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Til Schweiger (r.) ist deutscher Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent © getty

Seit "Barfuss" ist "Kokowääh" Til Schweigers fünfter Filmhit in Folge. Seine Tochter Emma spielt ihre erste große Hauptrolle.

Drehbuchautor Henry hat kein Glück in der Liebe und im Job.

Da erhält er ein sensationelles Angebot: Er soll an einer Bestsellerverfilmung arbeiten - zusammen mit der Autorin, ausgerechnet seine Ex Katharina, in die er immer noch verliebt ist.

Dann taucht auch noch ein kleines Mädchen bei ihm auf, um das er sich eine Zeit lang kümmern soll: seine Tochter aus einem längst vergessenen One-Night-Stand.

Was für eine Herausforderung!

Wenn der Vater mit der Tochter:

Til Schweiger bleibt sich treu, erweitert den hohen Gagquotienten seiner Erfolgsvorgänger "Keinohrhasen" und "Zweiohrküken" in dieser Geschichte eines Hallodris, dem von einem achtjährigen Dreikäsehoch der Kopf zurecht gerückt wird, allerdings effektiv um eine betont emotionale Komponente.

Til Schweiger dreht schneller als sein eigener Schatten.

Fünfter Filmhit in Folge

Seit "Barfuss", der filmischen und inhaltlichen Standortbestimmung, mit der Deutschlands neben Michael Bully Herbig erfolgreichster Kinostar vor sechs Jahren den aktuellen Karriereabschnitt als zunehmend selbstbestimmter Filmemacher zwischen Autorenfilmer und Publikumsliebling einläutete, ist "Kokowääh" der nunmehr fünfte Filmhit in Folge.

Gekonnt wird mit mittlerweile unverkennbarer Handschrift das bewährte Erfolgsrezept variiert, sodass der Film einerseits selbstbewusst auf eigenen Beinen stehen, andererseits - und das ist besonders reizvoll - als neues Mosaiksteinchen eines großen Ganzen gelesen werden kann.

Vertraut ist das Handlungsmuster: Wieder werden einem ziellos durch das Abenteuer Leben rasenden Glücksritter die eigenen Grenzen aufgezeigt, lernt er eine Lektion, erfährt er eine Läuterung, die den liebenswerten Chaot den mitfühlenden Menschen in sich entdecken lässt.

Rolle perfekt verinnerlicht

Ob er nun Nick, Ludo oder wie hier Henry heißt, ist einerlei. Längst wird diese patentierte Figur gleichgesetzt mit Til Schweiger selbst.

Die Rolle hat er bis ins letzte Augenzwinkern so perfekt verinnerlicht, dass er gar nicht mehr zu spielen scheint.

Weil so viel Vorarbeit schon geleistet ist, kann der Regisseur Schweiger, der mit einem von ihm überarbeiteten Drehbuch von Mitproduzent Béla Jarzyk arbeitet, auch eine etwas kompliziertere Handlung und ihre Konflikte schnell und wirksam etablieren.

Wobei er von der Arbeit mit einem eingespielten Team profitiert, allen voran sein angestammter Kameramann Christof Wahl, der hier auch als Koregisseur gelistet ist.

Gezeugt bei einem One-Night-Stand

Schweigers Figur Henry ist ein Drehbuchautor, der lieber kleine Brötchen backt, als sich für lukrative Aufträge verbiegen zu müssen.

Weil aber Ebbe ist auf dem Konto und das Pech sein ständiger Begleiter, willigt Henry ein, als seine Ex, eine gefeierte Romanautorin, ihn ins Spiel bringt für die Adaption ihres letzten Bestsellers - unter der Maßgabe, dass er das Skript gemeinsam mit ihr verfassen muss.

Gleichzeitig macht ihm seine einstmals beste Freundin ein unerwartetes Geschenk: Ausgerechnet er, der die unerträgliche Leichtigkeit des Seins zur Kunstform erhoben hat, soll sich einige Wochen um ihre achtjährige Tochter Magda kümmern - einst gezeugt bei einem längst vergessenen One-Night-Stand, wovon er bisher nichts wusste.

Nun ist diese Idee erst einmal nicht unbedingt originell. Variationen dieser Geschichte vom Erwachsenen, der sich erst in der Auseinandersetzung mit einem Kind wirklich selbst entdeckt, finden sich in der Historie des Kinos - von "Wenn der Vater mit dem Sohne" über "Paper Moon" bis hin zu jüngst "Somewhere" - zuhauf.

Überraschendes Happy-End

Aber Til Schweiger gibt ihr einen ganz eigenen Dreh. Ganz instinktiv schöpft er die emotionalen und komischen Möglichkeiten aus, wenn er das entwaffnend süße, von der eigenen Tochter Emma gespielte Mädchen die genervt-coole Schale Henrys nach und nach knacken und en passant auch die Herzen des Publikums gewinnen lässt.

Gleichzeitig steuert "Kokowääh" auf ein eher überraschendes Happy-End zu, das vom Bedürfnis des Filmemachers nach Harmonie und Aussöhnung geprägt sein mag, aber einfach mal so eine Neudefinition des Modells Familie wagt.

Daran erinnert man sich noch, wenn man all die Gegenschnitte auf das verschmitzte Gesicht von Emma Schweiger und gezielt gesetzten Seitenhiebe auf das Filmgeschäft - eine einzige Schlangengrube voller eitler Fatzke - vergessen hat.

Genre KomödieKinostart 03.02.2011Verleih WarnerJahr 2011Regie Til SchweigerDarsteller Til Schweiger, Emma Tiger Schweiger, Jasmin Gerat, Samuel Finzi, Meret Becker

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