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Dimitrij Ovtcharov spielt seit 2007 bei Borussia Düsseldorf © getty

Ovtcharov sei Dank! Timo Boll und Co. verteidigen als drittes Team der Tischtennis-Geschichte einen Europameistertitel.

St. Petersburg - Die deutschen Tischtennis-Asse um Timo Boll sind erneut auf den europäischen Tischtennis-Gipfel gestürmt.

Die Team-Olympiazweiten behielten in einem dramatischen EM-Finale in St. Petersburg gegen Weißrussland mit 3:2 die Oberhand und revanchierten sich damit für die Final-Niederlage von 2003.

Den deutschen Männern gelang erst als dritte Nation überhaupt die erfolgreiche Titelverteidigung.

Ovtcharov holt entscheidenden Sieg

Jungstar Dimitrij Ovtcharov erkämpfte gegen Witali Nechwedowitsch den entscheidenden Punkt. Der gebürtige Ukrainer wurde durch das 3:1 unter den Augen seines Vaters zum Matchwinner.

Dabei bewies der erst 20-Jährige unter lauten "Dima, Dima"-Rufen ungeheure Nervenstärke und befreite sich selbst aus den schwierigsten Situationen mit viel Raffinesse.

Letztlich nutzte Ovtcharov seinen vierten Matchball und wurde von seinen jubelnd heranstürmenden Mitspielern vor Freude zu Boden gerissen.

Dritter Titelverteidiger der Geschichte

Boll und Bastian Steger punkteten ebenfalls und komplettierten wie schon im Halbfinale gegen Österreich die starke Teamleistung. Lediglich Weißrusslands Star Wladimir Samsonow holte auf Seiten der Osteuropäer die Zähler durch deutliche Siege gegen Boll und Ovtcharov.

Bisher war es lediglich Ungarn einmal und dem früheren Seriensieger Schweden mehrmals gelungen, den Titel zu verteidigen.

Für den Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) war es bereits die 19. Goldmedaille der 50-jährigen EM-Geschichte.

Boll macht kurzen Prozess

Boll legte von den deutschen Schlachtenbummlern angetrieben gegen Nechwedowitsch einen Traumstart hin.

In knapp 15 Minuten fegte er den Weißrussen vom Court und gönnte seinem Gegenüber lediglich zwölf Punkte.

Auf der Ehrentribüne jubelte der eigens ins Deutschland-Trikot geschlüpfte DTTB-Präsident Thomas Weikert seinem Spitzenathleten aus Düsseldorf begeistert zu.

Samsonow eine Nummer zu groß

Anschließend ging der 20-jährige Dimitrij Ovtcharov hoch motiviert gegen den Weltranglistenfünften Samsonow an den Tisch.

Doch der dreimalige Europameister aus Weißrussland zeigte der deutschen Nummer zwei schnell die Grenzen auf und siegte ganz locker 3:0.

Steger brachte die deutschen Männer durch ein 3:0 gegen Jewgeni Tschtschetinine wieder zurück auf die Siegerstraße. Der 27-Jährige lieferte sich mit dem Defensivspezialisten dabei reihenweise spektakuläre Ballwechsel.

Doch wie schon zuvor Ovtcharov hatte auch Boll im Prestige-Duell mit Samsonow keine Chance, kassierte ein 0:3 und machte es noch einmal spannend.

Niederländerinnen siegen

Bei den Frauen sicherte sich die Niederlande erstmals den Europameistertitel.

Das Team besiegte Titelverteidiger Ungarn glatt mit 3:0 und brachte dem Rekordsieger als erstes europäisches Team seit zwei Jahren eine Niederlage bei.

Noch in der Halle stieß die Mannschaft mit einem Glas Wodka auf den Erfolg an.

Katzenjammer bei deutschen Frauen

Den deutschen Frauen ist nach feiern momentan nicht zumute.

Das Team von Bundestrainer Jörg Bitzigeio verlor das Spiel um Platz neun gegen Polen 1:3 und patzte nach WM und Olympia damit auch beim dritten Großereignis des Jahres.

Aufgeben will Bitzigeio dennoch nicht: "Wir haben dreimal auf den Deckel bekommen, doch ich will weitermachen. Durch die schlechten Ergebnisse steigt meine Motivation nur noch."

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