuchen, sie zu ärgern."

Der Versuch glückte. Kerber war es, die der Wimbledon- und US-Open-Siegerin Williams die einzige Niederlage zwischen Mai und Oktober zufügen konnte.

Machtdemonstration gegen Scharapowa

Trotz des Lobes von allen Seiten ist auch nach dem Gewinn der dritten WM-Krone im Serena-Universum kein Platz für Selbstzufriedenheit.

"Ich kann mich immer noch weiter entwickeln. Der Tag, an dem ich denke, ich kann nichts mehr verbessern, ist der Tag, an dem ich wahrscheinlich den Schläger an den Nagel hänge", sagte Williams nach dem 6:4, 6:3 im Finale gegen die Weltranglistenzweite Maria Scharapowa (Russland).

Es war auch Sicht der Gewinnerin eine beeindruckende Demonstration der eigenen Stärke mit 40 Gewinnschlägen (11 Asse) sowie nur 14 unerzwungenen Fehlern.

Und immer, wenn es doch mal eng wurde, schaltete die jüngere Williams-Schwester scheinbar mühelos einen Gang höher.

"Und das ist einer der Gründe, warum sie so ein großer Champion ist", kommentierte Scharapowa.

Schicksalsschläge härten Williams ab

An ein Karriereende jedenfalls denkt die 15-malige Grand-Slam-Siegerin Williams noch lange nicht.

Warum auch nach der zweitbesten Saison ihrer 17-jährigen Laufbahn.

2002 hatte sie drei Majors gewonnen - zehn Jahre später sind es zwei.

Doch mittlerweile schmecken die Erfolge süßer.

"Es ist anders als früher, weil ich inzwischen so viel durchgemacht habe. Da waren Triumphe, Katastrophen, glückliche und traurige Momente", erklärte Williams, die unter anderem 2011 eine lebensgefährliche Lungenembolie erlitten hatte.

"Wenn du das alles erlebt hast, kannst du die Siege mehr schätzen."

Amerikanerin widerlegt Zweifel der Experten

Viele Experten hatten bezweifelt, dass die frühere Weltranglisterste, die bislang rund 41,8 Millionen Dollar an Preisgeld verdient hat, nach ihrer Rückkehr noch einmal ihr Niveau erreicht.

Doch Williams kann sogar noch mehr. Seit ihrem Comeback scheint sie offener für Veränderungen.

"Die brauchst du einfach, wenn du so lange dabei bist wie ich", sagt sie.

Mittlerweile sitzt als Coach Patrick Mouratoglou (41) in der Williams-Box. In der Akademie des Franzosen in Paris war die Amerikanerin schon des öfteren als Trainingsgast zu Besuch.

Abschlussfeier auf hoher See

Gerüchte besagen, dass die Beziehung der beiden über die Zusammenarbeit auf dem Court hinausgeht.

Mouratoglou jedenfalls twitterte nach dem Masters-Coup seines Schützlings etwas missmutig: "Jetzt ist es offiziell: Du kannst zwei Grand Slams, Olympia, die WM und noch drei weitere Turniere gewinnen - und trotzdem nur die Nummer drei der Welt sein." (DATENCENTER: WTA-Weltrangliste)

In den nächsten Wochen wird Williams das wohl egal sein.

Nach einer Stippvisite in Nigeria wird sie wie immer im November eine Yacht mieten und auf hoher See mit ihrem Team den Saisonabschluss feiern.

Trainingslager auf Mauritius

Am Jahresende ist ein Trainingslager auf Mauritius geplant.

"Dafür habe ich mir bereits sechs Monate im voraus Bikins gekauft", verriet Williams, die auch angefangen hat, eine neue Sprache zu lernen. Bislang mit mäßigem Erfolg.

"Alle in Patricks Akademie sprechen Französisch mit mir. Manchmal schaue ich dann wie ein von Scheinwerfern verschrecktes Reh."

Die Sprache verschlägt es Williams aber nie: "Wenn ich es nicht genau verstehe, nicke ich einfach und sage 'oui'".

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