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Porsche 911 GTS © evocars

Legendentreffen! Porsche 911 und Nürburgring Nordschleife.

Der eine gilt seit 1963 als der einzige echte deutsche Sportwagen und die andere als eine etwas reifere Dame (Jahrgang 1927), die es auch heute noch mit ihrem Charme schafft, dass ihr Männer aus allen Altersklassen restlos erlegen sind. Das interessante dabei, sowohl der Sportwagen, als auch die Rennstrecke werden häufig als etwas widerspenstig bezeichnet. Ob dem wirklich so ist, gingen wir im Rahmen eines Perfektionstrainings auf dem 20,832 km langen Asphaltband mit einem speedgelben Porsche 911 GTS nach.

Nordschleife - "Grüne Hölle"

Nürburgring Nordschleife, die spektakulärste, aber sicherlich auch mit die gefährlichste Rennstrecke der Welt. Hier verlor Niki Lauda sein Ohr und Jackie Stewart fast seinen Verstand, weshalb er die Strecke in der Eifel ehrfürchtig "Grüne Hölle" taufte. Ende der 1920er erbaut und seit dem unzählige Male überarbeitet, hat dieser Rundkurs über die Jahrzehnte von seiner Gefährlichkeit kaum etwas verloren, denn großzügige Auslaufzonen sind für die Nordschleife bis heute ein Fremdwort. Auch wir sind der Rennstrecke restlos erlegen und wagen aus diesem Grund mit der deutschen Sportwagenikone auf die legendären knapp 21 Kilometer, dem Porsche 911. 406486 (Porsche 911 GTS - Die Bilder)

Porsche 911, Anfang der 1960er entwickelt, meistens nur liebevoll "Elfer" genannt und in seinen frühen Jahren mit nur einem Manko behaftet: Sein bauartbedingter Hang zum plötzlichen Übersteuern. Über die Jahrzehnte haben die Zuffenhausener Ingenieure dem Wagen mit dem Sechszylinder Heckmotor jedoch Manieren beigebracht. Wie gekonnt sich heutzutage ein serienmäßiger 911 im Alltags- und Rennstreckenbetrieb verhält, musste jetzt die letzte Evolutionsstufe der aktuellen Baureihe mit dem Entwicklungscode 997 beweisen ? der GTS. Ausgestattet mit der im Vorderwagen stabiler ausgelegten und im Heck 44 Millimeter breiteren Karosserie der Allradvariante Carrera 4, trägt dieser Hecktriebler den bekannten 3,8 Liter Saugmotor hinter der Hinterachse. Jedoch nicht mit den standardmäßigen 385 PS des Carrera S, sondern mit einer auf 408 PS gesteigerten Ausbaustufe des Benzindirekteinspritzers.

Gute Voraussetzungen für einen Rennstrecken Trip, der durch zahlreiche Sonderausstattungen noch optimiert wurde. Unter anderem besitzt der getestete Sportwagen die Keramikbremse PCCB, das Doppelkupplungsgetriebe PDK, das Aerodynamikpaket mit auffälligem Heckspoiler und tiefer Frontlippe. Zu all diesen Annehmlichkeiten gesellt sich bei unserem Rennstreckentermin ein Ausstattungspunkt, den man bei Porsche weder für Geld, noch für gute Worte bekommt und der in der Eifel zudem noch äußerst selten anzutreffen ist: Gutes Wetter.

Zwei Tage Helm auf und Gurt anlegen

Ab auf die Piste ? zu Beginn allerdings wie an einer Perlenschnur aufgereiht hinter der erfahrenen Instruktorin. Dieser Umstand gibt und nicht nur die Möglichkeit, den eigenen Fahrstil mit den Anweisungen aus dem Führungsfahrzeug (natürlich ein Porsche) abzugleichen, sondern auch die unterschiedlichen Schärfegrade des gelben Elfer Cocktails anzutesten. Und die sind äußerst zahlreich und können beliebig kombiniert werden: Voller Automatikschaltmodus oder manuelles Schalten via ergonomisch günstig platzierten Schaltwippen hinter dem Lenkrad. Dazu kombinierbar: Der Sport- oder Sport Plus Modus des Sport Chrono Paketes mit schnellerem Ansprechen des Gaspedals und verkürzten Schaltzeiten oder auch veränderten Schaltzeitpunkten. Ergänzend dazu noch die härtere Dämpferkennung samt direkterer Lenkung, dem variablen Dämpfungssystems PASM sei Dank, und als Tüpfelchen auf dem "i" gibt es das Spiel mit dem Feuer: Die Deaktivierung des Stabilitätsprogrammes PSM.

Viel Technik und Elektronik, um nur ein Ziel zu erreichen: Noch schneller sein! Dabei gehört der GTS mit 4,4 Sekunden auf 100 km/h und 304 km/h Spitze wirklich nicht zu den Langsamen des Landes und ist messerscharf zwischen den Carrera S und den GT3 gezirkelt. Doch ist dieser Kompromiss aus zwei Welten wirklich gut genug für die Rennstrecke? Für Teilnehmer des Porsche Sports Cup ist der GTS sicherlich zu soft, doch für diejenigen Sportwagenfahrer, die sich nicht mit einem GT3 oder GT3 RS im Alltag quälen wollen, ist der GTS ein wunderbarer Kompromiss. Zurückhaltend, um entspannt von A nach B zu kommen, aber aggressiv und akzentuiert genug um an gelegentlichen Trackdays viel Spass zu haben. Woran wir diese Aussage festmachen? An der Unerschütterlichkeit des Sportwagens auf der unerbittlichen Nordschleife. 33 problemlose Runden in zwei Tagen sind ein klares Statement und zeigen, dass dieser Porsche auf dieser Rennstrecke seine Souveränität voll ausspielen kann, die ihm genetisch durch die unzähligen Erfolge seiner Verwandtschaft im Motorsport, mitgegeben wurde.

Das Resultat

Beide getesteten Legenden lassen nichts von der eingangs vermuteten Widerspenstigkeit spüren. Die Erklärung dafür ist einfach: Der Eifelkurs zeigte sich von seiner schönsten Seite und verschonte Tester und Porsche vor seinem dunklen, regnerischen und nebeligen Wesen, das sehr schnell aus Fahrspaß eine bittere Erfahrung werden lässt.

Im Gegensatz dazu steht der Porsche 911. Er scheint überhaupt keine dunkle Seite zu haben, denn der getestete GTS ist nicht nur ein optisch ansprechendes Marketingprodukt am Ende des 997-Lebenszykluses, sondern eine gelungene Melange aus allen Ingredienzien der breit gefächerten 911 Produktpalette. Das beweisen nicht nur die knapp 700 auf der Nordschleife zurückgelegten Kilometer, sondern auch weitere 800 Kilometer im normalen Straßenverkehr. Die Lässigkeit, wie dieser Elfer den Spagat zwischen Alltag und Rennstrecke schafft, ist brillant.

Die Nürburgring Nordschleife und der Porsche 911, zwei Legenden also, die zu begeistern wissen. Nur eins darf man bei beiden nie vergessen: Man nähert sich dem Grenzbereich am besten von unten. Und mag dabei ein gelber GTS einem noch so viel Vertrauen schenken, man sollte dies trotzdem immer vorsichtig tun.

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