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Vierter EM-Titel in Serie: Timo Boll (l.) und Partner Christian Süß © imago

Timo Boll und Christian Süß holen in Ostrau leicht und locker ihren vierten EM-Titel in Serie. Boll ist nun Rekord-Europameister.

Ostrau - Doppel-Titel in der Tasche, Einzel-Gold zum Greifen nah - Timo Bolls Masterplan für das dritte EM-Triple scheint aufzugehen.

Mit beeindruckender Leichtigkeit gewann Deutschlands Tischtennis-Star an der Seite von Christian Süß in Ostrau die Doppel-Konkurrenz und holte seinen zwölften Titel, zudem zog er ins Einzel-Halbfinale ein.

Dort trifft er ausgerechnet auf Süß. "Ich bin bereit für die Rolle des Spielverderbers", sagte Bolls Düsseldorfer Klubkollege.

Den zweiten Finalisten ermitteln Patrick Baum und Ex-Weltmeister Werner Schlager aus Österreich. Drei deutsche Spieler im EM-Halbfinale hatte es zuvor nur 2003 gegeben.

Boll toppt Waldner

Der Jubel nach dem vierten Doppel-Gold in Serie fiel verhalten aus.

Boll krönte sich zwar mit dem 4:0 gegen die Dänen Kasper Sternberg/Jonathan Groth zum alleinigen EM-Rekordsieger vor Schwedens Idol Jan-Ove Waldner, doch diese Statistiken bedeuten ihm nicht viel.

"Ich bin kein Statistik-Jäger. Vielleicht interessiert mich das, wenn ich irgendwann aufhöre", sagte Boll. "Titel werden auch schnell wieder vergessen."

Pokal und Wein schnell verstaut

Dies könnte mit dem Sieg am Samstag tatsächlich geschehen, denn große Emotionen und mitreißende Spiele blieben im Doppel-Wettbewerb Fehlanzeige.

"Viermal hintereinander - das ist das ganz Besondere", sagte denn auch Süß, selbst inzwischen achtmaliger Europameister.

Die Pokale und Weinflaschen für das Parade-Duo landeten nach der Siegerehrung schnell in den Sporttaschen.

Nur einen Satz abgegeben

Einen ganzen Satz gaben die alten und neuen Europameister auf dem Weg zum Titel ab.

"Diese Dominanz wird langsam langweilig. Ich würde mir mehr Gegenwehr wünschen", sagte Thomas Weikert, der Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB).

Boll widersprach. "Wir sind eben das beste Doppel in Europa und einfach eine Klasse stärker als die meisten anderen."

20 Siege in acht Tagen

Dann zeigte der deutsche Ausnahmespieler, dass es im Einzel ähnlich aussieht.

Ein 4:0 gegen Adrien Mattenet verhalf Boll ins Halbfinale, damit verbesserte er seine Bilanz auf 20 Siege in 20 EM-Matches an acht Turniertagen.

"Der DTTB wird ganz schon bluten müssen, weil wir so viel Übergepäck mitbringen - die Medaillen und Pokale wiegen einiges", sagte er anschließend lächelnd.

WM und Olympia fehlt in Bolls Sammlung

Waldner, der die EM aus Stockholm verfolgt, hatte seinen Rekord sowieso längst abgeschrieben.

"Timo wird am Ende mehr als 20 EM-Titel haben. Aber WM und Olympia, das zählt", sagte der 44-Jährige. Bei beiden Großveranstaltungen ist Boll bislang ohne Einzelmedaille.

"Dort ist es eine ganz andere Kategorie. Da muss alles stimmen", sagte Boll.

Damen gehen leer aus

Während die Herren wie üblich reihenweise Medaillen abräumen, kehren die deutschen Damen ohne Edelmetall zurück.

Kristin Silbereisen ließ die letzte Chance, die Bilanz der DTTB-Spielerinnen aufzupolieren, ungenutzt.

Die deutsche Meisterin unterlag im Einzel-Viertelfinale der Österreicherin Liu Jia, Europameisterin von 2005, 2:4.

Die übrigen deutschen Damen waren in Einzel und Doppel spätestens im Viertelfinale gescheitert.

Baum entnervt Samsonow

Viel besser lief es bei den Herren, es winkt das erste deutsche EM-Finale.

Baum lieferte gegen den hohen Favoriten Samsonow eine wahre Meisterleistung ab und entnervte den dreimaligen Einzel-Europameister vor allem mit seinem starken Kampfgeist.

Süß schaltete den Rumänen Adrian Crisan aus.

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