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Jörg Roßkopf wurde 1989 mit Steffen Fetzner Weltmeister im Doppel © imago

Jörg Roßkopf bestreitet sein letztes Spiel. Er spricht über seinen größten Erfolg und seine künftige Rolle als Bundestrainer.

Von Benjamin Bauer

München - Jörg Roßkopf war erst 19 Jahre alt, als ihm der größte Erfolg seiner Karriere gelang.

Im April 1989 sicherte er sich mit Doppel-Partner Steffen Fetzner den Titel bei der Heim-WM in Dortmund.

Der große Erfolg sorgte für einen Tischtennisboom in Deutschland und war Auftakt für eine lange und erfolgreiche Karriere.

Nun beendet der Linkshänder seine Laufbahn. Am Samstag wird er letztmals in der Bundesliga für seinen Verein TG Hanau antreten (Zusammenfassung am Samstag ab 10.45 Uhr im DSF).

Doch der 40-Jährige wird dem Spitzen-Tischtennis in Deutschland erhalten bleiben. Im Sommer übernimmt Roßkopf das Amt des Bundestrainers.

Im ersten Teil des Interview der Woche mit Sport1 spricht Roßkopf über sein anstehendes letztes Spiel, seine zukünftige Rolle als Bundestrainer und die Vormachtstellung der Chinesen.

Sport1: Herr Roßkopf, eine lange Tischtennis-Karriere geht am Wochenende zu Ende. Kommt Wehmut auf?

Jörg Roßkopf: Das Karriere-Ende ist schon etwas ganz Besonderes. Aber ich freue mich darauf, dass es nun bald vorbei ist. Ich habe es schon lange herausgezögert. Ich habe 21 Jahre Hochleistungssport betrieben und der Körper hat viele Probleme gemacht. Ich freue mich auf die letzten beiden Spiele und das ich mich dann auf den Job als Bundestrainer konzentrieren kann. Ich werde noch ein paar Show-Kämpfe bestreiten, aber keine offiziellen Turniere mehr.

Sport1: Und wenn Hanaus Teammanager Johannes Herrmann anruft und sagt, dass personell der Schuh drückt?

Roßkopf: Auf keinen Fall gibt es ein Comeback. Da müssten schon zwei Spieler ausfallen. Und Ich hoffe, dass das nicht der Fall sein wird. Ich habe keine Lust mehr zu spielen und in meinem Vertrag steht, dass ich nur im äußersten Notfall spielen muss. Ich will gegen keinen Nationalspieler mehr spielen. Das hat mich schon in dieser Saison gestört hat, als zukünftiger Bundestrainer gegen meine Leute, die ich zukünftig betreue, anzutreten.

Sport1: Welchen Moment würden Sie als größten Ihrer Karriere bezeichnen?

Roßkopf: Ich denke der WM-Titel. Überall wird man auf diesen Erfolg angesprochen (Das Doppel Roßkopf/Fetzner wurde Weltmeister in Dortmund, Anm. d. Red.) Damals haben wir die Sportart Tischtennis geweckt und eine Euphorie ausgelöst. Jeder hat von unserem Titel profitiert, die Spielergehälter und Mitgliederzahlen in den Vereinen sind gestiegen und der Tischtennissport ist in Dimensionen vorgedrungen, die niemand vorher erahnt hat. Der WM war für uns ein Meilenstein und für das Tischtennis die große Auferstehung.

Sport1: Ab August werden Sie Bundestrainer. Wo setzen Sie den Hebel als erstes an?

Roßkopf: Ich denke, wir haben eine erfolgreiche Mannschaft. Dennoch muss man sich als Spieler und als Trainer immer neue Ziele setzen. Viele Nationen aus Fernost wollen uns als Nummer zwei verdrängen und leisten dafür große Anstrengungen. Die Koreaner beispielweise holen alle ihre Spieler zurück und sammeln sie in den Leistungszentren, um dann bei Olympia ihre Spieler im Finale zu sehen.

Unser Ziel muss heißen, diese Mannschaften auf Distanz zu halten und generell sollte das Ziel eines jeden Tischtennisspielers sein, den Abstand zu den Chinesen zu verringern. Wenn ich Spieler wäre, würde es mich extrem stören, dass die Chinesen so weit vorn sind. Das ist eine Mentalitätssache und ich versuche, die Jungs soweit zu bringen, dass sie daran glauben, auch gegen diese Spieler gewinnen zu können.

Sport1: Was kann man denn von den Chinesen lernen?

Roßkopf: Das System von ihnen ist schwer zu kapieren. Es gibt eine perfekte Sichtung. Außerdem viele Spieler un viele und sehr gute Trainer in den unteren Bereichen, die bei uns mit der Kreis- oder Bezirksebene vergleichbar sind. Das ist bei uns gar nicht machbar. Der Druck ist generell in Chinas Sportarten höher. Wenn der eine nicht gut spielt, warten eben 100 andere und wollen dessen Platz einnehmen.

Um den Tischtennissport attraktiver zu machen. muss die Dominanz der Chinesen gestoppt werden. Der alte Machtkampf Asien gegen Europa muss wieder hergestellt werden. Es ist so zu langweilig. Wir brauchen die Kämpfe von Timo Boll, Michael Maze und Vladimir Samsonow gegen die Chinesen.

Im zweiten Teil des Interviews spricht Roßkopf über Timo Boll und und die Attraktivität des Tischtennis-Sports >>

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