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Die Studie 918 RSR lässt Porsche-Fans von einer glorreichen Renn-Ära träumen © SPORT1

Wow! Was für ein Wagen... So ziemlich jeder Sportwagenfan weltweit wird so auf den Porsche 918 RSR reagieren, den die Zuffenhausener auf der Detroit Auto Show enthüllten.

Offiziell wird er noch als Studie ausgegeben, als experimentelles Rennlabor. Doch der 918 wirkt so seriennah, das man ihm locker zutraut, gleich morgen ausgedreht das Schwedenkreuz zu nehmen, oder die Mulsanne-Kurve in Le Mans hart anzubremsen.

Denn es ist genau das, was Porsche mit dem RSR vorhat: Siegen. Heute wird dieses Anliegen medial natürlich differenzierter dargestellt und so schmückt sich der 918 RSR mit einem Hybrid-System und es wird auffällig oft auf Porsches "Intelligent Performance" verwiesen.

Effizienz und Nachhaltigkeit machen eben auch vor dem Motorsport nicht Halt. 337201 (Porsche-Studie 918 RSR in Bildern)

Urahne Porsche 917

Früher sah das Ganze etwas anders aus. Der Claim "Porsche Intelligent Performance" war noch nicht erfunden, dabei hätte es schon die Konstruktion des 917 eigentlich verdient, so genannt zu werden.

Auf Initiative des genialen Ferdinand Piëch nutzte man 1968 das von der FIA geschaffene Reglementschlupfloch und baute 25 Stück eines Sportwagens mit großem Hubraum. 4,5 Liter waren es, die den 180-Grad-Zwölfzylindermotor auf 520 PS brachten. Da man es eilig hatte um bis zur Abnahme im April 1969 mit der geforderten Stückzahl fertig zu werden, wurde der Legende nach auch Improvisationen wie hölzerne Bremsklötze zurückgegriffen.

Kofferraum, Reserverad, Wagenheber und Kupferhammer hatte aber jeder 917 an Bord, schließlich musste er auch für eine Straßenzulassung tauglich sein.

Absolute Performance-Steigerung

Heute sitzen die Fahrer hingegen in technisch perfekten Fahrzeugen. Nichts wird dem Zufall überlassen und schon gar nicht werden Leib und Leben der Fahrer aufs Spiel gesetzt. Dafür wird die alte Zeit von den Marketingabteilungen umso geschickter zitiert. Und kaum ein Hersteller kann dies besser als Porsche.

Wenn auch der 918 RSR auf den ersten Blick verwundert: die Startnummer 22 beispielsweise zitiert das 40-jährige Jubiläum des zweiten Le Mans-Gesamtsieges, denn der Martini-917K ging mit jener Nummer ins Rennen.

Das horizontale Lüfterrad, das spartanische Lenkrad oder der mit zähem braunem Leder bezogene Fahrersitz erinnern ebenso an vergangene Zeiten. Doch die eigentlich größte Hommage an den alten 917 ist die Ausrichtung des 918 RSR: Er wurde gebaut um zu gewinnen.

Damals nutzte man eine zu laxe Regelung der FIA um die Sportwagenwelt aufzumischen, heute setzt man auf den zeitgeistigen Stimmungswandel und den Zugzwang unter dem die technischen Kommissare der Rennserien stehen.

Denn der 918 trägt seine Elektromaschinen an der Vorderachse nicht um der grünen Wiesen Willen, sondern allein zur Performancesteigerung.

Technik-Layout vom RS Spyder

Damit man bei den ersten Renneinsätzen ? die offiziell natürlich (noch) nicht bestätigt werden ? keine Bauchlandung erlebt, hat man bei Porsche Motorsport gut vorgesorgt und die Teilespender des 918 bereits im Vorfeld erfolgreich erprobt.

Das traditionelle technische Layout teilt sich der neue RSR mit dem bisherigen Le Mans-Renner RS Spyder. Von ihm kommen nicht nur die aerodynamischen Hilfsmittel, sondern auch der Hinterachs-Antrieb.

Das Getriebe ist weiterhin eine geradeverzahnte Sechsgangbox, deren Gänge sequenziell mit Schaltklauen eingelegt werden. Bedient wird das Getriebe elektropneumatisch mit kleinen Tasten am Lenkrad.

Und auch der V8-Motor blieb nicht unangetastet. Er darf zwar weiterhin auf 3,4 Liter Hubraum vertrauen, die Leistung stieg von aber vom 480 PS auf 563 PS.

Hybrid-Motor als Beifahrer

Natürlich reicht dieses Paket noch nicht für eine technische Vormachtstellung, wie sie der 917 innehatte. Und so nimmt auf dem Beifahrerplatz des 918 RSR das Hybrid-Paket des 911 GT3 R Hybrid Platz. Bringt das System im beinahe-siegreichen 24h-911 noch 120 kW an elektrischer Leistung, so sind es im 918 RSR gar 150 kW. Im vollen Beschleunigungszustand treiben also 767 PS den neuen Hybrid-Rennwagen über alle vier Räder nach vorne.

Der 918 RSR sollte demnach also das Zeug zum Ausnahmerennwagen haben und wir werden ihn mit großer Sicherheit nicht nur auf dem Nürburgring, sondern auf in Le Mans in der Startaufstellung wiederfinden. Doch dabei ist es nicht nur das motorsportliche Talent, das uns an diesem Rennwagen begeistert, vor allem ist es sein Aussehen.

War der 918 Spyder des vergangenen Jahres noch ein wenig unstimmig, so ist die Linienführung der geschlossenen Variante ein absoluter Traum. Man sollte sich an dieser Stelle auch gar nicht erst die Mühe machen, das Aussehen in Worte fassen zu wollen. Denn sonst endet man meist mit kopierten Zitaten aus der Pressemeldung, man muss den 918 RSR einfach genießen.

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