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Sämtliche Rollen im Film wurden mit Serben, Bosniern und Kroaten besetzt © getty

Der Serbe Danijel und die Bosnierin Ajla verlieben sich Hals über Kopf ineinander, dann bricht der jugoslawische Bürgerkrieg aus.

Der Serbe Danijel und die Bosnierin Ajla verlieben sich Hals über Kopf ineinander. Doch ihr Glück ist nur von kurzer Dauer, der jugoslawische Bürgerkrieg bricht aus. Er wird Soldat, sie landet in einem Internierungslager.

Danijel versucht sie zu schützen, so gut er kann. Doch die Leidenschaft, die die beiden verbindet, wird von ihnen bald auch als Machtinstrument eingesetzt.

Ajla nutzt sein Begehren aus, um anderen bosnischen Frauen zu helfen, Danijel kehrt den Macho heraus, um vor seinem islamfeindlichen Vater nicht das Gesicht zu verlieren.

Aus der Kino.de-Kritik

In ihrem ebenso aufrechten wie erschütternden Regiedebüt erzählt Angelina Jolie von Liebe in Zeiten des Kriegen - zwischen einer bosnischen Muslima und einem serbischen Soldaten.

Es beginnt wie ein Liebesfilm. Eine Frau richtet sich zum Ausgehen her, prüft die Frisur, zieht die Lippen nach. In einem Lokal trifft sie sich mit einem uniformierten Mann. Sie beginnen zu tanzen, die Bosnierin Ajla und der Serbe Danijel. Ein Bombenanschlag beendet jäh den Abend.

1992, der Bürgerkrieg in Jugoslawien tobt. Die Frau wird in ein Internierungslager gebracht, in dem Vergewaltigungen und Folter zum Alltag gehören. Im Lager trifft die junge Malerin wieder auf Danijel, der eine serbische Einheit kommandiert. Um die Muslima vor den anderen Soldaten zu schützen, erklärt er sie zu seinem Eigentum.

Dokumentarischer Stil

"In the Land of Blood and Honey" nennt Angelina Jolie ihr Regiedebüt, das schon im Vorfeld zur Aufführung auf der Berlinale für reichlich Aufregung sorgte. Anti-serbische Propaganda wurde von der Belgrader Zeitung "Politika" vermutet, obwohl noch niemand den Film gesehen hatte.

Emir Kusturica schaltete sich ein, sprach von der "Lügenfabrik Hollywood" und drohte sich nach Südamerika abzusetzen, sollte die Filmemacherin ihr Werk in Belgrad vorstellen. Diese Vorwürfe erweisen sich als haltlos.

Jolie setzt auf einen beobachtenden, gleichsam dokumentarischen Stil, erzählt ihr Drama, zu dem sie auch das Drehbuch geschrieben hat, aus weiblichem Blickwinkel, aus der Perspektive der Opfer.

Liebe in Zeiten des Krieges

Im ersten Akt wird der Horror bebildert: Erschießungen, Deportationen, sexuelle und physische Gewalt. Dann kommen die Protagonisten, glaubwürdig verkörpert von Zana Marjanovic und Goran Kostic, zusammen.

Liebe in Zeiten des Krieges - wobei die Tiefe der Gefühle füreinander weitgehend Behauptung bleibt, sich nie wirklich erschließt. Die Regisseurin reduziert ihre Figuren generell auf Stereotypen, Danijels Vater ist ein unerbittlicher General (erschreckend überzeugend: Rade Serbedzija), das Baby von Ajlas Schwester (Vanessa Glodjo) wird ermordet usw.

Das gängige Stilmittel lässt Jolies Arbeit streckenweise zum Genrefilm werden.

Jugoslawien-Krieg bekommt Gesichter

Doch dies nimmt dem Film weder Wucht noch Intensität. Der Jugoslawien-Krieg bekommt eine Geschichte und Gesichter. Zur Authentizität trägt bei, dass sämtliche Rollen mit Serben, Bosniern und Kroaten besetzt und in bosnischer Sprache gedreht wurde.

50.000 Frauen wurden im Bosnienkrieg vergewaltigt, die Hälfte der bosnischen Bevölkerung aus ihrer Heimat vertrieben.

Der Westen hat lange einfach zugesehen und letztendlich versagt. Darauf wollte UN-Flüchtlingsbotschafterin Angelina Jolie mit ihrem zum großen Teil in Ungarn gedrehten Zehn-Millionen-Dollar-Film hinweisen - das ist ihr nachhaltig gelungen.

Genre: KriegsfilmKinostart: 23. Februar 2012 Verleih: Wild Bunch (Central)Jahr: 2011Regie: Angelina JolieSchauspieler: Zana Marjanovic, Goran Kostic, Rade Serbedzija, Vanessa Glodjo, Nikola Djuricko

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