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Jörg Roßkopf wird am 1. August 2010 offiziell deutscher Bundestrainer © getty

Jörg Roßkopf rettet der TG Hanau den Klassenerhalt und schlägt nach seinem Karriereende ein "neues Kapitel" auf.

Hanau - Als Jörg Roßkopf müde und ausgelaugt nach 24 Bundesliga-Jahren seinen Schläger beiseite legte, verneigte sich Timo Boll vor seinem einstigen Idol.

"Er war mein großes Vorbild, meine Antriebsfeder, mich für den Tischtennissport zu entscheiden. Er hat nicht nur deshalb großen Anteil an meiner Karriere", sagte der zehnmalige Europameister.

"Ohne Jörg wäre das deutsche Tischtennis - und nicht nur das - ein großes Stück ärmer. Jörg ist ein Vorzeigeathlet weit über unsere Sportart hinaus", so Boll weiter.

Zuvor hatte Roßkopf, der den ehrenhaften Spitznamen "Mr. Tischtennis" trägt, den letzten Ball seiner Karriere gespielt.

Roßkopf ist "ganz schön platt"

"Rossi" schaffte mit der TG Hanau in der Bundesliga durch ein 3:1 beim 1. FC Saarbrücken den Klassenerhalt und wirkte fast ein wenig erleichtert, dass seine großartige Laufbahn zu Ende ging.

"Ich habe es schon lange gewusst und konnte mich vorbereiten, deswegen war es nicht wild. Irgendwie war auch die Luft raus. Ich fühle mich leer und bin sehr müde", sagte der ehemalige Weltmeister im Doppel, Europameister und Olympiadritte von 1996 (Roßkopf im SPORT1.de-Interview).

Selbst Feiern war nach dem 2:3 gegen Andrej Gacina nicht mehr drin: "Ich bin ganz schön platt und fahre einfach nach Hause. Aber die zwei Satzgewinne haben den Abstieg verhindert."

"Bin auch froh, dass es vorbei ist"

Gerade einmal 200 Leute waren gekommen, um zu sehen, wie Roßkopf zum letzten Mal professionell an den Tisch ging.

"Es war auch nicht der richtige Rahmen. Die große Sause war ja am Freitag, bei unserem letzten Heimspiel. Da waren 2000 Mann da und ehemalige Weggefährten. Das war schöner", sagte er: "Jetzt bin ich auch froh, dass es vorbei ist."

Erst beim Gedanken an die zweite Karriere als Bundestrainer hatte Roßkopf wieder das Leuchten in den Augen.

Noch mehr "herauskitzeln"

Bei der Team-WM in Moskau im Mai wird er sich ganz genau anschauen, wie Richard Prause die Mannschaft einstellt. Denn ab August muss er es selbst tun.

"Selbstverständlich werde ich vor Ort sein und alles aufsaugen", sagte Roßkopf: "Die aktive Karriere war ein langes Kapitel. Es ist an der Zeit, ein neues aufzuschlagen."

Dann sprach der Mann, der Tischtennis in Deutschland aus dem Dornröschenschlaf weckte, als sei er schon in Amt und Würden: "Es geht darum, unseren zweiten Platz in der Weltrangliste zu halten und den Rückstand auf die Weltmacht China zu verkürzen. Wir müssen aufpassen, weil viele gute Mannschaften versuchen, uns zu verdrängen. Ich muss noch mehr aus unseren Spielern herauskitzeln."

Boll unter Bundestrainer Roßkopf

Ob er auch Timo Boll dazu führen kann, die Dominanz der Chinesen zu brechen, bleibt offen.

Doch was Boll zu sagen hat, klingt nicht nach einem normalen Verhältnis zwischen Trainer und Spieler: "Jörg war mein Trainingspartner und Mannschaftskollege, immer schon Ratgeber - und künftig eben der Bundestrainer."

Es wird nicht lange dauern, bis Jörg Roßkopf wieder einen Schläger in der Hand hält.

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