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Chamäleon Rango erlebt als Sheriff spannende Abenteuer im Örtchen Dirt © getty

Zitaten-Bombardement im Wüstensand: Ein tierischer Held soll das Kaff Dirt vor der Dürre retten und erlebt zahlreiche Abenteuer.

Aus dem Terrarium in die weite Welt -ein Chamäleon wird nach einem Beinahe-Crash seines Besitzers mitten in der Wüste aus dem fahrenden Auto geschleudert.

Auf der Suche nach einer Wasserquelle landet das Reptil in einem kleinen Örtchen mit dem Namen Dirt.

Mit Prahlereien und einem äußerst merkwürdigen Triumph über einen gefährlichen Falken wird es zum Sheriff des Kaffs ernannt.

Künftig nennt sich das Tier Rango. Seine erste Aufgabe als neuer Boss: Den Auslöser für den eklatanten Wassermangel im Städtchen herauszufinden. Dabei erlebt Rango zahlreiche Abenteuer.

Aus der Kino.de-Kritik

Mit einem CGI-Animationsfilm, wie es bisher noch keinen gab, stellt das "Pirates of the Caribbean"-Duo Johnny Depp und Gore Verbinski wieder Genreregeln auf den Kopf.

"Rango" ist ein lupenreiner Western geworden, wenngleich in einer Variation, die Hommage und Kommentar, Dekonstruktion und Rekonstruktion in einem ist.

Gespickt mit Zitaten und Verweisen auf die großen Filme von Ford, Hawks, Leone und Peckinpah und begleitet von einer aus Eulen bestehenden Mariachiband, die sich mit ihren Liedern als griechischer Chor betätigt, wie es einst Nat King Cole in "Cat Ballou" getan hatte, wird "Rango" erzählt als Film im Film im Film.

Rettung vor dem Untergang

Der Held in dieser Ballade vom Desperado, der eine kleine Wüstenstadt vor dem Untergang retten soll, ist ein Chamäleon. Eine Amphibie, deren Wesen es ist, sich jeder Situation nahtlos anpassen zu können.

Genau darunter aber leidet der Kerl, der als Haustier gegen seine Identitätskrise in seinem Terrarium ankämpft, indem er sich mit den ganz großen Theaterwerken beschäftigt.

Als seine Besitzer auf dem Weg durch die Wüste über eine Bodenwelle fahren, wird das Chamäleon aus dem Auto geschleudert. Folglich erhält es die Gelegenheit, sich zu bewähren, in einem höchst skurrilen, ebenso surrealen und ungemein temporeichen Abenteuer.

Nachdem er eine erste lebensbedrohliche Situation mit einem angriffslustigen Falken überlebt hat, erfindet sich die Echse in dem heruntergekommenen Wüstenkaff Dirt neu als Rango, der zum Sheriff ernannt wird und das Rätsel lösen soll, warum kein Tropfen Wasser mehr im Umfeld zu finden ist.

Bürgermeister erinnert an Huston-Figur

Die Prämisse, direkt Roman Polanskis "Chinatown" entlehnt, vor dem sich Verbinski und sein Kreativteam doppelt verbeugen, weil der Bürgermeister der Stadt - eine Schildkröte - dem von John Huston gespielten Noah Cross nachempfunden ist.

Auch sonst trifft man auf archetypische Figuren und Situationen, wie sie in klassischen Western gang und gäbe sind. Nur dass Verbinski nicht bereit ist, nach den Regeln zu spielen.

Wie seine Titelfigur ist auch er ein Fremder auf ihm fremdem Terrain, der sich mit Improvisationslust, Chuzpe und Findigkeit durch das Szenario bewegt, das eine ideale Spielwiese für seine überbordende Fantasie ist.

Überraschung ist Gesetz

Unerwartetes und Überraschendes ist oberstes Gesetz: In einem frühen Moment ist Rango mit Hunter S. Thompson konfrontiert, der nach Las Vegas düst (Original-Sprecher Johnny Depp begegnet also Johnny Depp), später fliegen Fledermäuse zu den Klängen des Walkürenritts einen Luftangriff auf einen Wagentreck, und schließlich hat auch noch Clint Eastwood einen Auftritt als Spirit of the West.

Dazu kommen eine weibliche Echse, die stets zu inopportunen Augenblicken in einen Schockzustand fällt, ein daueralkoholisierter Hase mit nur einem Ohr, eine zierliche Wüstenmaus und eine Klapperschlange, die anstelle von Rasseln eine Schnellfeuerwaffe trägt.

Und doch sind allesamt nur Kulisse und Wortgeber für Johnny Depp, der losgelöst von den Limitationen des eigenen Körpers eine Darstellung gibt, wie sie gebührender nicht sein könnte für den Mann, der das Rebellentum in Hollywood zur Kunstform erhoben hat und nun Kunst und Kommerz im Animationsfilm vermählt.

Genre Abenteuer/Trickfilm (USA)Kinostart 03.03.2011Verleih ParamountJahr 2011Regie Gore VerbinskiDeutsche Sprecher Michael Kessler, Martin Semmelrogge, Rolf Zacher, The BossHoss u. a.

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