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Albert und sein Rassehengst Joey sind unzertrennlich. Als sein Vater das Pferd verkauft, werden die beiden auseinandergerissen.

Albert, Sohn einer englischen Bauernfamilie, und sein Rassehengst Joey sind unzertrennlich.

Als sein Vater das Wunderpferd, das sogar die strapaziöse Arbeit vor dem Pflug meistert, an die Armee verkaufen muss, werden die beiden auseinandergerissen.

Als Last- und Zugtier im Ersten Weltkrieg eingesetzt, wechselt Joey die Fronten wie auch seine Besitzer und wird zu einer Symbolfigur für unbezwingbaren Überlebenswillen im Irrsinn des Krieges.

Doch wird sein traumatischer Weg je wieder den seiner wichtigsten Bezugsperson kreuzen?

Aus der Kino.de-Kritik

Die Geschichte eines Hengstes, der das Grauen des 1.Weltkriegs an verschiedenen Fronten miterlebt, ist klassisches episches Gefühlskino Marke Steven Spielberg.

Innerhalb eines Vierteljahres lässt Spielberg dem lustvoll fabulierenden kinetischen Spaß von "Die Abenteuer von Tim und Struppi" berührendes Missionskino von hoher visueller Qualität folgen.

Die Verfilmung eines Kinderbuchs von Michael Morpurgo, das bereits erfolgreich für die Bühne adaptiert wurde, benutzt ein Tier als verbindendes Element verfeindeter Seiten und als Symbol natürlicher Unschuld, um Sinnlosigkeit und Grausamkeit des Krieges zu verdeutlichen.

Der dramaturgische Kniff mit wechselnden Besitzern, der in der Autovariante bereits Helmut Käutners "In jenen Tagen" oder Anthony Asquiths "Der gelbe Rolls-Royce" strukturierte, ist dabei Fluch und Segen, erfordert mehrfache emotionale Neuorientierung, ermöglicht aber auch unterschiedliche Perspektiven.

Verbeugung vor John Fords "So grün war mein Tal"

In der ersten Stunde entwickelt "Gefährten" die enge Beziehung zwischen dem englischen Farmerssohn Albert (Newcomer Jeremy Irvine) und dem Rassehengst Joey, den Alberts Vater (Peter Mullan) für viel Geld und damit noch höhere Verschuldung ersteigert, um gegenüber seinem arroganten Pächter einmal zu triumphieren.

Die Armut des einfachen Mannes, die sozialen Spannungen und die pastorale ländliche Kulisse mit einer kleinen Anhöhe, die in den Himmel hineinzuwachsen scheint, sind Spielbergs Verbeugung vor John Fords "So grün war mein Tal" - eine perfekte Union von plastischen Bildern, stimmungsvollen Lichtspielen und John Williams' sinfonischem Schmelz.

Pferd wird verkauft

Mit einer verblüffenden Überblendung von grobem Strickmuster auf wulstige Ackerfurchen wird ein früher emotionaler Höhepunkt eingeleitet, darf der Hengst Kampfgeist und Qualitäten als Zugtier beweisen, die ihm später das Leben retten werden.

Mit dem Verkauf des Tiers an die Armee tritt die große Zäsur ein, wechselt der Film auf die Schlachtfelder des 1. Weltkriegs und das Pferd seine Besitzer - vom englischen Offizier über zwei junge deutsche Deserteure bis zu einem französischen Mädchen und seinem Großvater.

Visuelle Qualität

So konstruiert und botschaftsgebunden dieser Reigen des Todes manchmal wirkt, mit einem symbolträchtig verwundeten Pferd, das durchs Niemandsland galoppiert und damit die Fronten für einen Moment verbindet, so eindrucksvoll auch dieser Schauplatz bereits von "Mathilde - Eine große Liebe" besucht wurde, so unbestritten ist die visuelle Qualität des Films.

Auch das verblüffende Training der Tiere und die Tauglichkeit dieses Wunderpferds als Auslöser großer Emotionen, wobei die Struktur des Films erfordert, ein Tier und nicht die Menschen, die seine Wege kreuzen, als wichtigsten Bezugspunkt anzunehmen.

Im berührenden Schlussbild vor glutrotem Sonnenuntergang landet Spielberg schließlich bei "Vom Winde verweht" - gewiss kein Titel, der das kommerzielle Schicksal dieses Zweieinhalbstünders vorzeichnet.

Genre: DramaKinostart: 16. Februar 2012 Verleih: Walt DisneyJahr: 2011Regie: Steven SpielbergSchauspieler: Emily Watson, David Thewlis, Peter Mullan, Niels Arestrup, Tom Hiddleston

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