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Boll verteidigte als erster Spieler bei der EM 2008 alle drei Titel aus dem Vorjahr © getty

Der neunmalige Champion gönnt Christian Süß den Triumph bei der Deutschen Meisterschaft. Zur Gewohnheit soll es aber nicht werden.

München - Um Mitternacht gönnte sich Timo Boll noch ein schnelles Gläschen Sekt mit Gattin Rodelia.

Den Rest seines 29. Geburtstages verbrachte der deutsche Tischtennis-Star nach seiner Finalniederlage bei den deutschen Meisterschaften ausgerechnet mit seinem Bezwinger.

Im Flugzeug neben seinem Sitznachbarn Christian Süß hatte Boll auf dem Weg ins Trainingslager der Nationalmannschaft nach Katar ausreichend Zeit, über seine mangelnde Form nachzudenken.

"Mmhh", sagte der zehnmalige Europameister zögerlich, "eigentlich wollte ich es in Katar etwas ruhiger angehen lassen. Aber jetzt gibt es leider kein Golf. Es geht ab in die Halle, und dann wird knallhart trainiert. Ich muss dringend wieder in bessere Form kommen."

"Luft nach oben"

Ein fünftägiger Lehrgang soll die deutsche Mannschaft für den ersten Höhepunkt der Saison in Schuss bringen.

Die Mannschafts-WM im Mai in Moskau genießt bei Timo Boll und Bundestrainer Richard Prause höchste Priorität. "Dort wollen wir richtig weit kommen", sagte Boll in Trier und hielt dabei den üppigen Blumenstrauß für den DM-Zweiten in der Hand. "Wir müssen uns Richtung WM steigern", sagte Prause und mahnte an: "Viele haben noch einige Luft nach oben."

Rekord verpasst

Dies gilt insbesondere auch für Boll, der - allerdings geschwächt von einer Weisheitszahn-OP - den angestrebten Rekordsieg verpasste.

Mit dem zehnten Einzel-Titel hätte Boll Eberhard Schöler, der Süß den Siegerpokal überreichte, sowie Conny Freundorfer (je 9) hinter sich gelassen. "Das wäre schon gut gewesen, aber mir werden sich weitere Chancen eröffnen", sagte Boll.

Ausnüchtern im Flugzeug

So stand Süß ausnahmsweise einmal nicht im Schatten seines übermächtigen Düsseldorfer Teamkollegen und Doppelpartners. Der 24-Jährige, der zuvor sämtliche Erfolge immer an der Seite Bolls gefeiert hatte, stand diesmal in ungewohnter Rolle allein ganz oben.

"Klar, ich bin absolut happy. Ich wollte immer Meister werden, aber das ist nicht so einfach, solange es Timo gibt. Ich trinke noch ein Bierchen auf den Sieg - ausnüchtern kann ich ja im Flugzeug", sagte Süß.

Boll will sich wieder steigern

Doch auch sein erster deutscher Meistertitel im Einzel kam von Bolls Gnaden. Timo Boll wollte den Sieg im Vorbeigehen mitnehmen, wirkte ein wenig lustlos und verhinderte nur mit einigen glücklichen Kantenbällen eine "Klatsche".

In zwei Wochen wird meine Form schon wieder besser sein", versprach er anschließend. Dann stehen bereits die German Open in Berlin auf dem Programm, und Timo Boll will ganz oben stehen."Ich gönne es Christian", sagte die Nummer vier der Weltrangliste.

"Und für mich war es kein Weltuntergang. Aber zu häufig muss es auch nicht sein."

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