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Oliver Kahns Bundesliga-Karriere begann am 27. November 1987 für den Karlsruher SC © getty

Oliver Kahn macht sich im ersten Teil des Interviews bei Sport1.de über seine Karriere und die Bayern so seine Gedanken.

von Conny Konzack

München - Das hat es auch in seiner aktiven Zeit nicht so oft gegeben: Oliver Kahn nahbar, pur, authentisch, lustig. Lustig? Ja, der Titan scherzte, als er beim Tucher-Sportstammtisch in Nürnberg das Fussballjahr 2008 und seine Karriere revue passieren ließ.

"Ich bin in Nürnberg schon anders empfangen worden", meinte der 557 malige Bundesligaspieler unter riesigem Jubel um seine Person. "Aber ich glaube, am Ende einer Karriere zählen wohl doch nur die guten Taten."ad

Frage: Können Sie sich eigentlich noch daran erinnern, was den Kick dafür gab, dass Sie Fußballer und Torhüter wurden?

Oliver Kahn: In der Schule müssen ja meistens die motorisch Unbegabten ins Tor. Ich war aber ein ganz passabler Feldspieler. Ehrlich! Bis mir dann mein Opa zu Weihnachten mal eine Torwartkluft von Sepp Maier schenkte, witzigerweise mit einem blauen Trikot. Da dachte ich, na gut, stell dich ihm zuliebe mal ins Tor. Da blieb ich dann fast 30 Jahrre.

Frage: Gab es für Sie damals Vorbilder?

Kahn: Klar, mein Vater, der ja selber Profi und dann später Trainer war. Das Schöne an ihm war, dass er mir als Sohn nie Druck gemacht hatte und meine Entwicklung ganz relaxt sah. Schule und das Abitur waren ihm wichtiger.

Frage: Wer war neben Ihrem Vater Ihr Haupt-Förderer?

Kahn: Natürlich Winnie Schäfer, mein erster Trainer. Auch wenn mein erstes Spiel für den Karlsruher Sportclub eine Katastrophe war.

Frage: Sind Torhüter und Linksaußen wirklich etwas "anders"?

Oliver Kahn: Linksaußen war ich nie, aber bei Torhütern stimmt das schon irgendwie. Die leben alle von übertriebenem Selbstvertrauen und Ehrgeiz!

Frage: Das aus Ihrem Munde? Es gab doch in Ihrer Karriere Situationen, wo man Sie nicht einmal ansprechen durfte.

Kahn: Ansprechen schon, aber man durfte nichts Falsches sagen. Im Zuge des ganzen Professionalismus und vor allem der Mediengewalt trauen sich leider immer weniger Profis, ihren Mund aufzumachen, um ja nichts Falsches zu sagen. Spieler wie Effenberg, Sammer oder Basler, die keine Angst vor Kritik oder einem flotten Spruch hatten, die gibt es doch kaum noch.

Frage:Sie haben aber zum Professionalismus beim FC Bayern beigetragen. Man erinnere sich nur an Ihre Ablösesumme von damals unvorstellbaren 4,5 Millionen Mark.

Kahn: Nein, nein! 3,5 Millionen waren das! Das weiß ich noch ganz genau. Und an den Spruch von Franz Beckenbauer kann ich mich auch noch sehr gut erinnern: Seid ihr deppert, so viel Geld für einen Torwart zu zahlen!

Frage:: Oliver, woher kommt Ihr Ehrgeiz und die Kahn-Philosophie: Immer weiter, immer weiter?

Kahn: Die haben mir Winnie Schäfer und später dann Otmar Hitzfeld mitgegeben, die zwei haben mich wie keine anderen Trainer geprägt. Vor Hitzfeld werde ich immer den Hut ziehen.

Frage: Welche Bedeutung hatte all die Jahre Uli Hoeneß für Sie?

Kahn: Zu Uli Hoeneß und seinem FC Bayern fällt mir spontan nur ein Satz ein, der aber alles sagt: 30 Jahre Liebe! Der FC Bayern, das ist zum größten Teil Uli Hoeneß. Er hat ? neben seinen bekannten Aktivitäten ? enorm viele soziale Leistungen vollbracht. Darin liegt der eigentlich größte Erfolg des Uli Hoeneß begründet.

Frage: Sollten oder wollten Sie mal sein Nachfolger werden?

Kahn: Ich habe mich selbst nie ins Spiel gebracht, wurde aber nach meinem Rücktritt schon oft gefragt, ob ich Bayern-Manager unter einem Trainer Klinsmann werden möchte. Zunächst einmal hat das mit Klinsmann nichts zu tun, wir leben ja beide nicht in der Vergangenheit. Aber ein Job beim FC Bayern zu haben, ist immer eine interessante Option für die Zukunft, nur für mich momentan noch nicht.

Frage: Wie würden Sie Ihr Image nach Ihrem Karriere-Ende selbst ansehen?

Kahn: Vom Bösewicht zum geliebten Menschen, aber das ist ja auch nur ein mediales Bild. Viele Leute haben über mich sicherlich gedacht, der Kahn, der hat nen Schuß. Ich kann all denen aber versichern ? dem ist nicht so

Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews

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