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Timo Boll hat bisher zehn EM-Titel auf seinem Erfolgskonto © imago

Timo Boll nimmt die Favoritenrolle bei der EM in Ostrau gerne an. Für den neuen Bundestrainer ist es die erste Bewährungsprobe.

Ostrau - Neuer Trainer, neuer Schläger, neue Rolle - für Timo Boll ist bei der Tischtennis-EM vieles anders und doch alles beim Alten.

Der zehnmalige Champion geht wieder als absoluter Topfavorit in alle drei Wettbewerbe und hat zudem noch eine Rechnung zu begleichen.

"Ich bin der Jäger, nicht der Gejagte. Alles andere als Titel wäre eine Enttäuschung", sagte die Nummer zwei der Weltrangliste mit Verweis auf Platz drei im Einzel aus dem Vorjahr. Bei den Damen ist Europameisterin Jiaduo Wu aus Kroppach topgesetzt.

Die EM in Ostrau beginnt am Samstag traditionell mit den Mannschaftswettbewerben.

"Chinesen Europas"

Für den neuen Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf ist es die erste Bewährungsprobe. "Wenn ich am Mittwoch nicht mit Teamgold dekoriert bin, übernimmt am besten sofort wieder mein Vorgänger Richard Prause", sagte "Mr. Tischtennis", und Timo Boll pflichtete bei: "Wir sind die Chinesen Europas. Im Teamwettbewerb müssen wir den Titel holen."

Auch im Einzel und Doppel (mit Christian Süß) führt der Weg zur Goldmedaille nur über den deutschen Ausnahmespieler. Die Ansage ist deutlich: Europa ist Timo-Boll-Zone, und das soll auch so bleiben: "Klar bin ich wieder der Favorit. Mein Anspruch ist immer, Europameister zu werden. Ich bin topfit und will ganz nach oben."

Boll mit neuem Schläger

Auch ein Riss im alten Holz, mit dem er zweieinhalb Jahre gespielt hatte, soll ihn nicht aufhalten: "Ich habe jetzt einen komplett neuen Schlägersatz. Normalerweise muss ich mich damit einen Monat einspielen. Aber durch die harte EM-Vorbereitung ist so viel Schweiß ins Holz gegangen, dass ich keine Ausreden habe."

Timo Boll ist kein Mensch, der in Rekorden denkt, ansonsten könnte er gehörige Extra-Motivation aus den Statistik-Büchern ziehen. Das schwedische Tischtennis-Genie Jan-Ove Waldner ist dort mit elf EM-Titeln verzeichnet. Noch zwei weitere Goldmedaillen, und Timo Boll wäre der erfolgreichste Spieler der EM-Geschichte. Doch er sagt: "Darauf gebe ich nicht viel. Ich spiele immer nur für den Moment des Sieges."

Hoffnungsträgerin Wu

Ein Auftakt mit Medaillen würde dem deutschen Team den nötigen Rückenwind für die weiteren Wettbewerbe geben. "Alle erwarten von Timo dreimal Gold, und das kann er auch schaffen. Aber man muss auch damit rechnen, dass es nicht so läuft", sagte Roßkopf, Europameister von 1992: "Doch wir haben eine gute, junge Mannschaft."

Bei den Damen ruhen die Hoffnungen auf Wu - insbesondere nach dem goldenen Coup 2009. "Klar verspüre ich einen größeren Druck als im Vorjahr in Stuttgart. Ich denke aber positiv und hoffe auch in diesem Jahr auf eine Medaille. Egal ob im Doppel, Einzel oder mit der Mannschaft", sagte die deutsche Topspielerin.

Angstgegner Maze fehlt

Vielleicht klappt es ja in allen Konkurrenzen. "Wir können überall um die Titel mitspielen. Aber die Erfolge der Vergangenheit zählen nicht mehr", sagt DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig: "Alle fangen bei null an."

Das gilt auch für Timo Boll, dem eine besondere Revanche auf jeden Fall verwehrt bleibt. Titelverteidiger Michael Maze, der Boll im Halbfinale von Stuttgart ausgeschaltet hatte, sagte seine Teilnahme in Ostrau wegen einer hartnäckigen Knieverletzung ab.

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