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Für die Schweden und deren Fans war in der Gruppe Endstation © imago

Der etwas andere Jahresrückblick bei Sport1.de. Redakteur Thorsten Mesch gibt Einblick in seine ganz persönlichen EM-Höhepunkte.

Wenn "Finanzkrise" das Wort des Jahres ist, kann das "Unwort 2008" eigentlich nur heißen: "Bergtour".

Geschätzte 437 Millionen Mal wurde es im Zusammenhang mit der Fußball-Europameisterschaft genannt. Schon beim zweiten Mal hat es genervt. Immerhin, es gab Varianten wie "Jogis Gipfelsturm", aber die waren auch nicht besser.

Die EM an sich war aber eine feine Sache, und meine persönliche "Bergtour" begann im Mai: Trainingslager der Nationalmannschaft auf Mallorca. Da gab es Berge, wenn auch nicht so hohe wie in den Alpen, es schien die Sonne, zumindest als ich da war, es war warm. Zumindest als ich dort war.

Nur Regen auf "Malle"

Kollege Martin van de Flierdt, der vom zweiten Teil des Trainingslagers berichtete, erwischte es böse: Fast die ganz zweite Woche über regnete es auf "Malle". Bitter für Martin, denn im EM-Quartier der DFB-Elf in der Schweiz regnete es auch fast immer.

Viel besser war es in Österreich leider zunächst auch nicht. Am Tag vor dem ersten Spiel der deutschen Mannschaft schüttete es in Klagenfurt wie aus Kübeln. Was deutsche Hooligan-Idioten nicht davon abhielt, in Klagenfurts Altstadt auf polnische Fans loszugehen.

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Zum Glück verlief die EM ansonsten friedlich. Auch in Salzburg und Innsbruck, von wo ich über die Spiele der Spanien-Gruppe berichtete.

"Entschuldigung, sind Sie in der Musikbranche?"

Ein Highlight der EM, wenn nicht sogar DAS HIGHLIGHT, war meine erste Fahrt nach Salzburg. Mit der Bahn, erster Klasse. Denn Mann in meinem Abteil, hatte ich irgendwo schon mal gesehen. Ich hatte einen Verdacht, also fragte ich ihn: "Entschuldigung, sind Sie in der Musikbranche?"

"Das stimmt", sagte Jonny Hill. Der Country-Sänger, der 1979 für seinen Hit "Teddybär eins-vier" eine Goldene Schallplatte bekam, plauderte mit mir über Fußball und deutsche Schlager.

Bestens eingestimmt fuhr ich zum Stadion, wo ein weiterer Höhepunkt folgte: Die Bilder der schwedischen Gogo-Girls auf dem blau-gelben Doppeldecker-Bus haben auch den Kollegen in der Redaktion sehr gut gefallen.

Nächste Stadt, nächster Höhepunkt

Das anschließende Spiel fanden alle schrecklich. Für Griechenlands Vorstellung beim 0:2 gegen Schweden war "unterirdisch" noch geschmeichelt. Dafür war die Leistung meines griechischen Kollegen Nikos in den Kneipen am Mozart-Steg umso besser.

Fußballtechnisch wurde es wieder schlechter. In Klagenfurt standen Poldi und Co. plötzlich neben sich und verloren 1:2 gegen Kroatien. Am Wörthersee regnete es mal wieder.

Nächste Stadt, nächster Höhepunkt. Innsbruck: Spanien gegen Schweden. Nicht nur die Atmosphäre in der Stadt war besser als in Klagenfurt oder Salzburg, auch das Spiel. Doch das interessierte nur am Rande, denn ganz Österreich fieberte dem Spiel der Spiele entgegen.

Der Tag, an dem das Bild ausfiel

Die "Bergtour" der Österreicher hieß "Cordoba". "Krankl schießt ein!". Bis zum Erbrechen. Doch zum Glück hatten wir dieses Mal Ballack. Sein Freistoß-Hammer bedeutete, dass mir der GAU erspart blieb. Deutschland kam weiter. Was wäre das eine Schmach geworden! Schließlich sollte ich bis zum Finale von Wien aus berichten.

Dort gab es zwar keine Berge, aber ein packendes Viertelfinale zwischen der Türkei und Kroatien ? und Sonne satt. Bis auf einen Tag. Der Tag, an dem das Bild ausfiel. Währen die Kollegen Meißner und Rathjen beim Viertelfinale zwischen Deutschland und der Türkei in Basel im Stadion waren, blieb mir nur der ORF.

Endstation kurz vor dem Gipfel

Zum Glück hatte Kollege Frank Hellmann die "Swiss Beach Bar" entdeckt. Wir saßen quasi am Strand, doch dann gingen wir beinahe Baden. In Wien ging die Welt unter. Es regnete und blitzte, und plötzlich war das Bild weg. Auch im Schweizer Fernsehen, das im trockenen VIP-Bereich lief.

Dann hieß es, Lahm habe getroffen, doch das Bild kam erst wieder, als das Spiel längst vorbei war. Egal, Hauptsache Finale! Der Kreis hatte sich geschlossen. Im Mai hatte die EM auf Mallorca begonnen, jetzt standen Deutschland und Spanien im Finale.

Doch kurz vor dem Gipfel war für Jogi und seine Jungs Endstation. Ob es daran lag, das Wien gar nicht in den Bergen liegt?

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