vergrößernverkleinern
Timo Boll spielt in der deutschen Tischtennis-Liga für Borussia Düsseldorf © imago

Die DTTB-Herren erreichen einem Sieg über Frankreich das Finale. Bei einem Erfolg könnte Boll mit Waldner gleichziehen.

Ostrau - Timo Boll treibt das deutsche Tischtennis-Team bei der EM in Ostrau schier unermüdlich Richtung Titel.

Der deutsche Ausnahmespieler führte seine Kollegen mit grandiosen Schlägen und zwei Punkten fast im Alleingang zum 3:1-Halbfinalsieg gegen Frankreich - im Finale winkt gegen Weißrussland das vierte EM-Mannschaftsgold in Serie.

Boll kann zudem ein kleines Kapitel Sportgeschichte schreiben: Mit seinem insgesamt elften EM-Titel würde er am Mittwochabend zu Schwedens Tischtennis-Genie Jan-Ove Waldner aufschließen, der bis dato der erfolgreichste Spieler der 52-jährigen EM-Historie ist.

Allerdings bangt die DTTB-Auswahl um den Einsatz des verletzten Dimitrij Ovtcharov.

"Wir wollen Gold

"Wir haben noch nicht genug. Wir wollen Gold", sagte der neue Bundestrainer Jörg Roßkopf vor dem Endspiel gegen die starken Weißrussen.

Boll ist vor dem Aufeinandertreffen mit seinem Dauer-Rivalen Wladimir Samsonow nicht bange: "Wir sind klarer Favorit und wollen ganz nach oben."

Der 29-Jährige ist in Ostrau bisher ungeschlagen, verdrängt den Gedanken an den Rekord aber noch.

"Ich spiele immer nur für die Freude im Moment des Triumphes. Es läuft. Wir sind gut drauf."

Wellness zur Vorbereitung

Boll hatte seine Teamkollegen vor dem Halbfinale eindringlich gewarnt.

"Die Franzosen sind ein richtiges Heißläuferteam, das sehr häufig über sich hinauswächst", sagte der Topspieler.

Dennoch hatte Timo Boll ein Vorbereitungsprogramm absolviert, das eher an einen Wellness-Urlaub erinnerte.

"Erst Frühstück, Behandlung, Mittagessen, Massage, dann ein kleiner Snack" - so skizzierte die Nummer zwei der Weltrangliste den Tagesablauf vor dem wichtigen Match.

Ovtcharovs Einsatz fraglich

Am blauen Tisch aber gönnte der beste Spieler Europas sich und dem Gegner keine Ruhepause.

Vor den Augen des ehemaligen Bundestrainers Richard Prause, der in der CEZ Arena die Daumen drückte, besiegte Boll Emmanuel Lebesson 3:2.

Zuvor hatte Russland-Legionär Ovtcharov sein Match wegen einer muskulären Verletzung beim Stand von 2:1 abschenken müssen. Ob er im Finale antreten kann, ist fraglich.

Boll behält die Nerven

Boll stand also unter besonderem Druck, denn ein Spieleraustausch ist im Tischtennis nicht erlaubt.

Der zehnmalige Europameister behielt jedoch auch beim 3:1 gegen Adrien Mattenet die Nerven, nachdem Süß gegen Christophe Legout ein 3:2 vorgelegt hatte.

Ovtcharov hätte nicht mehr antreten können - es wäre das Aus gewesen.

Rückschlag für Damen

Die deutschen Damen dagegen erlitten vier Monate nach dem Bronze-Coup bei der WM in Moskau auf kontinentaler Ebene einen Rückschlag.

Das Team von Bundestrainer Jörg Bitzigeio hatte das bittere Viertelfinal-Aus gegen Rumänien (2:3) mit vier vergebenen Medaillen-Bällen auch am Dienstag noch nicht verdaut und beendete das Turnier in Ostrau auf einem enttäuschenden siebten Platz.

"Mentale Probleme"

"Wir haben mentale Probleme, keine spielerischen. Beim Matchball spielen wir zu stupide. Da muss mal eine kreative Idee her", analysierte Bitzigeio.

Immerhin war das 3:0 gegen die Türkei ein halbwegs versöhnlicher Abschluss.

Am Donnerstag beginnen in Ostrau die Individualwettbewerbe.

Boll und Titelverteidigerin Jiaduo Wu (Kroppach) sind jeweils an Nummer eins gesetzt.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel