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Matthias Steiner startete im April 2008 erstmals für Deutschland © getty

Matthias Steiner spricht mit Sport1.de über die Sportlerwahl, die Momente des Erfolgs, Poker und seine verstorbene Frau.

von Benjamin Bauer und Jessica Pulter

München - Er hat ein bewegtes Schicksal: Gewichtheber Matthias Steiner, gebürtiger Wiener, zerstreitet sich im Jahr 2005 mit dem österreichischen Verband und zieht zu seiner Freundin nach Deutschland.

Er beschließt den Sport nicht aufzugeben und künftig für Deutschland zu starten, doch dann folgte der nächste Schicksalsschlag: Seine Frau stirbt im Juli 2007 bei einem Autounfall.

Doch bei den Olympischen Spielen in Peking schlägt seine große Stunde: Der 26-Jährige holt, allen Widerständen zum Trotz, die Goldmedaille für Deutschland und berührt die ganze Welt, als er bei der Siegerehrung ein Foto seiner Frau präsentiert.

Sport1.de spricht mit dem frisch gebackenen Sport1.de-Sportler des Jahres über die entscheidenden Momente seines Triumphs, das Pokerspielen und seine verstorbene Frau:

Sport1.de: Herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum Sport1.de-Sportler des Jahres. Ganz knapp haben Sie vor Dirk Nowitzki durchgesetzt...

Steiner:...das habe ich schon gehört. Ich bin auch öfters auf Sport1 unterwegs und auch mein Trainer (Frank Mantek, die Red.) hat mir davon erzählt.

Sport1.de: Freuen Sie sich über den Wahlsieg oder ist das schon Routine?

Steiner: Routine darf so etwas nie werden. Aber ich bin doch überrascht. Wir nutzen Sport1.de sehr oft. Vor allem in Peking haben wir uns auf Sport1.de informiert. Wir wollten wissen, was in Deutschland so im Sport passiert. Oder auch in Peking haben wir uns informiert. Nirgendwo bekommt man die Informationen so schnell wie im Internet. Die Wahl freut mich riesig.

Sport1.de: Ist es für Sie überraschend, dass Sie sich gegen Dirk Nowitzki, Sebastian Vettel oder Timo Boll behauptet haben oder haben Sie sich in der Favoritenrolle gesehen?

Steiner: Ich sehe mich selbst nie als Favorit. Ich finde es schön, dass die Leistung honoriert wird. Die Leistung im Gewichtheben wird oft unterschätzt und es war in Peking kein locker gewonnener Wettkampf. Es war eher spannend wie ein Elfmeterschießen.

Sport1.de: Ist der Wahlsieg insofern etwas besonderes, weil nicht Journalisten abgestimmt haben, sondern 100.000 User?

Steiner: Das gewichtige ich ganz stark, wenn User oder Leser abgestimmt haben. Das ist dann die Meinung der breiten Öffentlichkeit. Ich merke das auch auf den Straßen. Wenn ich auf der Straße unterwegs bin, bekomme ich eine unheimliche Resonanz. Der Wahlsieg kommt deshalb vielleicht nicht ganz so überraschend, aber es macht mich immer wieder stolz. Es ist halt immer wieder eine andere Klientel und es sind immer wieder andere Menschen.

Sport1: Bei den Olympischen Spielen in Peking ist Ihnen ein absoluter Coup gelungen. Wie haben Sie die Zeit vor dem letzten Versuch im Aufwärmraum erlebt?

Steiner: Ich musste noch abwarten der Russe und der Lette macht um zu wissen wieviel ich denn dann eigentlich brauche um Gold zu gewinnen. Nachdem dann 258 Kilogramm feststanden ging alles sehr schnell, man hat ja auch nur eine Minute Zeit um die Last wegzuheben!

Sport1: Muss man als Gewichtheber auch eine gewisse Neigung zum Poker spielen haben? Erst bluffen und dann volles Risiko?

Steiner: Bis zu einem gewissen Grad ja, denn ich muss mir bewusst sein was ich überhaupt in der Lage bin zu heben aber trotzdem sollte ich auch mit den Steigerungen meine Grenzen ausreizen.

Sport1: Jeder hat noch die Bilder von Ihrer Freude nach dem gültigen Versuch vor Augen, können sie noch sagen, was Ihnen damals durch den Kopf ging?

Steiner: Nicht viel, das war einfach Freude pur. Wenn man weiß worauf man all die Jahre verzichtet hat und auch alle Höhen und Tiefen miterlebt hat, dann artet das Erreichte einfach in pure Freude aus.

Sport1: Bei der Siegerehrung haben Sie ein Bild Ihrer verstorbenen Frau mit aufs Podium genommen. Wie wichtig war Ihnen diese Aktion?

Steiner: Das war einfach nur für mich wichtig, um ihr zu zeigen wo ich stehe!!

Sport1: Ihre Goldmedaille ist für viele der Sportmoment 2008. Gibt es für Sie auch ein sportliches Ereignis fernab Ihres eigenen Erfolgs, dass Sie dieses Jahr zu den sportlichen Höhepunkten zählen?

Steiner: Mit Sicherheit die zahlreichen anderen Olympiasiege unserer deutschen Mannschaft, aber auch den WM-Titel von Hamilton!

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