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Roßkopfs beste Weltranglistenplatzierung war der vierte Rang © imago

Roßkopf bestreitet sein letztes Spiel. Er kritisiert die Dreier-Mannschaften der Liga und spricht über den ausbleibenden Boom.

Von Benjamin Bauer

München - Jörg Roßkopf bestreitet am Samstag sein letztes Spiel in der Tischtennis-Bundesliga für die TG Hanau. (Zusammenfassung am Samstag ab 10.45 Uhr im DSF)

Zukünftig wird der Linkshänder das Amt des Bundestrainers bekleiden.

Im zweiten Teil des Interviews der Woche mit Sport1 spricht Roßkop über die schwache TV-Präsenz seiner Sportart und den ausbleibenden Boom trotz der Erfolge von Timo Boll.

Roßkopf kritisiert die Dreier-Mannschaften der Bundesliga und äußert sich zu deutschen Talenten.

Sport1: Was muss passieren, damit Tischtennis attraktiver wird? Hilft mehr TV-Präsenz oder muss auch über Regeländerungen nachgedacht werden?

Roßkopf: Durch die Sätze bis elf sind die Spiele schon interessanter geworden. Man kann sich auch Gedanken machen, um Sportarten medienpräsenter zu machen. Letztlich liegt es aber auch an den TV-Sendern. Skispringen ist nicht gerade eine medieninteressanteste Sportart und hat trotzdem Quote gebracht. Jede Medienanstalt kann aus jeder Sportart etwas machen.

Es ist die Frage, ob man es will oder nicht. Wir haben perfekte Leute mit Boll, Christian Süß, Dimitrij Ovtcharov, Patrick Baum und Bastian Steger. Eine super Nationalmannschaft. Dazu einen intakten Verband und gute Trainer.

Es wäre mit Sicherheit machbar. Es muss jemand über längere Sicht das Ganze in die Hand nehmen wollen. Das ist sehr schwierig, Fußball deckt vieles ab. Zuviel. Der Gebührenzahler hat ein Recht darauf, viele Sportarten zu sehen. Und wenn ich Sportsendungen anschaue, sehe ich nur zwei, drei Sportarten. Und es gibt viele andere Sportler, die es verdienen, mehr in der Öffentlichkeit zu stehen.

Sport1: Trotz Boll bleibt ein zweiter Boom aus?

Roßkopf: Es ist schade, aber wir können nicht mehr machen von Spieler- und Trainerseite als Erfolge zu feiern. Und die hat Timo und er ist ein Sympathieträger, der seine Sache perfekt macht. Viele Faktoren spielen für einen Boom eine Rolle. Wir haben 2012 eine WM im eigenen Land und Olympische Spiele. Nach der WM 1989 hatten wir bis 1995/1996 einen Boom und haben Hallen gefüllt. Bei Bundesligaspielen kamen früher 2000 bis 3000 Zuschauer.

Heute sind wir über 400 bis 500 froh. Wir müssen die Tischtennisspieler aller Klassen wieder für den Sport begeistern und mal fragen, warum sie nicht in die Hallen kommen.

Sport1: In der Bundesliga wird nur noch mit Dreier-Teams gespielt. Das heißt weniger Platz für deutsche Talente. Das dürfte Ihnen als künftiger Bundestrainer nicht schmecken?

Roßkopf: Ich habe diese Dreier-Mannschaft schon vor zwei Jahren kritisiert. Damit fördert man nicht den Tischtennisport und Talente. In Hanau spielen wir die komplette Saison mit jungen Deutschen und das ist genau das, was die Vereine machen sollen. Ansonsten leidet auch die Nationalmannschaft darunter. Und das kritisieren auch Heiner Brand beim Handball und Uwe Krupp beim Eishockey.

Zurzeit haben wir noch das Glück, das wir gute Arbeit gemacht bekommen von Seiten der anderen Trainer und es auch Eltern gibt, die ihre Kinder pushen. Hanau hat kürzlich gegen Plüderhausen mit Patrick Franziska, einem deutschen Talent gespielt und er ist gegen den ehemaligen Weltmeister Jörgen Persson knapp an einem Sieg vorbeigeschrammt. Solche Spiele brauchen die jungen Spieler. Und bei nur 30 Plätzen bekommen sie diese Spiele nicht, weil 75 Prozent mit Ausländern besetzt werden.

Sport1: Werden Sie sich als Bundestrainer dafür stark machen, dass dieses wieder geändert wird?

Roßkopf: Da kann ein Bundestrainer nichts machen. Das ist eine Entscheidung der Vereine und es wäre auch schlecht, das nach kurzer Zeit wieder rückgängig zu machen. Aber es wäre toll, wenn wie in Düsseldorf und Hanau nächste Saison häufiger drei deutsche Spieler auflaufen würden.

Aber die Vereine schauen auf die Erfolge und mit jungen Spielern dauert das alles etwas länger. Aus Sicht des Bundestrainers ist das nicht förderlich und ich hoffe, dass wir nicht in ein paar Jahren die Quittung bekommen.

Hier geht es zurück zum ersten Teil des Roßkopf-Interviews!

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