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Fabian Hambüchen wurde in Peking seiner Favoritenrolle nicht gerecht © getty

Sport1.de-Redakteur Wolfgang Kleine blickt auf die Kehrseite der olympischen Spiele zurück und zeigt die sportlichen Enttäuschungen.

Von Wolfgang Kleine

München - Wer hat es nicht gesehen: Schwimm-Megastar Michael Phelps gewinnt acht Mal Gold und kürt sich zum Olympia-König von Peking. Das US-Team gewinnt souverän im Basketball Gold. Und Usain Bolt rennt wie im Training als schnellster Mann der Welt zu seinen Siegen über 100 und 200 Meter.

Klar, das waren die sportlichen Highlights der Spiele in China.

Doch mich haben andere Dinge mehr berührt. Drei Superstars, die dem Erwartungsdruck nicht standhielten.

Liu Xiang, Fabian Hambüchen, Asafa Powell. Drei große Namen, drei sportliche Schicksale.

Entsetzen in China

Liu Xiang war vor den Spielen der Sport-Held in China. Der Weltmeister und Olympiasieger über 110 m Hürden sollte das Gold holen, das über eine Milliarde Chinesen in seiner Heimat von ihm erwarteten. Als Fackelträger stand er schon im Mittelpunkt.

Die Gastgeber-Nation fieberte in Peking seinem ersten Auftritt entgegen: Der Vorlauf am 18. August. Der Druck war groß. Doch, was sich da abspielte, sorgte für Entsetzen. Die Fans im Stadion, eine ganze Nation vor den TV-Schirmen, gerieten urplötzlich in eine Starre.

Für Minuten schien in China das Leben still zu stehen. Was war geschehen? Liu Xiang kauerte sich in den Startblock, provozierte einen Fehlstart. Wenige Meter war der Chinese gelaufen, besser gesagt, gehumpelt. Die Zuschauer hielten den Atem an. (Olympia: Tops und Flops)

Trainer weint hemmungslos

Dann ging Liu Xiang am Startblock vorbei, verließ die Laufbahn und verschwand in den Katakomben. Die verletzte Achillessehne ließ keinen zweiten Start mehr zu. Es war ruhig im "Vogelnest", keiner konnte es fassen, was er gesehen hatte.

Die Erwartungen waren enttäuscht, während Liu Xiang in den Gängen wütend gegen die Wand trat und dann niederkauerte. Sein Trainer verlor später völlig die Fassung und weinte bei der Pressekonferenz hemmungslos. (Entsetzen nach Olympia-Aus)

Hambüchen patzt

Fabian Hambüchen fuhr als Reck-Weltmeister nach Peking. Der kleine deutsche Turn-Künstler war der Favorit. Wer sollte ihn schlagen? Doch dann stand Hambüchen während der Teamwettkämpfe schon neben sich. An seinem Spezialgerät musste Hambüchen absteigen.

Er vermasselte dem deutschen Team die mögliche Bronzemedaille und kam auch später an den Einzelgeräten erst einmal nicht über einen vierten Platz hinaus. Der Meister der Holzmedaille - so wurde schon gemutmaßt, wenn es denn auch am Königsgerät nicht klappen sollte. (Hambüchen beendet den Olympia-Fluch)

Aus dem Strahlemann wurde der Verzweifelte. Als Favorit gekommen, geht er als Geschlagener. Dann die Reckübung. Doch wieder unterläuft Hambüchen ein kleiner Fehler. Die eingeplante Goldmedaille ist futsch. Der Weltmeister holt wenigstens noch Bronze. Es ist aber nur ein Trostpreis für den sonstigen Sonnyboy mit den eisernen Nerven.

Bolt stielt allen die Show

Asafa Powell sollte am 16. August über 100 Meter seinem jamaikanischen Landsmann Usain Bolt den großen Kampf liefern. Beide erreichten ohne Probleme das Finale. Doch dann geschah das Unfassbare.

Bolt rennt los, beschleunigt wie der Blitz. TV-Reporter Wolf-Dieter Poschmann brüllt bei dieser Lauf-Demonstration ins Mikrofon: "Was ist das denn? Ist das Training?".

Bolt läuft lässig die letzten der 100 Meter. Trotzdem: 9,69 Sekunden bedeuten einen neuen Weltrekord.(Bolt vom anderen Stern)

Und was macht Ex-Weltrekordler Powell? Bolts Landsmann wirkt wir paralysiert. Er ist überhaupt kein Gegner für den überragenden Sprinter.

Was bleibt? Ein enttäuschender 5. Platz in ebenso für ihn enttäuschenden 9,95 Sekunden. Powell wurde ein Opfer seiner butterweichen Nerven. Aus der großen Sprint-Party wurde für Asafa Powell nur eine Trauer-Fete.

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