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Schaurig schöner Gothic-Horror mit Ben Barnes als Dorian Gray © SPORT1

Der Traum von der ewigen Jugend avanciert in einem schaurigen Gothic-Horror zum Albtraum. Der Unzucht ist Tür und Tor geöffnet.

Dorian Gray kommt Ende des 19. Jahrhunderts nach London. Sein makelloses Aussehen öffnet ihm nicht nur die Türen der Gesellschaft, ihm liegen auch die Frauen und die aristokratische Welt zu Füßen.

Unter den Fittichen des maliziösen Lord Henry Wotton lernt das Unschuldslamm bald hedonistische Freuden schätzen. Der homosexuelle Maler Basil Hallward hält in einem außergewöhnlichen Gemälde seine physische Ausstrahlung fest.

Aus Angst vor Vergänglichkeit wünscht sich Gray, nur das Abbild möge altern, aber nicht er. Der Wunsch wird grauenvolle Wirklichkeit.

Aus der Kino.de-Kritik:

Neuverfilmung von Oscar Wildes skandalträchtigem Roman als schaurig-schönem Gothic-Horror mit Colin Firth als maliziösen Verführer.

"Laster und Tugend sind dem Künstler Werkzeug für seine Kunst" schrieb Oscar Wilde zu seinem Roman, der sogar einen Unzuchtprozess im viktorianischen England gegen ihn ins Rollen brachte.

Für moralische Entrüstung kann die Geschichte vom Jüngling, der aus dunklen Gründen trotz Ausschweifungen und Dekadenz seine perfekte Schönheit bewahrt, heute nicht mehr sorgen.

Ein Wunsch wird grauenvolle Wirklichkeit

Wenn das sanfte Unschuldslamm Dorian Gray Ende des 19. Jahrhunderts nach London kommt, öffnet ihm sein makelloses Aussehen die Türen der Gesellschaft, liegen ihm die Frauen und die aristokratische Welt zu Füßen.

Unter den Fittichen des maliziösen Lord Henry Wotton (Colin Firth unschlagbar gut) lernt er bald hedonistische Freuden schätzen. Der homosexuelle Maler Basil Hallward hält in einem außergewöhnlichen Gemälde seine physische Ausstrahlung fest.

Aus Angst vor Vergänglichkeit wünscht sich Gray, nur das Abbild möge altern nicht er. Der Wunsch wird grauenvolle Wirklichkeit.

Etwas mehr Horror

Schon 1913 gab es eine erste Stummfilmversion, 1970 spielte Helmut Berger den amoralischen Lebemann, dem nichts heilig war.

Regisseur Oliver Parker, der seine Laufbahn im Theater begann und gemeinsam mit Clive Barker Horrorshows auf die Bühne brachte, packt die Gelegenheit beim Schopf, sich dem Horrorgenre wieder anzunähern, setzt weniger auf diskrete Andeutungen als auf direkte blutige Gruseltaten, obgleich er mit "Ernst sein ist alles" und "Ein perfekter Ehemann" schon solide Wilder-Adpationen ablieferte.

Kommt nicht an die literarische Vorlage heran

Die Modernisierung dieser schaurig-schönen Geschichte mündet im wüsten Gothic-Horror, der wenig Platz für ausdifferenzierte Charakterzeichnung lässt, sondern das Klischee der Verruchtheit feiert mit Opiumhöhlen, Alkoholexzessen und Sexorgien.

Es reicht nicht der rapide Verfall des Bildes und die Reduzierung zu einer hässlichen Teufelsfratze, es krabbeln Maden, während Gray im Kreise seiner im Alter an Mumien erinnernden Freunde, in toter Jugendlichkeit erstarrt.

Trotz exzellenter Ausstattung, wirkungsvollem Ästhetizismus des Fin de siècle und wunderbarer Schauspieler ist die Suggestivkraft des düsteren Zaubers der literarischen Vorlage nur in Ansätzen zu spüren, die Gebrochenheit eines Menschen, dem das Menschliche abhanden gekommen ist.

Cast Crew

Genre DramaKinostart 15.04.2010FSK ab 16Verleih ConcordeJahr 2009Länge112Regie Oliver ParkerDarsteller Ben Barnes, Colin Firth, Ben Chaplin, Rebecca Hall, Fiona Shaw, Emilia Fox u.a.

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