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Das Doppel Bastian Steger (l.) und Dimitrij Ovtcharov scheiterte im Achtelfinale © imago

Deutschlands Leitwolf wird bei der WM in Japan schmerzlich vermisst - die Bilanz ist mau. Timo Boll greift bald wieder ins Geschehen ein.

Yokohama - Timo Boll fieberte auf dem Sofa nervös mit, doch die chinesische Mauer war nicht zu überwinden.

Ohne den verletzten Star waren Deutschlands Tischtennisspieler bei der WM in Yokohama/Japan nach dem Achtelfinale nur noch Zuschauer.

Als letzte Hoffnung stand Bolls "Kronprinz" Dimitrij Ovtcharov gegen Chinas Ma Long auf verlorenem Posten (Lehrstunde beendet WM für Deutschland) .

"Das war ein Klassenunterschied. Um gegen die richtig guten Chinesen zu gewinnen, ist seine Schwäche auf der Vorhand noch zu groß", sagte Boll.

Trotz Ovtcharovs 1:4-Niederlage gegen den Weltranglistendritten zog Boll eine positive Bilanz: "Es war keiner überragend, aber es hat auch keiner richtig enttäuscht. Jeder blieb im Rahmen seiner Möglichkeiten."

Viermal China, viermal Aus

Neben Ovtcharov waren am Samstag noch drei deutsche Doppel und ein Mixed im Wettbewerb. In den fünf Spielen standen gleich viermal chinesische Gegner auf der anderen Seite des Tisches, viermal kamen die Sieger aus dem Reich der Mitte.

"Der Tag an der chinesischen Mauer war sicherlich der schwierigste. Der war nicht erfolgreich", sagte Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig.

Leitwolf schmerzlich vermisst

Der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) vermisste seinen Leitwolf schmerzlich. "Das Traumziel Medaille war mit Timo verbunden.

Wir wollten uns so gut wie möglich verkaufen, das ist auch gelungen. Wir brauchen uns nicht zu verstecken", meinte Schimmelpfennig: "Aber nicht nur wir, sondern ganz Europa hat Timo vermisst." Im Halbfinale stand kein einziger Europäer.

Boll wieder im Training

Boll wird am Montag nach einer einwöchigen Pause wieder mit dem Training beginnen und will am Sonntag für seinen Verein Borussia Düsseldorf im Champions-League-Finale antreten. "Im Alltag habe ich keine Rückenbeschwerden mehr. Mal sehen, wie es im Training läuft", sagte Boll.

Der verpassten WM-Chance gegen die alles andere als übermächtig spielenden Chinesen trauert er nicht mehr nach: "Wenn ich das im Fernsehen sehe, würde ich schon gern mitspielen. Hätte, wenn und aber bringt mich jedoch nicht weiter."

Ovtcharov/Steger nahe am Sieg

In der Yokohama Arena scheiterte Ovtcharov mit Bastian Steger auch im Doppel. Dabei wäre beim 2:4 gegen die Chinesen Hao Shuai/Zhang Jike sogar ein Sieg möglich gewesen.

"Den Beiden hat nicht viel gefehlt. Am Schluss haben sie zu hektisch gespielt und wollten zu schnell den Punkt machen. Das wäre nicht nötig gewesen, denn die Chinesen waren sichtlich unter Druck", sagte Trainer Jörg Roßkopf.

Elke Schall/Jiaduo Wu unterlagen den frenetisch angefeuerten Japanerinnen Ai Fukuhara/Sayaka Hirano trotz 2:1-Führung 2:4. Die deutschen Meisterinnen Zhenqi Barthel/Kristin Silbereisen waren beim 0: 4 gegen Guo Yue/Li Xiaoxia (China) völlig chancenlos.

Mixed geht unter

Die größte Medaillenchance hatte Schall an der Seite ihres Lebensgefährten Christian Süß. Doch das Mixed aus Düsseldorf und Busenbach verlor im Viertelfinale 0:4 gegen Zhang Jike/Mu Zi aus China. Bei einem Sieg hätte das Paar Bronze und damit die erste deutsche Mixed-Medaille seit 1971 sicher gehabt.

Damals hatte Eberhard Schöler an der Seite seiner Frau Diane in Nagoya Bronze gewonnen. In Yokohama räumten die Chinesen alle vier Medaillen ab.

Heim-EM im September

Ein Großteil des DTTB-Teams reiste am Sonntag bereits zurück nach Deutschland.

Nach der langen Saison steht eine Ruhephase an, dann beginnt die Mannschaft mit der Vorbereitung auf die Heim-EM Mitte September in Stuttgart.

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