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Der RS5 kostet mehr als das M3-Coupe - doch nur bis zu einem gewissen Punkt... © SPORT1

Heiß ersehnt macht sich der neue Audi RS5 mit seinem 450 PS starken V8 und dem bekannten quattro-Antrieb daran, den BMW M3 vom Thron zu stoßen. SPORT1.de konnte dem Ingolstädter auf dem Ascari Racetrack schon einmal auf den Zahn fühlen.

"Soll ich den LKW noch kurz überholen, oder reicht die Strecke bis zur nächsten, uneinsehbaren Kurve nicht mehr?" Im neuen Audi RS5 wird diese Frage erschreckend oft mit einem "Ich sollte" beantwortet und ein beherzter Tritt aufs Gaspedal ist die logische Konsequenz.

Fahrfehler werden geduldet

Es ist fast erschreckend, welches Vertrauen man in den 450 PS starken Allrad-Sportler nach nur wenigen Testkilometern legt. Kurve für Kurve wächst das Vertrauen und selbst bewusst zu schnell gefahrene Kurven meistert die Kombination aus Dynamic Ride Control DRC, 20 Zoll großen Alus mit 275er-Schlappen, optionaler Keramikbremse vorn und 40 zu 60 betont hecklastig ausgelegtem Allradantrieb vortrefflich.

Bei Bedarf regelt besagte Vierrad-Kraft auf bis zu 70 zu 30 beziehungsweise 15 zu 85 und das optionale Sport-Sperrdifferenzial an der Hinterachse kümmert sich zusätzlich meisterlich ums Einbremsen des Kurveninneren Rads. Die Mixtur passt. Selbst Grobmotoriker treten nicht gleich vor ihren Schöpfer, wenn sie sich einmal verschätzen. 242790(Diashow: Audi RS5)

Kampfansage an den M3

Geübteren Piloten hat Audi außerdem ein zweistufig abschaltbares ESP mit an die Hand gegeben. Nach kurzem Antippen der Taste lässt die Elektronik zunächst leichte Drifts zu, wer das Fangnetz gänzlich deaktiviert, ist uneingeschränkter Herrscher über das Wohl und Weh des 77.700 Euro teuren Coupés.

Mit dem möchte Audi dem derzeit noch konkurrenzlos regierenden BMW M3 Coupé mit seinen 420 PS Paroli bieten. Der Münchner kostet zwar rund 10.000 Euro weniger als der neue RS5, Allradantrieb und insgesamt 450 PS und 430 Newtonmeter im Ingolstädter könnten den Mehrpreis aber durchaus rechtfertigen. Außerdem sei der 4,2-Liter-V8 unter der Haube des neuen Power-Coupés deutlich sparsamer als das Aggregat des "vergleichbaren Mitbewerbers", so Audi. Mit 10,8 Litern im Mix soll sich der RS5, dessen Antriebsquelle eine Weiterentwicklung des V10 aus dem R8 ist, begnügen. Der BMW M3 gönnt sich mit einem Mix von 12,4 Litern 1,6 Liter mehr. Somit ist der Preisunterschied nach "nur" etwa 440.000 Kilometern wieder eingefahren.

Genussvolle Gangwechsel

Doch wer dem 4,64 Meter langen und 1,37 Meter hohen RS verfallen ist, seinen bis 8500 Umdrehungen fauchenden, wohlkomponierten V8-Sound nicht mehr aus dem Ohr bekommt, der gibt nichts auf den Minderverbrauch und lässt es krachen.

Ob im Automatik-Modus, über die Schaltwippen hinterm Lenkrad oder in der manuellen Gasse des Schaltknaufs ? jeder Gangwechsel ist ein Genuss. Unauffällig, wenn?s gewünscht wird, ruppig und mit Zwischengas wenn?s härter zur Sache gehen soll.

Wonniges "Flippern"

Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe macht wie gewohnt einen guten Job und speziell das "Flippern" hinterm Lenkrad ist eine wahre Freunde ? nicht nur auf den Straßen rund um Marbella, auf denen wir mit dem RS5 jetzt erstmals auf Tuchfühlung gehen, auch auf dem Ascari Racetrack, der uns ebenfalls zur Verfügung steht.

Auf der knapp vier Kilometer langen Strecke muss sich der auf Wunsch 280 km/h schnelle Audi aufs Härtestes auf den Zahn fühlen lassen und so stehen nach getaner Arbeit nicht nur neue Reifen an, auch die wild knackenden Bremsscheiben können ein Liedchen von der harten Gangart singen.

Fazit

So viel Spaß die Ingolstädter Rakete auch auf der Rennstrecke gemacht hat, mit dem RS5 bringt Audi unserer Meinung nach eher einen nahezu perfekten GT, denn einen Weekend-Racer auf den Markt. Bei Bedarf kann er durchaus zur wilden Sau werden, doch das kraftvolle und vor allem schnelle Dahingleiten oder schnelle Landstraßenetappen sind die Paradedisziplin des RS5. Sollte Audi sich jedoch entscheiden, eine kernigere Leichtbauversion à la BMW M3 GTS nachzuschieben, steht regelmäßigen Ausflügen auf die Rennstrecke nichts im Wege.

P.S. Auch der kommende Audi RS4 wird vom neuen, erstmals im RS5 eingesetzten 4,2-Liter-V8 befeuert. Angesichts der 420 PS des Vorgängermodells, dürfte wohl auch die neue Power-Limo in Regionen von 450 PS vordringen. Armer M3. Als wenn Mercedes C63 AMG und Lexus IS-F nicht schon Konkurrenz genug wären.

Noch mehr Infos über den Audi RS5 finden Sie unter www.evo-cars.de

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