vergrößernverkleinern
Timo Boll schied in Peking im Einzel bereits im Achtelfinale aus © imago

Timo Boll kriecht nach seinem sensationellen EM-Triumph auf dem Zahnfleisch. Doch Erholung gibt es erst im Dezember.

St. Petersburg - Als der Flieger am frühen Montagmorgen in St. Petersburg abhob, war Timo Boll reif für die Insel.

Nach seinem erneuten Husarenstück kroch der dreifache Tischtennis-Europameister körperlich auf dem Zahnfleisch.

Doch an Erholung ist selbst gegen Ende des Mammut-Jahres nicht zu denken.

"Ich habe jetzt drei Tage frei. Ich hoffe, die genehmigt man mir. Dann geht es in der Champions League weiter. Dort erwartet der Verein wieder Leistung", sagte der 27-Jährige.

Da ein Großteil der deutschen Delegation St. Petersburg am Sonntagnachmittag verlassen hatte, stieß nur eine kleine Runde auf den laut Bundestrainer Richard Prause "außergewöhnlichen Athleten" Boll an.

Historischer Triumph

Der gefeierte Held hatte zuvor 83 Sätze in neun Tagen gespielt, großes Kämpferherz bewiesen und sich aus anscheinend aussichtslosen Situationen befreit.

EM-Gold in Team, Doppel und Einzel erfolgreich zu verteidigen war vor ihm noch niemandem gelungen.

Dabei war Boll sechs Wochen nach Olympia bereits schlapp in die Zarenstadt gereist und musste "den inneren Schweinehund jeden Tag aufs Neue bekämpfen".

Treffen mit "Dirkules"

Ein paar Wochen muss Boll noch auf die Zähne beißen. Urlaub gibt es für den Ausnahmeathleten erst im Dezember.

Dann reist der Basketball-Fan nach Dallas, um Sport endlich mal als Zuschauer von der Tribüne aus zu verfolgen.

"Dirk Nowitzki und ich verstehen uns ganz gut. Ich habe ihm schon gesagt, dass ich komme", meinte Boll. In Texas wird es sicherlich auch zum ersten Tischtennis-Duell mit dem Korbriesen kommen. Boll hatte Nowitzki bei den Sommerspielen in Peking bereits einen seiner Schläger geschenkt.

Nächster großer Auftritt in Berlin

Bis dahin hat Boll alle Hände voll zu tun. Der nächste große Auftritt wartet Mitte November mit den German Open in Berlin auf ihn.

Dort trifft Europas Tischtennis-König wieder auf die von ihm anscheinend ewig gejagten Chinesen.

Doch Kampfansagen an die Asse aus dem Reich der Mitte sind dem müden Boll momentan nicht zu entlocken.

Chinesische "Ausnahmegeneration"

Selbst Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig hält sich zurück.

"Die Stellung der Chinesen an der Spitze ist eindeutiger denn je. Das hat Olympia gezeigt. Sie haben eine Ausnahmegeneration," sagte der Kölner.

Das Ziel des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) sei es, die in Peking eroberte Position zu festigen: "Mit dem Tag nach der EM hat für uns die Vorbereitung auf London 2012 begonnen."

Stärkung des Teams hinter dem Team

Neben Boll gehören Dimitrij Ovtcharov, Bastian Steger und Christian Süß zum Top-Team für die Spiele auf der Insel.

Um seinen Stars optimale Bedingungen zu schaffen, will der DTTB das Team hinter dem Team stärken.

"Wir sind mit einem Arzt, Psychologen und Physiotherapeut schon sehr gut aufgestellt. Doch das Team ist nur halb so groß wie das der Chinesen", sagte Schimmelpfennig: "Aber wir haben vier Jahre Zeit und hoffen, die Chinesen in London etwas mehr zu gefährden."

Zum Forum - jetzt hier mitdiskutieren!

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel