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Shia LaBeouf spielte in Filmen wie "Dumm und Dümmer", "Transformers" u.v.a. © getty

23 Jahre nach dem Kulthit geht Michael Douglas als Finanzhai wieder auf die Jagd und Shia LaBeouf als Broker-Stern in die Lehre.

Gier ist nicht mehr nur gut, Gier ist das Ein und Alles: 23 Jahre nach "Wall Street", dem ultimativen Statement zur Ich-Mentalität der Achtzigerjahre, geht Oliver Stone dem Finanzcrash von 2008 auf die Spur, der den Gordon Gekko von damals wie einen Philanthropen wirken lässt.

Als bekannt wurde, dass Oliver Stone seinen lange gehegten Wunschtraum, seinem Oscar-Erfolg von 1987 (Bester Schauspieler: Michael Douglas) eine Fortsetzung folgen zu lassen, allen Ernstes in die Tat umsetzen würde, war Skepsis angebracht.

Der alberne Untertitel "Geld schläft nicht" und ein erster ungelenker Trailer trugen nicht unbedingt dazu bei, das Vertrauen in ein neues Abenteuer von Gordon Gekko nach 23-jähriger Leinwandabsenz zu erhöhen.

Aus der Kino.de-Kritik

Der fertige Film spricht eine andere Sprache. Er ist mühelos der beste Film von Oliver Stone seit dessen Rückkehr zum Kino nach mehrjähriger Pause mit "Alexander" im Jahr 2004.

Ein konventioneller, eleganter Thriller über die Fallstricke der Gier, ein Windmühlenkampf, der, da ist der Film eindeutig, nicht zu gewinnen ist, auch wenn der jugendliche Held diese Schlacht gewinnen darf.

Es macht Spaß, einem unbestrittenen Meister nach dem vor Pathos triefenden "World Trade Center" und dem unfokussierten "W." wieder in Hochform arbeiten zu sehen, an einem Film, der all das bietet, was das amerikanische Kino auszeichnete, bevor der Eventfilmvirus um sich zu greifen begann und Hollywood mehr und mehr infantilisierte.

Die Geschichte ist spannend und emotional, das Thema brisant und erwachsen, die Schauspieler dürfen sich mit Figuren auseinandersetzen, die tatsächlich interessant und nicht gleich auf den ersten Blick zu durchschauen sind.

Obwohl die Finanzkrise von 2008 genug Zündstoff liefert, liegt der Fokus nicht auf der Message, sondern den Figuren, die von Oliver Stone ausreichend Raum zum Atmen bekommen.

Moore bekommt Hilfe von Gekko

Der Held ist der junge Wall-Street-Banker Jake Moore, der sich seinen Idealismus bewahrt ist.

Als er mit ansehen muss, wie seine Bank durch Insidergeschäfte des dämonischen Milliardärs Bretton James ruiniert und sein Mentor in den Selbstmord getrieben wird, seine eigenen Pläne, einer Firma, die sich um neue, umweltbewusste Energieformen müht, unter die Arme zu greifen, in weite Ferne rücken, schwört er Rache.

Dafür braucht er Unterstützung - ausgerechnet von dem einstigen Powerbroker Gordon Gekko, der acht Jahre zuvor aus dem Knast entlassen wurde und seither als reformierter Mahner vor den Auswüchsen der Hochfinanz Hörsäle füllt.

Reizvolles Fegefeuer der Eitelkeiten

Das ist ein Problem, denn Gekko ist der Vater von Jakes Verlobter Winnie, die nach dem Drogentod ihres Bruders mit dem Papa gebrochen hat. Jake verspricht, eine Annäherung zu ermöglichen, und sichert sich dafür Rat und Tat des einzigen Mannes, der es mit Bretton James aufnehmen kann.

Dass schließlich nicht nur der Börsencrash, sondern auch eine Menge unerwarteter Enthüllungen folgen, macht "Wall Street 2" zu einem reizvollen und umwerfend anzusehenden Fegefeuer der Eitelkeiten über eine Welt am Rand des Abgrunds.

Bewegend ist er vor allem in den Momenten, in denen die Schauspieler auftrumpfen dürfen: Vor allem die Szene, in der Gordon Gekko auf den Stufen des Metropolitan Museum of Art endlich Gelegenheit bekommt, vor seiner Tochter Abbitte zu leisten, zeigt, wie gut und profund amerikanisches Kino für Erwachsene heute noch sein kann.

Gastauftritt von Charlie Sheen

Shia LaBeouf macht eine gute Figur als junger Held, der alsbald feststellt, dass er vom Regen in die Traufe kommt; Carey Mulligan bestätigt als Winnie, dass ihre Meisterleistung in "An Education" kein Strohfeuer war.

Josh Brolin hat sichtbaren Spaß an seiner Rolle als dämonischer Bösewicht. Frank Langella, Susan Sarandon und der große Eli Wallach (wohl auch ihm zu Ehren hat Jakes Handy als Klingelton die Titelmelodie von "Zwei glorreiche Halunken") hinterlassen einen starken Eindruck in Kleinstrollen.

Dass neben Vanity-Fair-Chef Graydon Carter und Milliardär Warren Buffett auch Charlie Sheen als Bud Fox auf einen kleinen Gastauftritt vorbeischaut und sich einen kurzen verbalen Schlagabtausch mit seiner Nemesis Gordon Gekko liefern darf, ist ein kleiner Höhepunkt.

Unterhaltung mit Anspruch

Aber vor allem bietet der Film mit seinen ewigen glänzenden Oberflächen und Hubschrauberflügen vorbei an der Skyline des Big Apple Michael Douglas die Gelegenheit, seiner Paraderolle noch einmal alle Ehre zu erweisen: Sein faltiges, müdes Gesicht ist Warnung genug, was der Preis der Gier ist.

Nicht jeder Dialog sitzt, manchmal muss sich der Film arg viel Mühe geben, seinem Publikum die nötigen Informationen über die Komplexität des Finanzmarkts zu füttern, und gerade im letzten Akt hat man das Gefühl, er müsse die letzten Meter eines bereits gewonnenen Rennens noch einmal laufen.

Aber die Schwächen nimmt man in Kauf, weil "Wall Street 2" einen doch eindringlich daran erinnert, was das amerikanische Mainstreamkino einst sein konnte und heute nur noch höchst selten ist: Unterhaltung mit Anspruch, Entertainment mit Message. Mehr davon.

Genre DramaKinostart 21.10.2010Verleih FoxJahr 2010Regie Oliver StoneDarsteller Michael Douglas, Shia LaBeouf, Josh Brolin, Carey Mulligan, Eli Wallach, Susan Sarandon u.a.

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