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Timo Boll gewann schon bei der letzten EM 2007 dreimal Gold © imago

Timo Boll wiederholt bei der EM in St. Petersburg als erster Spieler der Geschichte seinen Dreifach-Triumph aus dem Vorjahr.

St. Petersburg - Timo Boll reckte jubelnd beide Fäuste in die Luft und fiel seiner Frau Rodelia glücklich in die Arme: Der Weltranglistensiebte ist erneut Tischtennis-Europameister und hat als erster Spieler der 50-jährigen EM-Geschichte seinen zweiten Titel-Hattrick in Folge gefeiert.

In einer Neuauflage des Vorjahresfinals besiegte der 27-Jährige den Weißrussen Wladimir Samsonow 4:2.

Zwei Stunden zuvor hatte Boll an der Seite von Christian Süß im Doppel triumphiert und nach dem Team-Erfolg sein zweites Gold gewonnen.

Fitness "der Schlüssel"

"Es konnte einfach nicht besser laufen. Der Schlüsselpunkt war heute die Fitness. Ich fühlte mich am Ende besser, und das war wohl mein kleiner Vorteil", sagte Boll.

Während der Champion fleißig Interviews gab, kämpfte seine Rodelia mit den Tränen und auf der Tribüne knallten die Sektkorken.

Vor ihm hatten bereits fünf andere Spieler dreifaches Gold gewonnen, dieses Kunststück jedoch bei der folgenden EM nicht wiederholen können.

Vormachtstellung in Europa

Mit dreimal Gold haben die deutschen Männer ihre Vormachtstellung als die "Chinesen Europas" eindrucksvoll untermauert.

"Das war unter erschwerten Bedingungen eine sehr erfolgreiche EM", sagte Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig. Man habe nach WM und Olympia bereits den dritten Saisonhöhepunkt gehabt und aufgrund der Materialumstellung nicht exakt gewusst, wo man stehe.

Erstmals EM-Stimmung

Boll kämpfte in seinem dritten EM-Finale nicht nur gegen den bis dahin ungeschlagenen Samsonow, sondern auch gegen die Mehrheit der etwa 2000 Zuschauer, die erstmals in dem neuntägigen Turnier so etwas wie EM-Stimmung aufkommen ließen.

Von Beginn an entwickelte sich ein völlig anderes Spiel als das deutliche 4:1 aus dem Vorjahr.

Nachdem Verlust des ersten Satzes stemmte sich Boll gegen ein ähnliches Debakel wie das 0:3 aus dem Teamwettbewerb und glich zum 1:1 aus.

Angefeuert von "Timo, Timo"-Rufen der wenigen deutschen Schlachtenbummler holte er sich die Durchgänge drei und vier und griff zu seinem insgesamt achten EM-Gold. Samsonow verkürzte noch einmal, doch letztlich hatte Boll das bessere Ende für sich.

Extraschicht im Doppel-Finale

Im Doppel-Finale gegen Werner Schlager und Trinko Keen (Österreich/Niederlande) hatte Boll an der Seite von Süß eine Extraschicht einlegen müssen.

Nach anfangs sehr fehlerbehafteten Spiel lagen die Titelverteidiger schnell 1:3 hinten. "Wir haben trotzdem nie aufgegeben und versucht, irgendwie unseren Rhtythmus zu finden", sagte Süß.

"Tolles Gefühl" bei Süß

Vor allem dem Rotschopf misslangen zunächst viele Schläge. Als es jedoch darauf ankam, fand auch Süß zu seinem Spiel. Knackpunkt waren ausgerechnet die Auszeiten der Gegner. "Danach haben wir immer fast jeden Ball getroffen", meinte Süß.

Nach seiner "katastrophalen Leistung im Einzel" ist er froh, mit Doppel-Gold nach Hause zu fahren: "Auf die Spannung hätte ich verzichten können, aber am Ende gehe ich mit einem tollen Gefühl aus dem Turnier."

Überraschung bei den Frauen

Bei den Frauen ging der Einzel-Titel überraschend an Ruta Paskauskiene aus Litauen.

Sie besiegte die Österreicherin Liu Jia mit 4:2. Die Doppel-Konkurrenz gewannen Georgina Pota und Krisztina Toth aus Ungarn durch ein 4:2 gegen die Italienerinnen Wenling Tan-Monfardini und Nikoleta Stefanova.

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