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Von 1994-2008 war Oliver Kahn der Keeper der Münchner Bayern. © getty

Im zweiten Teil des Interviews bei Sport1.de philosophiert Kahn über seine Nachfolger, die DFB-Elf und das Bayern-Gen.

von Conny Konzack

Frage: Wie betrachten Sie die aktuelle Situation in der Nationalelf?

Kahn: Es werden noch verdammt schwere Spiele bis zur WM-Qualifikation. Ich kann mich noch genau an den größten Druck erinnern, den ich in meiner Karriere hatte, als wir damals bei der WM-Qualifikation zwei Playoff-Spiele gegen die Ukraine hatten, die dann überstanden und damit den Nährboden für eine tolle WM 2002 bis zum Finale geschaffen hatten. Das wünsche ich den Jungs um Jogi Löw auch.

Frage: Apropos Löw: Wie sehen Sie den Konflikt mit seinem Kapitän Ballack?ad

Kahn: Den würde ich nicht zu hoch hängen, den werden die beiden sicherlich bis zum Frühjahr vor den nächsten Spielen geklärt haben. Ballack gehört in die Nationalmannschaft, weil er einfach viel Erfahrung mitbringt. Ich plädiere übrigens auch für einen Thorsten Frings. Jogi Löw braucht erfahrene Spiele. Die Mischung macht?s. Jedenfalls hat er mit Ballack und Frings zwei Spieler, die auch ihre eine Meinung äußern. Diese Tendenz der Gleichmacherei gefällt mir nämlich überhaupt nicht.

Frage: Und die Torwart-Frage, wie beurteilt die der Fachmann Kahn, dessen Favorit doch immer René Adler war, oder?

Kahn: Das mit dem Talent ist so eine Sache. Einerseits ist es Voraussetzung, aber ich halte die Weiterentwicklung noch für viel wichtiger. Adler ist sicherlich der Talentierteste und Fehler wie gegen England sind für seine Entwicklung sicher enorm wichtig. Die hat Manuel Neuer schon hinter sich. Ich schmunzle immer, wenn die zwei so in den Himmel gehoben werden. Wie gut die Jungs sind, zeigt sich erst unter Druck!

Wiese ist für mich unglaublich explodiert in seiner Leistungsstärke. Auch Michael Rensing ist ein Riesentalent mit allen Fähigkeiten, aber der wurde schon zum Nationaltorhüter gemacht, als er noch mein Stellvertreter bei Bayern war.

Frage: Herr Kahn, wird den Nationalspielern nicht generell zu viel abgenommen und wird nicht zu viel Starkult um sie betrieben?

Kahn: Beim DFB wird versucht, für die Spieler immer den optimalen Rahmen zu stellen. Die Frage ist nur, ob jeder Spieler daraus auch eine Verpflichtung ableitet...das ist doch beim FC Bayern genau das gleiche.

Frage: Wie steht der FC Bayern 2009 da?

Kahn: Nach den Startproblemen zu Saisonbeginn ging Jürgen Klinsmann wieder zur Hitzfeld-Taktik über, weil er schnell erkannt hat, dass Bayern kein Experimentierfeld ist. Seitdem läuft es, das bessere System brachte den Erfolg zurück. Ich denke, der FC Bayern war nie besser besetzt als zur Zeit. Die Millionen wurden investiert, um für Furore zu sorgen, Warum sollte das Team mit so vielen guten Spielern und Charakteren nicht ins Champions League-Finale kommen?

Frage: Und national? Da sperrt sich noch ein kleines gallisches Dörfchen namens Hoffenheim gegen die großen Bayern.

Kahn: Von dem der Ribery gar nicht wusste, wo es ist. Ist schon witzig. Aber Hoffenheim ist doch das Beste, was der Liga passieren konnte. Die polarisieren mehr als Schalke oder Werder, die sonst immer oben sind. Aber Bayern wird auch Hoffenheim bis zum Saisonende in Schach halten, weil sie diese Situation schon seit 30 Jahren kennen. Ich sehe Bayern jedenfalls am Ende vorne.

Frage: Und wenn sich Hoffenheim dennoch dagegen stemmt?

Kahn: Dann werden die Zügel bei Bayern eben noch mehr angezogen und die typische Uli Hoeneß Mentalität des "Jetzt erst recht!" wieder greifen. Uli denkt doch jetzt auch schon wieder Tag und Nacht daran, wie kann ich Erster werden? Und bei Bayern ist das richtige Umfeld da, mit geballter Kompetenz von Rummenigge bis Beckenbauer. Die haben Clubs wie Werder, Schalke oder Dortmund nun mal nicht.

Hier geht es zum ersten Teil des Interviews

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