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Timo Boll bezwang inm Halbfinale Christian Süß, im Finale Patrick Baum © imago

Ostrau, Kattowitz, Frankfurt, Schanghai, Düsseldorf - Timo Boll bekommt nach seinem dreifachen EM-Triumph keine Atempause.

Ostrau - Ein Blick aufs Handy machte den Tag perfekt.

Die Derby-Demütigung für Schalke 04 fehlte BVB-Fan Timo Boll noch zum ganz großen Glück.

Und vielleicht eine ordentliche Mütze Schlaf - denn das Mammutprogramm für den besten Tischtennisspieler Europas ging nach der goldenen EM-Ochsentour und 22 Matches in neun Tagen nahtlos weiter.

Ruhe findet Timo Boll nur über den Wolken.

Schanghai wartet

Wecken am Montagmorgen in Ostrau um 02.00 Uhr, zwei Stunden Busfahrt nach Katowitz in Polen, Abflug nach Frankfurt.

Schnell nach Hause, Ehefrau Rodelia und Terrierhündin Carry Hallo sagen - am Abend sitzt Boll wieder im Flugzeug nach China, als NRW-Botschafter geht es zur EXPO in Schanghai.

"Im Flieger kann ich mich wenigstens mal zehn Stunden hinlegen", sagte der Rekordeuropameister und lachte. "Manchmal frage ich mich schon, wieso ich mir das alles zumute."

Nächstes Spiel steht an

Als er mit Badeschlappen in der Pressekonferenz saß, sah er geschlaucht, müde und leer aus.

Doch es gibt keine Atempause.

"Donnerstag komme ich bereits wieder, Freitag ist ja Champions League", sagte der 29-Jährige, mit Borussia Düsseldorf gegen Angers TT Vaillante aus Frankreich.

Gold, Gold und nochmals Gold

Immerhin reichte es vor dem Reisemarathon für ein paar schnelle Cola-Bier-Mischgetränke im Ostrauer Restaurant Mexicana. Beim Abschlussabend für die Delegation des DTTB war die Stimmung den Erfolgen entsprechend ausgelassen.

Denn als Boll in Kattowitz seine Tasche aufs Gepäckband hob, war diese ein halbes Kilo Medaillen schwerer. Gold, Gold und nochmals Gold.

WM- oder Olympiamedaille als Ziel

Schnell kommen angesichts von Bolls erdrückender Dominanz auf dem Kontinent deshalb mal wieder die Fragen nach den größeren Zielen. Timo Boll nimmt China ins Visier - nicht nur mit dem Flugzeug.

"Ich bin überglücklich, meine Stellung in Europa ist herausragend", sagte Boll. "Ich hoffe, dass noch einige EM-Titel dazukommen. Ich bin heiß und immer noch motiviert. Aber eine WM-Einzelmedaille oder eine Medaille bei Olympia, das wär?s."

Er werde daher alles tun, "um die Asiaten herauszufordern".

"Dürfen nicht nachlassen"

Diese Maßgabe verfolgt auch der DTTB mit aller Konsequenz, und es scheint, als könnte die Lücke etwas kleiner geworden sein. "In Europa schlägt uns keiner mehr. Es ist ja leichter, Europameister zu werden als Deutscher Meister", sagte Boll und meinte das nicht ganz ernst.

Aber die Optionen hinter Timo Boll werden immer besser, es reift eine Mannschaft mit absoluter Weltklasse.

"Ich bin wieder der Alte, und die Jungs steigern sich alle", sagte der 13-malige Europameister. "Jetzt fällt der ganze Druck ab, und der Kopf wird wieder frei. Aber wir dürfen nicht nachlassen. Gegen die Chinesen können wir uns nicht leisten, nicht hundertprozentig fit zu sein."

Auf Waldners Spuren

Der Blick auf China treibt Timo Boll an, in Europa gibt es für die Nummer zwei der Welt noch viel und doch nichts mehr zu gewinnen. Wie wertvoll wären Europameistertitel Nummer, 14, 16, 20?

"Olympia und WM, das zählt. Da musst du gewinnen, sonst bist du kein ganz Großer", gab ihm Jan-Ove Waldner mit auf den Weg.

Den Schweden (11 EM-Titel) hat Boll überflügelt, doch Waldner hat bereits etwas, von dem der Deutsche nur träumen kann: WM-Gold und Olympia-Gold.

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