vergrößernverkleinern
Die Optik ist streitbar - über die grandiose Leistung gibt es keine zwei Meinungen © SPORT1

Ein Test des Krawallo-Focus RS des Jahrgangs 2010 zeigt, dass zwar die Optik nach wie vor streitbar ist, das Fahrvergnügen dem Piloten jedoch eine Vielzahl von großartigen Momenten beschert.

Wir müssen den wunden Punkt direkt ansprechen, die Optik: Gigantisch ausgestellte Radhäuser, ein unglaublicher Heckspoiler, Luftauslässe in allen Größen und Formen, sowie zwei Auspuffrohre, die vom Durchmesser her auch als DDR-Fluchtunnel hätten dienen können.

Das Ganze dann noch in grellem Grün lackiert und der Auftritt ist perfekt. Oder eben ruiniert, je nach Betrachtungswinkel.

Kein diskreter Clown

Natürlich, wer der Welt zeigen will, wie gut das eigene Sonnenstudio läuft und auf dem Parkplatz vor der Party immer den Clown spielen möchte, der ist mit dem Focus RS bestens bedient.

Die Diskretion eines Golf R ist dem Focus RS völlig fremd und in Zeiten, in denen die meistverkaufte Farbe von Supersportwagen silber an Stelle von rot, gelb und orange ist, sollte man sich ernsthaft fragen, wen die Marketingabteilung von Ford im Blick hatte, als es um das Aussuchen der Zielgruppe ging.

Die Fahrwerksingenieure hingegen hatten vor allem Eines im Blick: maximale Verstörung von Porsche, Ferrari und Co. Warum? Weil der Focus RS jeden der Großen stehen lässt. Natürlich nicht auf gerader Strecke, doch auf winkligen Landstraßen mutiert der Kölner zum schärfsten Establishment-Schreck seit dem Erscheinen des Audi sport quattro.

Dabei fällt es schwer ein Bild zu finden, das die Art und Weise beschreibt, wie der RS im Angriffsmodus durch die Kurven fliegt.

Krallen zeigen und Springen

Vielleicht trifft es der Katze-auf-den-Schwanz-Tritt am Besten: Ein Aufbäumen, Krallen zeigen, böse Fauchen und nach vorne springen. Das Ganze in einer Geschwindigkeit und Eleganz die Ihresgleichen sucht.

Natürlich ist der Focus dabei noch ein gewöhnlicher Kompaktwagen mit viel Platz in der Passagierkabine, einem aufgeräumten Cockpit und jeder Menge Platz im erweiterbaren Kofferraum, doch genau wie der zurückhaltende und unauffällige Bürokollege kann auch der RS am Wochenende zum angriffslustigen Pöbler werden.

Mit 305 PS an der Vorderachse hat das Chassis alle Hände voll zu tun, damit die bereitgestellte Energie nicht nur nutzlos in Rauch aufgeht. Da ein Allradantrieb zu teuer und zu schwer gewesen wäre, hat man sich in Köln ein paar Tricks aus der Rallyeszene abgeschaut und ein neues selbstsperrendes Differenzial verbaut.

Sicher, ganz abstellen kann man das Lenkradflattern nicht, schließlich wollen 440 Nm von Natur aus lieber Geradeausfahren und nicht in die Kurve, doch das System funktioniert wirklich gut.

Spektakulär aber vertrauensvoll

Die Power des Motors ist für ein Fahrzeug der Golfklasse schlicht gigantisch: Kolben, Turbolader, Einlasskrümmer, Ladeluftkühler, Motormanagement und die sensationelle Auspuffanlage verwandeln den 2,5-Liter-Fünfzylinder völlig.

Ein Turboloch gibt es zwar, aber so gehört es sich für einen echten aufgeladenen Charaktermotor. Was über 3000 Touren passiert, sucht jedoch seinesgleichen: wo der Konkurrenz bereits (öko-)politisch die Luft ausgeht, legt der RS noch einmal derart nach, dass es einem fast die Sprache verschlägt.

In diesen Drehzahlbereichen ist der grüne Kölner derart schnell, dass das Hirn kaum mehr mitkommt. Doch selbst der dilettantischste Fahrer ist mit dem RS in der Lage neue Bestzeiten in den Asphalt zu brennen. Das Chassis reagiert in jeder Situation spektakulär vertrauensvoll.

Zwar dreht sich das Heck mit ein und das kurveninnere Rad der Hinterachse verliert oft den Bodenkontakt, doch das ändert nichts daran, dass der Focus jeden Quadratzentimeter Asphalt in Grip umzusetzen scheint.

Nicht nur die Optik ist streitbar

Allerdings gibt es neben der Optik noch weitere streitbare Dinge. Die Schaltung könnte etwas präziser synchronisiert sein, der Innenraum liebevoller arrangiert und die Sitzposition sportlicher ? sprich tiefer. Doch man muss sich immer noch vor Augen halten, dass man in einem Ford Focus sitzt.

Der Ford Focus RS ist ein spektakuläres Auto. Wäre er etwas weniger auffällig, könnte man sich glatt einen vor die Tür stellen!

Mehr zum Thema Auto aufwww.evo-cars.de

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel