vergrößernverkleinern
Meryl Streep gewann 2012 für ihre Rolle als Margaret Thatcher einen Oscar © getty

In Phyllida Lloyds Biopic über die frühere britische Premierministerin Thatcher brilliert Oscar-Preisträgerin Meryl Streep.

Die Anfänge als Lokalpolitikerin in einem Bezirk Nordlondons sind für Margaret Thatcher schwer.

Die männlichen Kollegen nehmen sie nicht ernst, erste politische Gehversuche scheitern.

Doch dann wird sie 1961 Parlamentssekretärin, ein Posten als Ministerin folgt. 1979 avanciert sie zur ersten weiblichen Ministerpräsidentin Großbritanniens, ein Amt, das sie bis 1990 bekleidet.

An ihrer Seite steht Ehemann Denis, Vater ihrer Zwillinge, Liebhaber, Berater und Stütze. Als sie 1982 Argentinien nach der Besetzung der Falklandinseln den Krieg erklärt, erhöht sich der politische Druck auf sie.

Aus der Kino.de-Kritik

Meryl Streep brilliert als Ex-Premierministerin Margaret Thatcher in Phyllida Lloyds elegant gestaltetem Biopic, das den Menschen hinter der Politikerin sichtbar macht.

"Über den Hut könnte man eventuell sprechen, die Perlenkette werde ich aber sicherlich nicht ablegen..."

Legendär wie dieser Spruch ist auch "Die Eiserne Lady" selbst, Margaret Thatcher, erster weiblicher Premier Großbritanniens und (politisch) höchst umstritten - für die einen wirtschaftlicher Heilsbringer, für die anderen rücksichtsloser Machtmensch, der mit der Politik der Deregulierung den "Casino Kapitalismus" förderte und so der britischen Mittelklasse den Todesstoß versetzte.

Fokus aufs Ehepaar

Meryl Streep leiht ihr in Phyllida Lloyds Biopic Gesicht und Stimme, ihren Ehemann spielt Jim Broadbent. Auf das berühmte Paar legt die Regisseurin ihren Fokus, alle anderen Mitspieler fungieren vornehmlich als Stichwortgeber.

Im Hier und Jetzt setzt der Film ein. Die hoch betagte Ms. Thatcher ist ihren Bewachern entschlüpft. Im Haus fehlt die Milch zum Tee.

Unerkannt betritt sie ein kleines Lebensmittelgeschäft, ersteht das Molkereiprodukt und beschwert sich anschließend beim Ehemann über den hohen Preis. Eine ganz normale Unterhaltung, die jedes Paar führen könnte.

Aber Gatte Denis lebt nicht mehr, Margaret führt Zwiegespräche mit einem Geist. Die Frau ist verwirrt, vielleicht sogar schon etwas dement. Das Prinzip von Regisseurin Lloyd ("Mamma Mia!") und ihrer Drehbuchautorin Abi Morgan ("Shame") ist ebenso einfach wie effizient:

Zeitsprünge durchs Leben

Die Story springt in der Zeit hin und her. Der gebrechlichen alten Dame bringt man leicht Sympathie und Verständnis entgegen, den homo politicus hasst oder bewundert man - je nach Geisteshaltung und politischer Gesinnung.

Eine 30-jährige Karriere wird in 105 Minuten "durchgespielt". Ende der 1950er Jahre ist Thatcher Kandidatin der Konservativen in einem Nordlondoner Wahlkreis.

1961 Parlamentssekretärin, 1970 Kultus- und Wissenschaftsministerin, nach der Wahlschlappe der Konservativen wird sie 1974 nach einer Kampfabstimmung gegen Amtsinhaber Edward Heath Parteivorsitzende und 1979 schließlich erster weiblicher Premierminister, ein Amt, das sie bis 1990 bekleidet.

Ein paar kleine Niederlagen, viele große Siege. Denis, ein erfolgreicher Geschäftsmann, ist ihr Freund, Liebhaber, Berater und Stütze.

Spitzname "Iron Lady"

Radio Moskau gibt ihr 1976 ihren Spitznamen "Iron Lady", nachdem sie in einer Ansprache die "bolschewistische Sowjetunion" attackiert hat - ein Ehrentitel findet sie und macht dann 1982 als Argentinien die britischen Falklandinseln besetzt, diesem Namen alle Ehre. Sie erklärt den Krieg und findet in US-Präsident Reagan einen mächtigen Verbündeten.

Sepiabilder und hohes Tempo

Nostalgische Sepiabilder für das Gestern, verwaschene, kalte Aufnahmen für das Heute.

Dazu Wochenschauclips, verwegene Kamerawinkel, hohes Tempo, eine furiose Montage und mittendrin die mehrfache Oscar-Preisträgerin Meryl Streep ("Sophies Entscheidung", "Kramer gegen Kramer"), die für diese Rolle ihren dritten Oscar einfahren konnte.

Nicht zu Unrecht ist sie wieder für einen Golden Globe nominiert, sie spielt Thatcher nicht, sie ist Thatcher. In Mimik, Gestik und Ton - und genauso überzeugend agiert Partner Broadbent ("Another Year").

Großes Schauspielerkino, das streckenweise wie ein Dokudrama anmutet - erstklassiges Produktionsdesign von Simon Elliott ("Eine zauberhafte Nanny"), perfekte (schreckliche) Kostüme von Consolata Boyle ("Immer Drama um Tamara") und ein treibender Score von Thomas Newman ("The Help") inklusive.

Ms. Thatcher muss man nicht mögen, diesen Film schon.

Genre: Drama/BiographieKinostart: 01. März 2012Verleih: ConcordeJahr: 2011Regie: Phyllida LloydSchauspieler: Meryl Streep, Jim Broadbent, Alexandra Roach, Olivia Colman, Harry Lloyd

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel