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Timo Boll (l.) wechselte 2007 vom TTV Gönnern zu Borussia Düsseldorf © imago

Der Weltranglistenzweite genießt das zweite Triple einer deutschen Mannschaft. Dennoch denkt er über ein Engagement in China nach.

Düsseldorf - Ein Sprung auf die Platte wie nur bei seinen größten Erfolgen, ein Sirtaki-Tanz mit seinen Teamkollegen im Konfetti- und Champagner-Regen, ein inniger Kuss für Frau Rodelia und eine zärtliche Streicheleinheit für die geliebte Terrier-Hündin Carry:

Timo Boll konnte sein Glück nach seinem zweiten Matchgewinn zum "Triple" für Borussia Düsseldorf im Finale um die Tischtennis-DM gegen die TTF Ochsenhausen (3:1/Hinspiel: 3:2) gar nicht genug teilen.

"Das ist vielleicht ein einmaliger Moment: Pokal, Meisterschaft und Champions League in einer Saison - das kann man nur genießen", beschrieb der Weltranglistenzweite seine Gefühle: "Für den Verein war das Triple das große Ziel, und deshalb war es uns wichtig, der Borussia und uns selbst diesen Traum zu erfüllen."

Titelverteidigung großer Reiz

Das Optimum also erreicht, doch Motivationsprobleme fürchtet Boll nach Düsseldorfs 23. Meisterschaft auch künftig nicht. "Als Titelverteidiger in allen Wettbewerben gejagt zu werden, ist ja auch wieder neu", meinte der 29-Jährige.

Einen Wechsel vor Ablauf seines bis 2012 laufenden Vertrages schloss Boll aus: "Ich fühle mich bei der Borussia sehr wohl. Für mich ist außerdem der Reiz größer, Deutscher Meister zu werden als beispielsweise in Russland den Titel zu holen."

Sommer in China

Gleichwohl erwägt der zehnfache Europameister für eine bestmögliche Vorbereitung auf Olympia 2012 in London einen Wechsel ins Ausland - temporär: "Ich überlege, im Sommer 2011 wieder in der chinesischen Super League zu spielen und das mit meinen Einsätzen für Borussia zu kombinieren."

Bereits 2005 und 2006 war Boll in China bei zwei Klubs aus der Weltmeister-Liga engagiert gewesen.

Düsseldorf, für das Bolls Doppeleuropameister-Partner Christian Süß im Finale den dritten Punkt holte, dürfte seinem Topstar kaum Steine in den Weg legen. "Timo hat einmal mehr bewiesen, dass sein Wert für uns unbezahlbar ist", schwärmte Manager Andreas Preuß.

Borussia als Kern der Nationalmannschaft

Auch das "Triple", das vor den Borussen aus Deutschland nur der TTC Grenzau vor 23 Jahren schaffte, bedeutet dem Ex-Profi zusammen mit dem für zwei Millionen Euro modernisierten Vereins-Zentrums und dem nach dem Hauptsponsor benannten Center Court mehr als nur die Titel Nummer 52 bis 54:

"Das ist der Start in die Zukunft. Mindestens so wichtig wie der Erfolg ist, dass wir gute Rahmenbedingungen für Niveau, Fernseh- und Medienpräsenz und die Präsentation bieten. Wir stellen mit Timo und Christian den Kern der Nationalmannschaft, und nächste Saison kommt Patrick Baum als dritter Nationalspieler zu uns. Wir wollen für Olympia 2012 und 2016 dazu beitragen, dass das deutsche Tischtennis noch strahlender glänzen kann."

Düsseldorf als Fingerzeig

Borussias Verwaltungsratsvorsitzender Hans Wilhelm Gäb sieht seinen Verein ebenfalls erst wieder am Beginn einer neuen Entwicklung.

"Es geht darum, wohin der Sport uns trägt, um seriöse Vereinsarbeit und richtige Ideen für das Tischtennis. Düsseldorf kann da einen Fingerzeig für die Zukunft bedeuten", sagte der frühere Sporthilfe-Chef und Ehrenpräsident des Deutschen Tischtennis-Bundes.

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