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Timo Boll war 2003 als erster Deutscher die Nummer eins der Weltrangliste © imago

Das deutsche Tischtennis-Ass kann seinen Titel bei den German Open nicht verteidigen, blickt aber optimistisch in die Zukunft.

Berlin - Mit müden Augen und kraftloser Stimme wollte der deutsche Starspieler Timo Boll dem Viertelfinal-K.o. bei den German Open in Berlin noch etwas Positives abgewinnen.

"Ich habe mit viel Schlimmerem gerechnet, denn ich bin ohne Plan angetreten. Mir fehlt jede Menge Training, dafür war es ganz ordentlich", sagte der zehnmalige Europameister, der zuletzt mehr mit Verletzungen und Erkältungen als mit Gegnern kämpfte.

Doch Bolls traurige Miene verriet, dass er sich innerlich mehr ausgerechnet hatte als das Aus in der Runde der letzten Acht gegen den chinesischen Weltranglisten-Elften Chen Qi nach sieben hart umkämpften Sätzen.

Deutsche von "chinesicher Mauer" gestoppt

Schließlich hatte der Ausnahmekönner aus Düsseldorf in den vergangenen zwei Jahren beim mit 172.000 Dollar dotierten Pro-Tour-Turnier triumphiert. "Es kann nicht mein Ziel sein, knapp gegen Chen Qi zu verlieren", sagte der 29-Jährige.

Auch Bolls Nationalmannschaftskollegen Dimitrij Ovtcharov (0:4 im Viertelfinale gegen Ma Long) und Christian Süß (0:4 im Achtelfinale gegen Zhang Jike) wurden frühzeitig von der "chinesischen Mauer" gestoppt.

In den Finals am Sonntag machten die Stars aus Fernost die Einzeltitel unter sich aus. Bei den Herren siegte der Weltranglisten-Erste Ma Long (4:1 gegen Wang Hao), bei den Damen triumphierte Feng Yalan (4:3 gegen Ding Ning).

Zwei Monate vor der Mannschafts-WM in Moskau (23. bis 30. Mai) wartet auf das deutsche Team noch eine Menge Arbeit, will es wie angekündigt die übermächtigen Chinesen, die seit zehn Jahren keinen Mannschaftskampf mehr verloren haben, ernsthaft herausfordern.

"Ich bin ein großes Talent"

Dafür aber bedarf es eines Timo Boll in Top-Form.

Seine drei Spiele in der Berliner Max-Schmeling-Halle gegen Chen, Petr Korbel (4:1) und Cho Eon Rae (4:2) seien weitere Schritte dahin gewesen, erklärte der Weltranglisten-Dritte: "Ich bin zwar ein großes Talent, aber auch das größte Talent braucht Training und Spiele zum Erfolg."

Doch beides war zuletzt kaum möglich. Vor seiner Erkältung zwang ihn eine Oberschenkelzerrung zum Verzicht auf die Pro-Tour-Turniere in Kuwait und Katar, dann ging er von einer Zahn-Operation geschwächt in die DM von Trier.

Fehlerquote zu hoch

Prompt kassierte Boll dort eine Finalniederlage gegen seinen Doppelpartner Süß. In Berlin zeigte Bolls Formkurve zwar nach oben, doch seine Fehlerquote war zu groß für den ganz großen Wurf.

"Ich habe zu viele einfache Fehler gemacht. Das ist momentan meine größte Schwäche", sagte Boll und erklärte: "Mir fehlen die berühmten letzten Prozente, deshalb komme ich oft zu spät an den Ball."

Herren-Bundestrainer Richard Prause war dennoch zufrieden mit seinem Schützling.

"Dieses Turnier hat ihn wieder ein kleines bisschen vorangebracht", sagte Prause und schaute zuversichtlich Richtung Mannschafts-WM, zumal Dimitrij Ovtcharov im Achtelfinale beim 4:3 gegen den Kuwait-Open-Sieger Xu Xin bewies, dass auch die Chinesen nicht unschlagbar sind: "Wir können sie angreifen - aber nur an einem perfekten Tag."

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