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Mia Wasikowska überzeugte als Alice in Tim Burtons "Alice im Wunderland" © getty

Mit seiner Neuverfilmung des Roman-Klassikers über eine Erzieherin entfernt sich Cary Fukunaga von bereits bekannten Version.

Als Jane Eyre Mitte des 19. Jahrhunderts ihre erste Stellung als Erzieherin in Schloss Thornfield antritt, erwähnt die Waise ihre Leidenszeit bei Verwandten und im Internat mit keinem Wort.

Dieses Schweigen und Janes furchtlose Direktheit imponieren Rochester, Janes launischem, aber charismatischem Arbeitgeber.

Denn er verbirgt selbst ein Geheimnis, das schließlich gefährdet, was keiner der beiden und auch das konservative Umfeld anfangs nicht für möglich gehalten hatte: eine aufrichtige, leidenschaftliche Liebe.

Aus der Kino.de-Kritik

Asketisch und emotional authentisch zeichnet die jüngste Verfilmung von Charlotte Brontës Klassiker den Weg ihrer berühmten Heldin nach.

Verachtet, gefürchtet, gequält und schließlich geliebt: Generationen haben Jane Eyres Entwicklung, die hinsichtlich Ehrlichkeit und Selbstachtung eigentlich immer eine Konsolidierung war, auch im Kino begleitet.

Mit der Protagonistin, ihrem Rückgrat, ihrer Sehnsucht nach Liebe und einem Leben, das nicht vom Horizont eingegrenzt wird, kann man sich heute noch identifizieren, wobei der Jugend wohl auch diese Adaption so exotisch wie ein Marsbesuch vorkommen wird.

Düster, streng, geschliffen

"Jane Eyre" ist also ein Genussmittel für Erwachsene, geschliffen im Wort, düster und streng in den Bildern. Die Dramaturgie entfernt sich nicht nur in der Erzählperspektive von der Vorlage, folgt dem in Erinnerungen abdriftenden Bewusstsein Janes und beginnt mit dem Tiefpunkt ihres Lebens, der Flucht aus Schloss Thornfield in die winterlich-lebensfeindliche Natur Yorkshires.

Aufgenommen von einem Pfarrer und seinen Schwestern, ihrer neuen Familie, blickt sie auf die eigene zurück. Ihre Leidenszeit bei Tante, Cousins und im Internat verkürzt der Film auf das Nötigste - sie selbst wird das noch radikaler tun, wenn sie ihre erste Stellung als Erzieherin antritt und Rochester, dem mürrisch-launischen Schlossherrn, ihre schlimmsten Erfahrungen verschweigt.

Lüge als Charakterschwäche

Weil auch er das tut, beginnt hier die Geschichte einer Seelenverwandtschaft und einer Liebe, die nicht von der Gesellschaft, nur von Rochesters großem Geheimnis sabotiert wird. Denn die Lüge, das arbeitet Moira Buffinis Drehbuch gut heraus, ist für die furchtlos direkte Jane eine unverzeihliche Charakterschwäche.

Alle Szenen zwischen Jane und Rochester knistern vor Spannung, die in reduzierter Form auch Elemente des Schauerromans, unheimliche Erscheinungen und Geräusche, erzeugen. Im Unterschied zu "Sin Nombre", dem starken Debüt von Regisseur Cary Fukunaga, ist "Jane Eyre" ein Film der Langsamkeit, fast des Stillstands, der, weitgehend in natürliches Licht gesetzt, in Ausstattung und Emotionen noch reduzierter und intimer als frühere Verfilmungen wirkt.

Michael Fassbender ("X-Men: Erste Entscheidung") ist überzeugend als Rochester, Mia Wasikowska ("Alice im Wunderland") aber nicht nur die jüngste, sondern auch bisher beste Jane im Kino. Ihre Mimik, das Timing ihrer Tränen, ihr Sprachduktus sind ein Highlight - und für eine bestimmte Klientel wird es der Film auch sein.

Genre: DramaKinostart: 01. Dezember 2011Verleih: TobisJahr: 2011Regie: Cary FukunagaSchauspieler: Mia Wasikowska, Michael Fassbender, Dame Judi Dench, Sally Hawkins, Jamie Bell

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