vergrößernverkleinern
Annika Beck gewann 2003 das Finale des Juniorinnen-Wettbewerbs von Roland Garros © imago

Die Nachwuchshoffnung in Stuttgart knapp an einer Überraschung vorbei. Mit der Siegprämie hätte sie eh nichts anfangen können.

Stuttgart - Manchmal können eben auch Niederlagen einen positiven Aspekt mit sich bringen.

So bleibt Annika Beck wenigstens das Problem erspart, als Siegprämie ein 400 PS starkes Carrera-Cabriolet in Empfang zu nehmen. Die Tennis-Nachwuchshoffnung besitzt nämlich noch gar keinen Führerschein.

"Der ist erst in der Mache. Mir fehlen noch sieben Stunden. Ich hätte das Auto also eh noch nicht fahren können", sagte die 19-jährige Beck nach ihrem Erstrunden-Aus beim WTA-Turnier in Stuttgart.

Im Schwäbischen gibt es für die Siegerin seit jeher einen Flitzer aus der Zuffenhausener Sportwagenschmiede zu gewinnen. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse)

Beck überrascht sich selbst

Doch nicht nur aus rein praktischen Gründen fühlte sich das 5:7, 7:6 (7:0), 3:6 gegen die einstige Wimbledonsiegerin Petra Kvitova (Tschechien/Nr. 6) für Beck wie ein kleiner Sieg an.

In ihrem ersten Match gegen eine Top-Ten-Spielerin deutete die Weltranglisten-60. aus Bonn ihr großes Potenzial an - und verblüffte sich selbst.

"Ich war sehr überrascht von mir und hätte nicht gedacht, dass ich schon so mithalten kann. Am Ende haben vielleicht zwei, drei Prozent gefehlt", meinte die 1,69 Meter große Beck.

Die Juniorinnen-Siegerin der French Open 2012 machte insgesamt nur einen Punkt weniger als Kvitova (109:110).

Starke Entwicklung

Kurz danach konnte die Tochter zweier Chemie-Professoren aber schon wieder strahlen. (NEWS: Alles zum Tennis)

"Ich muss selbst lachen über meine Entwicklung. Vor zwei Jahren war ich noch sehr weit entfernt von all dem", berichtete Beck.

Mit "all dem" meint sie den Tennis-Zirkus, das Leben auf der Profitour - und die mittlerweile regelmäßigen Erfolgserlebnisse wie vor knapp zwei Wochen in Kattowitz ihre erste Halbfinalteilnahme bei einem WTA-Turnier.

Rittner von Beck überzeugt

Inzwischen ist die passionierte Geigenspielerin nicht nur die Jüngste in den Top 60 der Weltrangliste, sondern mischt den Kreis der großen deutschen Fünf mit Angelique Kerber, Andrea Petkovic, Mona Barthel, Julia Görges und Sabine Lisicki mächtig auf.

"Harte Arbeit zahlt sich eben aus. Sie ist das Paradebeispiel für Disziplin. Wir werden noch viel Spaß an Annika haben", sagte Fed-Cup-Kapitänin Barbara Rittner, die Beck beim Auswärtsspiel im Februar in Frankreich (3:1) erstmals in ihr Team geholt hatte.

"Die Kleine", wie Rittner den Teenie gerne nennt, rührte Rittner als "Mutter der Kompanie" dann sogar zu Tränen.

Bei ihrer Antrittsrede in Limoges fand Beck, die die zehnte Klasse übersprang und mit 17 Jahren ein Einser-Abitur machte, bewegende Worte. Und das, nachdem sie zuvor bei der Abfahrt aus dem Hotel einfach vergessen worden war.

Beck schafft den Durchbruch

Beck ist die erste aus dem 2011 ins Leben gerufenen fünfköpfigen Porsche-Nachwuchsteam, die den Durchbruch geschafft hat.

Dinah Pfizenmaier, Antonia Lottner, Carina Witthöft und Anna-Lena Friedsam sollen noch folgen.

Was die Zukunft angeht, hat Beck konkrete Ziele. "Mein Traum ist es, bei einem Grand-Slam-Turnier weit zu kommen", sagte die Rechtshänderin mit dem langen Zopf.

French -Open-Titel als Knackpunkt

Bei ihrem zweiten Major-Turnier im Januar in Melbourne reichte es immerhin für die zweite Runde.

Demnächst wird Beck wieder an die Stätte ihres bislang größten Erfolges zurückkehren. Bei den French Open gewann die 19-Jährige im vergangenen Jahr den Juniorinnen-Titel.

Es sei ein Knackpunkt gewesen, dadurch habe sie "neuen Willen" geschöpft. Und die Sache mit dem Führerschein? "Ich hoffe, dass ich das dieses Jahr noch schaffe."

Den Carrera, den gibt es in Stuttgart schließlich auch noch im nächsten Jahr.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel