Olympia 2008 fesselte auch die Sport1.de-Redaktion. Fragen an Gastgeber und Sieger bleiben offen - auch das IOC ist schuld.

Olympia 2008 begann in der öffentlichen Wahrnehmung weit früher als vorausgegangene Spiele. Grund war das Gastgeberland, das wegen Menschen- und Völkerrechtsverletzungen in der Kritik stand und steht.

Aus Protest gegen die umstrittene Tibet-Politik Chinas gab es beim Fackellauf massive Proteste. In Paris musste die Flamme zeitweise gelöscht werden.

Die Sportler entschieden sich einer nach dem anderen, in Peking keine politischen Botschaften nach außen zu tragen. Auch auf Druck des IOC, das vor dem Geschehen in China gerne die Augen verschließt und in seinen Forderungen nach Meinungs- und Pressefreiheit gewollt vage blieb.

Entsprechend wohlsortiert und durchgestylt war der Eindruck der Spiele, und selbst die Medien schauten nur selten hinter die Fassaden eines Landes, das ein Mädchen mit schöner Stimme nicht schön genug für die Eröffnungsfeier fand und daher ein anderes Playback singen ließ.

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Als schwärzeste Stunde der Spiele bleibt jedoch in Erinnerung, dass Stunden später der Schwiegervater des US-Volleyball-Trainers auf offener Straße erstochen wurde. Dass jener 16 Tage später Gold holte, war eine der bewegendsten Medaillen.

Auch aus deutscher Sicht ging dem emotionalsten Moment ein Todesfall voraus: Gewichtheber Matthias Steiner, dessen Ehefrau ein Jahr zuvor bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war, holte Gold - das in Österreich geborene Superschwergewicht weinte hemmungslos und hielt bei der Siegerehrung das Foto seiner Susann in die Kameras. Der Verursacher des Unfalls kam im November mit einer Bewährungsstrafe davon und entschuldigte sich nicht einmal bei Steiner, der bekannte: "Dieser schwarze Fleck wird immer bleiben" (Schuldiger bleibt auf freiem Fuß).

Mitgerissen hat uns zudem "Turn-Oma" Oksana Chusovitina. Die 33-Jährige holte bei ihren fünften Olympischen Spielen Silber. Auch angesichts eines Achillessehnen-Risses, den sie sich vor wenigen Wochen zuzog (Verletzungs-Drama um Deutschlands "Turn-Oma"), denkt sie nicht daran aufzuhören.

Ihr großer Antrieb ist ihr an Leukämie erkrankter Sohn Alisher, für dessen Behandlung sie viele ihrer hart verdienten Euro aufwendet.

Sportler wie sie, die in den weniger beachteten und wenig lukrativen Disziplinen alles geben, haben bei Olympia ihre große Bühne. Wie die Fechter Britta Heidemann und Benjamin Kleibrink, der Kanute Alexander Grimm oder Judoka Ole Bischof, die allesamt Gold für Deutschland holten.

Goldmedaillen, die den Medaillenspiegel aus unserer Sicht kräftig aufpolierten: Am Ende standen mehr Goldene als in Athen zu Buche, von Platz sechs kletterten die Deutschen auf den fünften. Eine Bilanz, die aber auch nicht blenden darf. In den viel beachteten (und geförderten) Mannschaftssportarten ging mit Ausnahme der goldenen Hockey-Herren nichts.

Unsere Handball-Weltmeister haderten mit Pascal Hens' Verletzung und schieden schon in der Vorrunde aus, wie die mit den NBA-Stars Dirk Nowitzki und Chris Kaman angetretenen Basketballer, die ihr Pulver im Monat zuvor in der Quali-Mühle verschossen hatten. Die hoch gewetteten Fußballerinnen holten zumindest Bronze.

Die größte Pleite erlebten allerdings die Ruderer, die erstmals seit 52 Jahren ohne Gold nach Hause fuhren.

Von den Leichtathleten und Schwimmern sind wir Kummer gewohnt; zumindest Britta Steffen - deren Psyche schon als labil verschrien war - überstrahlte mit zwei Olympiasiegen die Missstände im DSV, dessen Athleten ihre Bestleistungen regelmäßig außerhalb der Großereignisse abrufen.

Andere dagegen nutzten die Wettkämpfe im Becken und auf der Tartanbahn zu Rekordfestivals: Der US-Amerikaner Michael Phelps löste mit acht Goldmedaillen Mark Spitz als erfolgreichsten Olympioniken in einem Jahr ab. Der jamaikanische Sprinter Usain Bolt pulverisierte bei seinen Siegen die Weltrekorde über 100 und 200 m und mit der Staffel.

Wie "sauber" die beiden Überathleten dieser Spiele waren? Auch hier bleibt vieles im Dunkeln. Und auch hier liegt eine Teilschuld beim IOC: Sie gestand jüngst ein, dass trotz gültiger Verfahren auf viele Verbotene Substanzen gar nicht getestet worden sei (IOC räumt Lücken bei Dopingtests ein) .

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