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Timo Boll muss gleich zwei Niederlagen hinnehmen
Timo Boll gewann bereits zehn EM-Titel in seiner Karriere © imago

Nach der Pleite im EM-Halbfinale bleibt eine Kampfansage von Boll an die starken Chinesen aus. Er hat momentan andere Sorgen.

Stuttgart - Timo Boll will von China erstmal nichts wissen. Nach dem vorzeitigen Einzel-K.o. im EM-Halbfinale von Stuttgart blieb die übliche Kampfansage an die übermächtigen Tischtennis-Asse aus dem Reich der Mitte aus.

Boll hat momentan andere Sorgen. "Ich muss erstmal wieder auf mein altes Niveau kommen. Danach folgt der nächste Schritt", sagte der zehnmalige Europameister.

Natürlich sei eine Medaille bei einer WM nach wie vor sein Ziel. "Doch dazu muss ich erstmal wieder teilnehmen", meinte Boll mit einem verschmitzten Grinsen.

Boll will sich rar machen

Zwei Weltmeisterschaften in Folge hat der Ausnahmespieler von Borussia Düsseldorf verpasst. Der Körper streikte.

Boll will sich rar machen, damit Rücken und Knie künftig halten. "Ich werde mir die Spiele raussuchen und nur gut besetzte Turniere spielen", sagte der 28-Jährige.

Veranstaltungen wie die Russian oder die Polish Open wolle er künftig meiden und sich in der Zeit lieber um seinen Körper kümmern.

Er brauche Spiele gegen starke Gegner, nur die brächten ihn langfristig weiter.

Chinas Topspieler kein Thema

Doch wenn Boll nach den Tagen von Stuttgart über starke Kontrahenten spricht, fallen zuerst Namen wie die seines Europameister-Nachfolgers Michael Maze (Dänemark) oder seines kontinentalen Dauerrivalen Wladimir Samsonow (Weißrussland).

Kein Wort von den chinesischen Olympiasiegern Ma Lin, Wang Hao oder Wang Liqin.

Bolls Doppel-Partner Christian Süß ist mit den Gedanken dagegen ganz im Reich der Mitte.

Süß nimmt WM-Titel ins Visier

"Wir sind jetzt dreimal hintereinander Europameister geworden. Es ist an der Zeit, unsere Ziele neu zu definieren", sagte der Rotschopf. Man sollte bei einer WM nicht das Ziel haben, nur ins Finale zu kommen.

"Wenn wir über Jahre daran glauben, dann werden die Chinesen wackeln und irgendwann werden wir sie umhauen."

Für die goldene Zukunft will auch der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) weiter kräftig investieren.

DTTB will weiter investieren

"Man hat in Stuttgart gesehen, dass der Rest Europas nicht in Ehrfurcht vor Deutschland erstarrt", sagte Bundestrainer Richard Prause.

Nur wenn jeder Spieler noch einen Tick mehr arbeite, mache das den Unterschied. Zweimal Tischtennis plus X pro Tag, das mache jeder.

Prause will noch öfter den Vergleich mit China suchen. Im Riesenreich hält man sich jedoch gerne bedeckt.

"Es läuft eigentlich nur über private Kontakte. Wir profitieren unheimlich davon, wenn mal ein Chinese nach Deutschland zum Training kommt", sagte Prause.

Strukturverbesserungen geplant

Auch in der Peripherie gibt es für den DTTB einiges aufzuholen. In Europa mag die Struktur des Verbandes beispielhaft sein, mit Blick auf China wirkt sie fast schon kümmerlich.

Der chinesische Verband beschäftigt beispielsweise eigens 30 Leute, die sich nur um die Videoanalyse kümmern. Beim DTTB sind es drei. "Daran sieht man", meinte Prause, "wie weit wir noch weg sind."

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