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Timo Boll verlor letztes Jahr in Stuttgart im Halbfinale gegen den Dänen Michael Maze © imago

Timo Boll ist der erste Spieler der Geschichte mit vier EM-Titeln. Der Bundestrainer ist nach Bolls dritten Triple restlos zufrieden.

Ostrau - Timo Boll machte einen Freudensprung und streckte jubelnd beide Arme in die Höhe:

Deutschlands Tischtennis-Star ist nach einem perfekten Turnier zum dritten Mal Europameister aller Klassen.

Nach dem Mannschaftstitel und Gold im Doppel bezwang der nun 13-malige Europameister seinen Klubkollegen Patrick Baum im ersten deutschen Finale der Turniergeschichte souverän mit 4:1.

Schwedens Idol Jan-Ove Waldner (11 Titel) hatte der alleinige Rekordchampion bereits am Samstag abgehängt, nun ist der Düsseldorfer auch der erste Spieler mit vier Einzeltiteln.

Ruhrpott-Derby an der Platte

"Zum Glück hatte ich noch Kraft und konnte meine Routine voll ausspielen", sagte Boll nach dem 22. Sieg in seinem 22. Match in Ostrau. "Diese Jungspunde legen immer los wie die Feuerwehr. Wahnsinn, wie gut der Patrick drauf war bei dieser EM."

Schon im Halbfinale hatte Boll einen Angriff aus dem eigenen Lager abgewehrt. Sein Doppelpartner Christian Süß war beim 1:4 keineswegs chancenlos, verspielte aber wiederholt hohe Führungen.

"Das ist sehr ärgerlich", sagte der große Fußball-Fan: "Den Tag kann nur ein Schalker Sieg im Derby gegen Dortmund retten." Das sah BVB-Anhänger Boll natürlich anders.

Baum räumt Samsonow aus dem Weg

Baum war die Überraschung des EM-Turniers. Der 23-Jährige schaltete Titelanwärter Wladimir Samsonow (Weißrussland) aus, dann räumte er Österreichs Ex-Weltmeister Werner Schlager aus dem Weg.

Boll war aber noch eine Nummer zu groß. "Dennoch ist es der größte Tag meiner Karriere", sagte Baum. Er war 2005 Jugend-Weltmeister geworden, jetzt schaffte er den Durchbruch.

Idealer Start für Roßkopf

Für Boll war es das dritte Triple nach 2007 und 2008.

Jörg Roßkopf saß während des Finales auf der Tribüne, denn das Coaching verkniff sich das Trainerteam, um niemanden zu bevorzugen.

"Es war hier ein idealer Start für mich", sagte der neue Herren-Bundestrainer. "So darf es auch gerne in Zukunft weitergehen.

Rekord für Boll nichts Besonderes

Bei Boll und Süß war der Jubel nach dem vierten Doppel-Gold in Serie verhalten ausgefallen.

Waldner mit dem 4:0 gegen die Dänen Kasper Sternberg/Jonathan Groth hinter sich zu lassen, bedeutete ihm nicht viel.

"Ich bin kein Statistik-Jäger. Vielleicht interessiert mich das, wenn ich irgendwann einmal aufhöre", sagte Boll. "Titel werden schnell wieder vergessen."

Dominanz langweilt

Dies könnte mit dem Sieg tatsächlich geschehen, denn Emotionen und mitreißende Spiele blieben im Doppel-Wettbewerb Fehlanzeige. "Viermal hintereinander - das ist das ganz Besondere", sagte denn auch Süß, selbst inzwischen achtmaliger Europameister.

Die Pokale und Weinflaschen für das Parade-Duo landeten nach der Siegerehrung schnell in den Sporttaschen. "Die Dominanz wird langweilig", sagte DTTB-Präsident Thomas Weikert.

Nur WM- und Olympia-Gold interessant

Dies empfand auch Jan-Ove Waldner so, der sich aus Stockholm zu Wort meldete. "Am Ende wird Boll mehr als 20 EM-Titel haben", sagte der 44-Jährige. "Aber WM und Olympia, das zählt. 2012 in London wird die Chance seines Lebens. Er kann Olympiasieger werden."

Olympia-Medaillen oder Edelmetall im WM-Einzel hat Boll nicht vorzuweisen.

Herren-Medaille als Ziel

Obwohl das Aushängeschild des deutschen Tischtennis wieder einmal der absolut dominierende Mann war, zog Dirk Schimmelpfennig eine zweischneidige Bilanz des Turnierverlaufs.

"Ich habe einen gravierenden Unterschied gesehen: Unsere Herren haben immer selbst bestimmt, was passiert. Das habe ich bei den Damen vermisst. Zielstellung bei den Männern ist eine Olympia-Einzelmedaille."

Damen-Titel nach Weißrussland

Das Damen-Team kehrte ohne Medaille zurück.

Den Damentitel sicherte sich Wiktoria Pawlowitsch aus Weißrussland. Im Doppel gewannen Ruta Paskauskiene (Litauen) und Oksana Fadejewa (Russland).

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