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Super 8 bezeichnet ein in den 60er Jahren entwickeltes Schmalfilm-Filmformat © getty

Bei den Dreharbeiten für einen Zombiefilm werden der 13-jährige Joe und seine Freunde Zeugen eines Zugunglücks. Danach ändert sich alles.

Eine US-Kleinstadt im Jahr 1979.

Nach dem Tod seiner Mutter ist der 13-jährige Joe allein mit sich und seiner Trauer. Zuflucht findet er bei den Dreharbeiten eines Zombiefilms, den sein bester Freund Charles auf Super 8 inszeniert.

Er konnte sogar die unerreichbar scheinende Alice für eine Hauptrolle gewinnen. Gemeinsam werden sie während des Drehs Zeugen eines Zugunglücks, bei dem eine Kreatur aus einem geheimen Militärwagon entweichen kann.

Kurz darauf geschehen unerklärliche Dinge, Alice verschwindet spurlos. Jetzt ist Joe gefragt.

Aus der Kino.de-Kritik

Ein Sommerfilm, wie er früher einmal war: JJ Abrams lässt eine Gruppe von Kleinstadtjungs in den Siebzigerjahren dem Geheimnis eines Aliens auf die Spur kommen.

Wenn nicht die Effektarbeit so modern und die Technologie so weit fortgeschritten wären, man könnte J.J. Abrams' Reminiszenz an die eigene Adoleszenz in den späten Siebzigerjahren tatsächlich für einen Film aus dieser Zeit halten.

Eine Ära, in der Popcorn-Sommer- Blockbuster hinter all dem Schall und Rauch immer noch eine Seele erkennen ließen - ein Bedürfnis, ihr Publikum nicht einfach nur mit Spektakel zu erschlagen, sondern Figuren zu erschaffen und Geschichten zu erzählen, die einem nahegehen.

Natürlich kann Abrams, wie schon bei "Star Trek", auch hier nicht ganz den Vorwurf entwerten, er sei mehr an der Plotmechanik als an den Figuren interessiert.

Man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, die vermeintliche Tiefe der Figuren sei doch nur behauptet und diene lediglich dazu, das präzise den erklärten Vorbildern nachgebaute Konstrukt besonders gut geölt funktionieren zu lassen.

Das wäre ein valider Kritikpunkt, wenn "Super 8" nicht so unfassbar unterhaltsam wäre, wenn man sich in Abrams' Händen nicht so wohl fühlen würde.

Er hat Filme wie "Stand By Me", "Die Goonies" und natürlich immer wieder früher Spielberg - "Unheimliche Begegnung der dritten Art", "E.T." - so verinnerlicht, dass seine Mimikry völlig organisch wirkt.

Szene mit Durchschlagskraft

Sein Held ist ein "lost boy", wie ihn Spielberg nicht schöner hätte erfinden können. Nach dem Unfalltod seiner Mutter auf sich allein gestellt, weil sein Papa, Stadtsheriff Jackson, von der Situation überfordert ist, stürzt sich der 13-jährige Joe Lamb mit seinen Kumpels in die Produktion eines auf Super 8 gedrehten Zombiefilms, den sein bester Freund Charles inszeniert.

Joe kann es nicht glauben, aber Charles ist es gelungen, die umwerfende Alice - das hübscheste und damit für die Jungs absolut unerreichbare Mädchen der Schule und obendrein Tochter des Mannes, der indirekt Schuld am Tod von Joes Mutter trägt - für eine Rolle zu besetzen.

Der Moment, in dem Alice vor laufender Kamera eine Probe ihres Könnens gibt und alle dabei zu Tränen rührt, ist schon jetzt ein Klassiker - man sieht Elle Fanning dabei zu, wie sie binnen einer Szene von der begabten Kinderschauspielerin zum kommenden Superstar reift.

Dass der Augenblick so eine große Durchschlagskraft hat, liegt aber auch daran, dass während des Drehs ein Wagen auf die Gleise biegt und mit einem vorbeifahrenden Zug mit geheimen Militärwagons kollidiert.

Stadt wird zum Katastrophengebiet erklärt

Während sich die Teenager vor den Explosionen und durch die Gegend segelnden Einzelteilen in Sicherheit bringen, kann aus einem der Wagons etwas entkommen, von dem die Öffentlichkeit nichts erfahren darf - und die immer noch laufende Super-8-Kamera zeichnet es auf.

In den nächsten Tagen geschehen merkwürdige Dinge, Menschen verschwinden spurlos, auf wundersame Weise werden im Städtchen alle Motoren und Mikrowellen entwendet: Ein Alien mit unklaren Absichten ist los.

Das Militär erklärt die Gegend zum Katastrophengebiet. Gleichzeitig eskalieren auch die privaten Konflikte: Joe verliebt sich in Alice, sein Vater verbietet seinem Sohn den Umgang mit dem Mädchen, das von dem Alien entführt wird.

Im Zentrum der Stadt kommt es zum Showdown, der keine Wünsche offenlässt, aber trotz allem Effektezaubers doch nur ein Sinnbild für Joes Einsamkeit und Trauer um den Tod seiner Mutter ist.

Ein Film wie früher

Um das Loslassen geht es in "Super 8" - buchstäblich. Um Heilung und das hinter sich Lassen, um Vergebung und Zusammenhalt. Ein brandaktueller Film also, der ganz unmittelbar zum Amerika von heute spricht.

Zugleich aber auch ein ganz persönlicher Film über die Freuden, Ängste und Nöte an der Schwelle zum Erwachsenwerden im Allgemeinen und die befreiende Kraft des Filmemachens im Besonderen.

Als hätte man das Maschinenöl in "Transformers" mit Herz und Seele ersetzt ist "Super 8" jetzt schon neben "Dazed and Confused" einer der großen Filme über das Jungsein in den 70s - eine Liebeserklärung mit allem, was dazugehört: nachvollziehbare Figuren, viel Humor, Action, Spannung - ein Film wie früher also, der die wichtigste Lektion begriffen hat:

Gutes Kino lässt sein Publikum staunen. Mission erfüllt.

Genre: Science-FictionKinostart: 4. August 2011Verleih: ParamountJahr: 2011Regie: J.J. Abrams

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