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Angelique Kerber stand im Oktober 2012 bereits auf Rang fünf der WTA-Weltrangliste © getty

Nach der Halbfinal-Pleite hält die Enttäuschug bei Kerber nur kurz. Sie ist sich sicher, dass sie zu den Großen dazu gehört.

Stuttgart - Nachdem der Traum vom Heimcoup im Halbfinale von Stuttgart geplatzt war, befand sich Angelique Kerber nur kurz im Gefühlschaos.

Am Tag nach dem denkbar knapp verpassten Endspiel (Bericht) verließ die Weltranglistensechste hoch erhobenen Hauptes die schwäbische Metropole.

Im Gepäck: Viel Selbstvertrauen für die bald anstehenden French Open (ab 26. Mai) und eine beruhigende Erkenntnis.

"Ich merke, dass ich an den ganz Großen dran bin und mithalten kann. Für mich ist es wichtig zu sehen, dass ich dazugehöre", sagte Kerber nach dem 3:6, 6:2, 5:7 in einem hochklassigen Semifinal-Krimi gegen die topgesetzte Titelverteidigerin Maria Scharapowa (Russland), die am Sonntag durch ein 6:4, 6:3 gegen die Chinesin Li Na ihren Titel verteidigte.

Kerber mit den besseren Karten

Zumindest Kerbers Coach Torben Beltz dürfte neben der Enttäuschung auch ein wenig Erleichterung verspürt haben.

Der 2,02-m-Hüne hätte bei einem Turniersieg seines Schützlings auf dem Stuttgarter Wasen-Frühlingsfest eine Fahrt mit dem "Turbo Force"-Karussell absolvieren müssen.

Und zwischenzeitlich sprach einiges dafür, dass Beltz sich seinem perönlichen Horrorszenario stellen muss. In dem 2:07 Stunden langen und spannenden Match hatte die deutsche Nummer eins Kerber im entscheidenden Satz bereits mit 2:0 geführt.

"Ein Weltklasse-Match"

Die siebte Final-Teilnahme ihrer Karriere schien greifbar, der dritte Turniersieg im Bereich des Möglichen.

Erst recht, als Kerber wenig später einen 3:5-Rückstand ausgleichen konnte und eigentlich am Drücker war.

Doch im Stil eines Champions schlug French-Open-Gewinnerin Scharapowa zurück - und machte danach die letzten acht Punkte des Duells in Serie.

Die wie immer in der Kerber-Box sitzende Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner hatte eine Erklärung für das blitzschnelle Ende.

"Scharapowa hat einfach noch mehr Erfahrung mit dieser Art von Matches", analysierte die 40-Jährige, die ihren Hut vor Wimbledon-Halbfinalistin Kerber zog: "Angie hat sich wirklich teuer verkauft. Das war ein Weltklasse-Match vom Anfang bis zum Ende."

Positives Fazit

Nach der ersten Enttäuschung zog auch Kerber, deren komentenhafter Aufstieg mit der sensationellen Halbfinal-Teilnahme bei den US Open 2011 begann, ein positives Fazit ihres Heimspiels.

Sie könne sich "nichts Großes" vorwerfen: "Am Ende waren zwei, drei Bälle entscheidend. Aber dieses Match hat mir sehr geholfen, denn ich lerne immer noch für die Zukunft."

Kerber will Top 5 angreifen

Besagte Zukunft soll bald schon Gegenwart sein. Ziel der 25-Jährigen ist es, die vor ihr stehenden Top 5 um Branchenführerin Serena Williams (USA) zu attackieren. (DATENCENTER: Alle Ergebnisse).

"Ich gucke immer nach vorne und möchte sie angreifen", meinte Kerber selbstbewusst.

Wohlwissend, dass in diesem Jahr "alles komplett anders ist" als in ihrer Aufsteiger-Saison 2012.

Doch die Linkshänderin, die zusammen mit Andrea Petkovic auch im Doppel-Halbfinale ausschied, will sich ob des gestiegenen Drucks nicht verrückt machen lassen: "Ich genieße es immer noch."

Jubelstürme für Kerber

Das wurde auch in den Tagen von Stuttgart deutlich.

Kerber absolvierte als Aushängeschild des deutschen Fräuleinwunders gut gelaunt ihr Programm abseits des Courts.

Mit ihrer Longline-Vorhand und ihrem beeindruckenden Defensivverhalten sorgte sie im Halbfinale gegen die Weltranglistenzweite Scharapowa dann auch für Jubelstürme in der ausverkauften Arena.

Petkovic begeistert

Kerbers in der Box sitzende Doppelpartnerin Petkovic war so begeistert wie Coach Beltz: "Angie wächst an ihren Aufgaben", meinte der 36-Jährige, der mit ihr vor allen Dingen noch am Aufschlag arbeitet.

Jüngst hatte sich sogar Boris Becker als Fan der sympathischen Kielerin geoutet.

"Respekt. Angelique ist eine tolle Spielerin, auf die wir stolz sein können", sagte Becker.