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Dimitrij Ovtcharov ist die Nummer dreizehn der Tischtennis-Weltrangliste © getty

Dimitrij Ovtcharov ist positiv auf Clenbuterol getestet worden. Die Nummer 13 der Welt bestreitet Doping kategorisch.

München - Der deutsche Tischtennissport wird von seinem ersten Dopingfall erschüttert, und Dimitrij Ovtcharov steht vor den Trümmern seiner Karriere.

Timo Bolls Nationalmannschaftskollege wurde nur wenige Tage nach den Europameisterschaften in Ostrau wegen einer positiven A-Probe vorläufig suspendiert. "Als ich das erfahren habe, war es der schlimmste Tag in meinem Leben, wie wenn ein Familienmitglied stirbt", sagte Ovtcharov.

Doch er will kämpfen und "alles tun, um meine Unschuld zu beweisen." Die Öffnung der B-Probe hat der 22-Jährige bereits beantragt.

Die Dopingkontrolle war am 23. August dieses Jahres an Ovtcharovs Wohnort in Hameln durchgeführt worden und hatte als Befund in der A-Probe die verbotene Substanz Clenbuterol nachgewiesen.

Boll fassungslos

"Ich kann das gar nicht glauben. Ich hoffe für 'Dima' sehr, dass sich seine Unschuld herausstellt", sagte Boll, der mit Ovtcharov über das Sportliche hinaus befreundet ist,. Ihr Team-Gold von Ostrau dürfen die beiden aber auf jeden Fall behalten.

Auch der Verband wurde kalt erwischt. "Ich bin erschüttert. Wir müssen nun lernen, damit umzugehen. Ich möchte hier aber nicht spekulieren. Wir folgen nun den NADA-Regeln, denn wir arbeiten und kämpfen für einen sauberen Sport", sagte DTTB-Präsident Thomas Weikert, hauptberuflich Jurist.

Am 17. September sei der Athlet über den Befund informiert worden. Bundestrainer Jörg Roßkopf: "Das ist eine schwierige Situation und schwer, damit klarzukommen."

Ovtcharov will Stellung nehmen

Mit dem Mittel Clenbuterol war auch die Sprinterin Katrin Krabbe erwischt worden, die damit im Juli 1992 für einen der größten Doping-Skandale der deutschen Sportgeschichte gesorgt hatte. "Clenbuterol bringt mir doch nichts, Muskelaufbau ist doch eher schädlich für Tischtennisspieler", sagte Ovtcharov.

Neben der Öffnung der B-Probe wird Ovtcharov binnen Wochenfrist beim DTTB offiziell zum Fall Stellung nehmen. Danach eröffnet der DTTB ein Disziplinarverfahren.

Sollte die zweite Probe zum gleichen Ergebnis führen, würde der 22-Jährige mit der für Ersttäter üblichen Sperre von zwei Jahren belegt. Damit würde Ovtachrovs Traum von den Olympischen Spielen 2012 in London (27. Juli bis 12. August) platzen.

"Hätte doch nicht aufgemacht"

"Ich würde mit einer Sperre nicht fertig werden, ich will und kann da gar nicht drüber nachdenken", sagte Ovtcharov und lieferte Argumente für seine Unschuld: "Ich kenne den Kontrolleur doch. Wenn ich etwas Verbotenes gemacht hätte, hätte ich ihm doch nicht aufgemacht. Das wäre dann ein Mistest gewesen. Da wäre mir doch nichts passiert."

Eine Erklärung für den positiven Befund hat der gebürtige Ukrainer nicht. "Die Richtigkeit des Analyseergebnisses unterstellt, kann die Substanz deshalb nur durch einen, mir bis heute nicht bekannten Vorgang in meinen Körper gelangt sein", sagte Ovtcharov, der für den russischen Topklub Fakel Orenburg spielt. Experten hätten ihm gesagt, dass ein falsches Stück Fleisch in China schon für einen positiven Dopingtest reiche. "Und mein Wert war sehr gering. Deshalb habe ich noch Hoffnung, meine Unschuld beweisen zu können. Ich werde jedenfalls noch weitere Tests machen", so Ovtcharov.

Kontrolle am Abend

Im relevanten Zeitraum der Dopingkontrolle hat er sich anlässlich der China Open zusammen mit der deutschen Nationalmannschaft in Fernost aufgehalten.

Er sei in der Nacht vom 22. auf den 23. August nach Hause gekommen und dort am selben Tag gegen Abend einer NADA-Dopingkontrolle unterzogen worden. Nach ihm erteilter Information soll Clenbuterol nicht mehr als einige Tage im Körper nachweisbar sein, sagte Ovtcharov. Ob Mannschaftskollegen nach ihrer Rückkehr aus China ebenfalls kontrolliert wurden, wusste Ovtcharov am Mittwoch noch nicht.

Verletzung am Knöchel

Ovtcharov, der von 2007 bis 2009 in der Bundesliga bei Borussia Düsseldorf an der Seite von Boll spielte, hatte bei der EM im tschechischen Ostrau im Halbfinale gegen Frankreich wegen einer Sehnenverletzung am Knöchel sein Einzel abschenken müssen.

Das Mannschafts-Gold des späteren Turniersiegers Deutschland bekam der Weltrangliste-13. aber trotzdem. Und darf es auch in jedem Fall behalten. "Auf die Goldmedaille hat die Affäre keine Auswirkungen. Der WADA-Code sieht vor, dass Ergebnisse einer Doppel- oder Teamentscheidung nur dann annulliert werden, wenn ein Spieler während der betreffenden Veranstaltung positiv getestet wird", sagte Weikert.

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