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Andrea Petkovic stand im Oktober 2011 auf Platz neun der Weltrangliste © getty

Die Bayern-Gala rettet der Darmstädterin nach ihrem Erstrunden-Aus in Stuttgart den Tag. Trotzdem bleiben Petkos Ziele unverändert hoch.

Stuttgart - Für Andrea Petkovic kam der Stimmungsaufheller nach dem Stuttgarter "Mega-Frust" aus München.

"Der heimliche eingeschlichene Basketball-Block von Müller hat mir eindeutig den Tag gerettet", verkündete der passionierte Fußball-Fan Petkovic mit Blick auf die körperbetonte Aktion von Thomas Müller vor dem Treffer zum 3:0 im Champions-League-Halbfinale der Bayern gegen den FC Barcelona (4:0).

Die Freude über den grandiosen Erfolg des Rekordmeisters lenkte Petkovic zumindest zeitweise von ihrem persönlichen Gefühlschaos ab, das ihre 3:6, 2:6-Erstrundenniederlage gegen Ana Ivanovic (Serbien) beim WTA-Turnier in Stuttgart hinterlassen hatte (NEWS: Alles zum Tennis).

Mega-genervte Petkovic wollte zu viel

Die Darmstädterin wusste, dass sie nach ihrer Verletzungs-Misere noch nicht in Topform sein konnte. Die vielen einfachen Fehler ärgerten die Perfektionistin Petkovic, die im vergangenen Jahr sieben Monate ausgefallen war, dann aber doch.

"Ich bin mega genervt und wollte einfach zuviel", sagte die 25-Jährige. Wie ein Hund, der seine Chance gewittert habe.

Der Grat zwischen ihren hohen Ansprüchen und einer realistischen Zielsetzung ist äußerst schmal. Besonders für eine wie "Petko", die alles andere als geduldig ist. "Wenn ich nicht auf dem Platz stehe, denke ich logisch und weiß, dass es noch nicht so klappen kann", sagte die ehemalige Nummer neun der Welt.

Emotionen folgt der Frust

Auf dem Court aber, da vergisst die Einser-Abiturientin alle Vorsätze: "Da bin ich emotional - und dann auch frustriert." Um alles auf einen Nenner zu bringen, müsse sie einen "Prozess durchlaufen", wie es Petkovic nennt.

Auf jeden Fall kommt jede Aufmunterung recht. "Andrea ist ein tolles Mädel, das tolles Tennis spielt", sagte Boris Becker: "Nach schweren Verletzungen ist es nicht ganz so einfach. Man braucht Geduld, aber sie ist noch jung." Becker traut dem Publikumsliebling die Rückehr in die Top Ten absolut zu.

Dass es bis dahin ein weiter Weg ist, weiß Petkovic nicht erst seit der Ivanovic-Niederlage. Und sie weiß um die Zwickmühle.

Weniger Pensum, mehr Qualität

Das Übungsprogramm hat die Fed-Cup-Spielerin nach ihrer Meniskus-OP im Januar ihrem von Verletzungen geschundenen Körper angepasst. Drei qualitativ hochwertige statt sechs auf Quantität ausgelegte Stunden sind angesagt.

Doch nicht nur Petkovic stellt sich die Frage, ob sie damit mittelfristig die alte Konstanz wiedererlangen kann, die sie 2011 zur beständigsten Grand-Slam-Spielerin auf der Tour gemacht hatte (DATENCENTER: Alle Ergebnisse).

"Natürlich habe ich noch Zweifel am neuen Trainingsprogramm", gab die Hessin zu, "aber es ist für mich der einzige Weg. Ich will das jetzt bis zum Ende meiner Karriere durchziehen."

Quali-Qualen stehen bevor

In den kommenden Wochen wird sich die Weltranglisten-131. Petkovic ("Konstanz kommt über viele Matches") durch diverse Qualifikationen quälen müssen - zunächst beim WTA-Masters in Madrid (4. bis 12. Mai). Für die French Open Ende Mai hat sie eine Wildcard beantragt.

"Petko" will so schnell wie möglich wieder unter die Top 100 der Welt, um sich direkt für die Hauptfelder der Grand-Slam-Turniere zu qualifizieren. Das ist aber nur ein kurzfristiges Ziel.

"Mein Anspruch ist es, mich mit den Großen zu messen", sagte Petkovic, die im Kreis der Spielerinnen nichts an Ansehen eingebüßt hat: "Ich habe das Gefühl, dass die weiterhin Respekt vor mir haben."

Gefühlschaos hin, Gefühlschaos her.

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