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Angelique Kerber rangierte im Oktober 2012 auf Platz 5 der WTA-Weltrangliste © getty

Kerber liefert sich in Stuttgart einen spannenden Schlagabtausch mit Scharapowa und muss sich nur hauchdünn geschlagen geben.

Stuttgart - Nachdem der Traum vom Heimcoup im Halbfinale von Stuttgart geplatzt war, befand sich Angelique Kerber im reinsten Gefühlschaos.

Die Weltranglistensechste hatte die topgesetzte Maria Scharapowa nach einer starken Leistung am Rande einer Niederlage.

Doch wieder einmal war es die Titelverteidigerin aus Russland, die durch ein 6:3, 2:6, 7:5 ins Endspiel des mit 538. 393 Euro dotierten Sandplatzturniers einzog.

"Natürlich bin ich enttäuscht. Ich hätte dieses Match sehr gerne gewonnen. Aber in den entscheidenden Momenten hat Maria unglaublich gut gespielt", sagte Kerber, die trotzdem nicht unzufrieden war: "Ich kann mir nichts vorwerfen. Ich habe gesehen, dass ich dran bin."

Mit erhobenem Haupt

Besonders in der Schlussphase des 2:07 Stunden langen Matches zeigte die 26-jährige Scharapowa ihre ganze Klasse, als sie nervenstark die letzten acht Punkte in Folge gewann.

Lokalmatadorin Kerber konnte nach ihrem vierten Halbfinale in dieser Saison trotzdem mit erhobenem Haupt die Arena verlassen.

Über die vergebene Chance wird sich die 25-Jährige trotzdem noch ärgern: Kerber hatte im entscheidenden Satz mit 2:0 geführt, musste dann aber das Break zum Matchverlust hinnehmen.

"In der Endsphase ist sie mutiger auf den Ball draufgegangen. Ich habe zu sehr überlegt", sagte sie. Bei einem Erfolg hätte "Angie" am Sonntag nach ihrem insgesamt dritten Turniersieg greifen können.

Kein Horrortrip für Beltz

Zumindest Kerbers Coach Torben Beltz bleibt damit ein Horrortrip erspart. Der nicht schwindelfreie 36-Jährige hätte bei einem Finalerfolg seines Schützlings mit einem Hochgeschwindigkeits-Karussell fahren müssen, das Kerber auf dem Stuttgarter Wasen-Frühlingsfest bereits ausgesucht hatte.

Die an Position drei gesetzte Kerber brauchte bei ihrer ersten Halbfinal-Teilnahme in Stuttgart einige Zeit, um ins Match zu finden.

Platzierte Grundschläge

Zu Beginn diktierte Scharapowa mit ihren platzierten Grundschlägen klar das Geschehen und nahm der Kielerin gleich im ersten Spiel den Aufschlag ab.

Wimbledon-Halbfinalistin Kerber konnte sich im ersten Durchgang keinen einzigen Breakball erarbeiten und gab den Auftaktsatz mit einem Doppelfehler nach 36 Minuten ab.

Doch in der Folge steigerte sich die Linkshänderin, variierte mehr und ging schnell mit 4:1 in Führung. Nach einer guten halben Stunde gelang Kerber zur Freude der 4400 Zuschauer in der ausverkauften Arena der Satzausgleich.

Break zum Matchgewinn

Die Entscheidung in dem intensiven Match fiel, als Scharapowa die deutsche Fed-Cup-Spielerin zum Matchgewinn breakte.

Zuvor war noch einmal Hoffnung aufgekeimt, nachdem Kerber einen 3:5-Rückstand wettgemacht hatte und beinahe ihrem Spitznamen "Houdini" gerecht geworden wäre.

Immer wieder zeigte sie nach gelungenen Schlägen die Faust und blickte kämpferisch in ihre Box, wo auch ihre Doppelpartnerin Andrea Petkovic saß. Allein das sechste Spiel des letzten Durchgangs dauerte knapp elf Minuten.

Zwei deutsche Siegerinnen

Scharapowa trifft am Sonntag im Endspiel entweder auf die einstige French-Open-Siegerin Li Na (China/Nr. 2) oder auf die amerikanische Qualifikantin Bethanie Mattek-Sands, die im Viertelfinale am Freitag überraschend Sabine Lisicki ausgeschaltet hatte (DATENCENTER: Alle Ergebnisse).

Die Gewinnerin des Sandplatzturniers bekommt neben der Prämie von 100.806 Euro einen 400 PS starken Sportwagen überreicht. Scharapowa, die bestverdienende Sportlerin der Welt, hat in ihrer Karriere bereits 28 Tournaments gewonnen - darunter vier Grand Slams.

Bislang hatte es in der Schwabenmetropole zwei deutsche Siegerinnen gegeben. Zuletzt hatte Julia Görges vor zwei Jahren den Titel geholt. Anke Huber war 1991 und 1994 erfolgreich.

Barthel/Lisicki ziehen ins Doppel-Finale ein

Nach ihrem ersten gemeinsamen Doppel-Titel greifen derweil Mona Barthel und Sabine Lisicki. Das mit einer Wildcard ins Hauptfeld gerutschte Duo besiegte im Halbfinale die Kombination Darija Jurak/Katalin Marosi (Kroatien/Ungarn) 6:3, 6:4.

Gegnerinnen von Barthel und der Berlinerin Lisicki im Finale am Sonntag sind Bethanie Mattek-Sands/Sania Mirza, die ein deutsches Finale verhinderten.

Die amerikanisch-indische Kombination bezwang am späten Samstagabend Angelique Kerber/Andrea Petkovic (Kiel/Darmstadt) mit 6:4, 7:5.

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