Asien auf der Überholspur
Von DB Schülerreporter Maximilian Zerfaß
Leipzig - Mittwochabend, 22:37 Uhr in der Frankfurter WM-Arena. Ungläubige Blicke auf der Tribüne, manch einer reibt sich verwundert die Augen. Das Geschehen auf dem Rasen wirkt wie in einem Fußballmärchen.
Wie am Faden gezogen läuft der Ball durch die Reihen der Japanerinnen. Die Titel-Favoriten aus Schweden laufen hinterher. Eine Demonstration für die hübschen Nordlichter. Sekunden später sinken die Japanerinnen jubelnd in die Knie. Die Sensation ist perfekt: Japan steht im Finale.
Historische Chance für Japan
Ein Sieg im Endspiel gegen die US-Girls und Japan geht als erster asiatischer Weltmeister in die Geschichtsbücher ein. Eine schier unglaubliche Entwicklung, denn egal ob im Männer- oder im Frauenbereich galten die Asiaten lange als Kanonenfutter für die mächtigen Geschütze der großen Fußballnationen.
Doch seit der Männer-WM 2002 in Japan und Südkorea haben sich mehrere Nationen aus Fernost im weiteren Kreis der Weltspitze etablieren können. Teams wie Japan, Nord- und Südkorea machen bei den großen Turnieren den Favoriten das Leben schwer.
Technische Variabilität, taktische Cleverness und strenge Disziplin zeichnen sie aus. Das Asienfieber hat auch die deutsche Bundesliga gepackt. In der vergangenen Saison begeisterte Dortmunds Shinji Kagawa das Publikum.
Für die neue Spielzeit haben sich mehrere Mannschaften auf dem asiatischen Markt bedient. Bayern, Stuttgart oder der HSV - sie alle hoffen auf die Wirkung ihrer "kleinen" Stars.
Neue Generation steht in den Startlöchern
Der asiatische Fußball boomt und auch die Jugend setzt Ausrufezeichen. Bei der U17-WM 2010 der Frauen in Trinidad und Tobago entpuppten sich Japan, Nord- und Südkorea als Stolperfalle für die Favoriten und zogen ins Halbfinale ein. Dem deutschen Team blieb nach einer Niederlage gegen Nordkorea trotz einer grandiosen Vorrunde mit 22 Toren nur der Heimweg.
Durch einen Sieg im Finale gegen Japan krönten sich die Mädels aus Südkorea schließlich zum Weltmeister. Das Beispiel zeigt, dass der Erfolg der Japaner keine Momentaufnahme ist. Die neue Generation steht schon in den Startlöchern.
"Früher haben die Männer über uns gelacht"
Mit Freude verfolgt Christina Ramos den Aufschwung des asiatischen Fußballs, speziell im Frauenfußball. "Früher haben die Männer über uns gelacht, wenn wir Fußball gespielt haben", sagt sie gegenüber SPORT1 und grinst.
In diesen Tagen kann die Frau von den Philippinen über die Männer lachen, immerhin sind es die japanischen Frauen, die im WM-Finale stehen. Ramos ist beim Weltfußballverband FIFA für den Frauenfußball in Asien zuständig und hat auf den Philippinen den Frauenfußball aus der Wiege gehoben.
Ein schwieriges Unterfangen. Auch in ihrem Heimatland galten kickende Frauen lange Zeit als Tabu. Doch Ramos ist sich sicher, dass der Erfolg der Japaner auch auf kleinere Nationen wie ihre abstrahlen wird.
"Ein bisschen neidisch bin ich schon"
Wenn am Sonntagaben in Frankfurt der Ball rollt, wird Ramos allerdings auch mit einem weinenden Auge zusehen. Immerhin war sie selber zwischen 1978 und 1986 als Spielführerin der Philippinen am Ball, doch auf englischem Rasen in einem vollen Stadion durfte sie nie spielen. Sie gibt zu: "Ein bisschen neidisch bin ich schon."
Ramos ist überzeugt, dass der Aufwärtstrend im asiatischen Fußball ein nachhaltiger ist. Erfrischende Dribblings, Körpertäuschungen und Kurzpassspiel auf engstem Raum sehen schließlich Fans auf der ganzen Welt gerne. Trostloses Ballgeschiebe in der eigenen Spielhälfte? Nicht mit den Stars aus Fernost! Sayonara, auf Wiedersehen.
Weitere Informationen findet Ihr unter www.db-schuelerreporter.de.
Theresa Lambrich (15), Clemens Waadt (17) und Maximilian Zerfaß (17) berichten als DB Schülerreporter für SPORT1 von der Frauen-WM. Sie sind drei von neun Jugendlichen, deren Artikel bei SPORT 1 und weiteren Medienpartnern der Deutschen Bahn erscheinen. Doch nur einer darf vom Finale berichten. Wer das sein soll, entscheiden Sie auf der Website der DB Schülerreporter!