vergrößernverkleinern
Dimitrij Ovtcharov ist die Nummer dreizehn der Tischtennis-Weltrangliste © getty

Der europäische Verband reagiert auf die positive Dopingprobe und sperrt Dimitrij Ovtcharov für alle Spiele auf europäischer Ebene.

München - Der Europäische Tischtennis-Verband ETTU hat Dimitrij Ovtcharov nach dessen positiver Dopingprobe vorerst für alle Wettbewerbe auf europäischerEbene gesperrt.

Das gab die ETTU am Donnerstag auf ihrer Homepage bekannt. Damit darf der Weltranglisten-13. in der Champions League nicht für den den russischen Topklub Fakel Orenburg auflaufen.

Ovtcharov bestreitet, wissentlich gedopt zu haben und hat bereits die Öffung der B-Probe beantragt. Sollte es auch hier einen positiven Befund geben, würde der gebürtige Ukrainer mit einer Zwei-Jahres-Sperre belegt und könnte damit auch nicht bei den Olympischen Spielen 2012 in London starten.

Die ETTU äußerte in ihrer Mitteilung ausdrücklich den Wunsch, "dass der deutsche Spieler die Sache aufklären und seine vielversprechende Karriere als professioneller Tischtennis-Spieler fortsetzen kann".

Medienberichte über Clenbuterol-Plage

Der 22-Jährige darf sich allerdings Hoffnung auf eine Entlastung machen.

Mehrere Medienberichte über Lebensmittelvergiftungen in China durch das Kälbermastmittel Clenbuterol in Fleischspeisen und die Meinung verschiedener Doping-Experten stützen die Vermutungen des Mannschafts-Olympiazweiten, dass die verbotene Substanz durch kontaminiertes Fleisch während der China Open in seinen Körper gelangt sein könnte. (Interview: "Wie wenn ein Familienmitglied stirbt")

"Wochen nach der positiven Probe einen eindeutigen Beweis zu liefern, wie es zu dem Befund kam, ist nicht möglich. In Doping-Fragen geht es beim Nachweis der Unschuld darum auch zumeist darum, das positive Analyse-Ergebnis plausibel erklären zu können. Das werden wir tun", erklärte Ovtcharovs Rechtsanwalt Manfred Lehner am Tag nach Bekanntgabe der positiven A-Probe seines Mandanten. (Süß bei SPORT1: Hätte er nicht nötig)

336 Krankheitsfälle

Als eindeutigen Hinweis auf die unschuldige Verstrickung des Top-15-Spielers in die Doping-Thematik wertet Lehner dabei besonders Angaben chinesischer Zeitungen aus der jüngeren Vergangenheit über Clenbuterol in Lebensmitteln.

Demnach waren zuletzt in China über 70 Menschen nach dem Genuss von mit dem Kälbermastmittel verseuchtem Schweinefleisch erkrankt.

2006 war in dem asiatischen Riesenreich Clenbuterol in Schweinefleisch infolge schlampiger Lebensmittelkontrollen ebenfalls Auslöser von gleich 336 Krankheitsfällen. Lehner: "Unter den bislang bekannten Umständen wird kein Gericht der Welt sagen können, dass Dimitrij Ovtcharov gedopt hat."

Illegaler Einsatz in der Tierhaltung

Rückendeckung erhält Ovtcharovs Lager auch vom Doping-Experten Prof. Wilhelm Schänzer. Dem "ZDF" sagte der Leiter des Instituts für Biochemie in Köln, dass es Hinweise auf den illegalen Einsatz von Clenbuterol bei der Masttierhaltung in China gebe und man prinzipiell nicht ausschließen könne, dass Clenbuterol über die Nahrung aufgenommen würde.

Ähnlich schätzt Mario Thevis vom Zentrum für Präventive Dopingforschung (Köln) die Situation ein. "Technisch gesehen ist es möglich, dass Spuren von Clenbuterol über die Nahrungsaufnahme in den menschlichen Organismus gelangen und zu einer positiven Dopingprobe führen", sagte Thevis der Zeitung "Die Welt".

Die wiederkehrenden Clenbuterol-Vergiftungen in China und die Einschätzung der Fachleute sollen offenbar als Teile einer möglichst lückenlosen Indizienkette die Unschuldsvermutung zugunsten des gebürtigen Ukrainers stärken.

Lehner plant Haarprobe

Einen weiteren Baustein in Lehners Strategie bildet voraussichtlich eine Haarprobe des Team-Vizeweltmeisters: Die Analyse soll den Ausnahme-Charakter des positiven Clenbuterol-Wertes bei Ovtcharov innerhalb eines langfristigen Zeitraumes nachweisen.

Einen grundsätzlichen Stellenwert von Athleten-Angaben auch bei vermeintlich klaren Sachlagen wie im Falle von identischen A- und B-Proben bestätigte Sprecher Berthold Mertes von der Nationalen Anti-Doping Agentur NADA. "Es gibt das Anhörungsverfahren, damit Begleitumstände in Betracht gezogen werden können", sagte Mertes.

Keine Dopingproben anderer Spieler

Eine Schwächung von Ovtcharovs Ausführungen durch Dopingproben anderer Spieler erscheint nach derzeitigem Stand nicht möglich.

Bei den China Open, nach denen der frühere EM-Dritte seine Dopingprobe nach eigenen Angaben mit einem reinen Gewissen abgegeben hatte, wurden keine Wettkampfkontrollen durchgeführt.

Ovtcharov kann somit zumindest auch nicht indirekt durch negative Testergebnisse von Konkurrenten vom gleichen Zeitpunkt und mit gleichem Aufenthaltsort belastet werden.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel