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Timo Boll hat das Europe-TOP-12-Turnier fünfmal gewonnen © getty

Nach dem Doping-Befund beim nun gesperrten Dimitrij Ovtcharov plant der deutsche China-Tross, der Nummer 2 zur Seite zu springen.

Köln - In der Doping-Affäre um Tischtennis-Nationalspieler Dimitrij Ovtcharov könnte eine Entlastung buchstäblich an Timo Bolls Haaren herbeigezogen werden.

Beim Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) laufen im Zuge der Ermittlungen zum Clenbuterol-Fund in Ovtcharovs Dopingprobe Planungen für die kurzfristige Abgabe von Haaranalysen des Rekordeuropameisters sowie von Verbandspräsident Thomas Weikert und anderen Mitgliedern des deutschen Trosses bei den China Open im vergangenen August.

"Wenn es der Wahrheitsfindung dient, helfe ich selbstverständlich gerne", sagte der Weltranglistenzweite Boll. (ETTU zieht Ovtcharov aus dem Verkehr)

Unterstützung der laufenden Untersuchungen

Laut Weikert soll das Dopinglabor Kreischa die freiwilligen Haarproben analysieren. "So etwas kann eine Karriere zerstören. Wenn es eine Möglichkeit gibt, so Dimitrijs Unschuld nachzuweisen, sollte man sie auch nutzen", begründete der DTTB-Chef am Freitag 48 Stunden nach Bekanntgabe von Ovtcharovs Kontrollergebnis die Maßnahme.

DTTB-Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig bewertete die Initiative als Unterstützung der laufenden Untersuchungen: "Wir wollen so viele Fakten und Informationen wie möglich sammeln. Die Überprüfungen können für Vergleichswerte sorgen."

"Wenn bei anderen auch geringe Spuren von Clenbuterol gefunden werden, würde das Dimitrijs These zumindest stützen. Es haben ja Spezialisten wie Professor Werner Franke und Wilhelm Schänzer geraten, in diesem Fall einmal eine solche Untersuchung durchzuführen", sagte Schimmelpfennig.

"Hoffnung, dass sich alles klärt"

Ovtcharov selbst, der ebenso wie auch der DTTB die Öffnung der B-Probe beantragt hat, wird in Kürze in München eine eigene Haarprobe zur Analyse einreichen.

Mit der rückwirkenden Langzeit-Überprüfung seiner Werte auf Clenbuterol will der 22-Jährige seine Unschuld untermauern.

Der frühere EM-Dritte begrüßt denn auch den Einsatz von Boll und Co.: "Ich finde, die Haaranalysen sind ein guter Ansatz. Ich habe Hoffnung, dass sich alles klärt und allen klar wird, dass ich nichts dafür kann", sagte der Team-Vizeweltmeister. (Interview: "Wie wenn ein Familienmitglied stirbt")

Franke bemängelt Chinas Nahrungsmittelkontrolle

Auf Franke, oft einer der schärfsten Kritiker von verdächtigen Athleten, wirkt Ovtcharovs Darstellung des Sachverhalts "absolut glaubhaft und überzeugend".

Aus Sicht des Molekular-Biologen ist sehr wohl möglich, dass die verbotene Substanz während Ovtcharovs China-Aufenthalt durch die Einnahme von Mahlzeiten mit kontaminiertem Fleisch im offiziellen Mannschafts-Hotel in den Athleten-Körper gelangt sein könnte.

"China ist in Bezug auf Essen das dreckigste Land der Welt", sagte Franke und verweist auf zahlreiche Fälle von Clenbuterol-Funden in chinesischen Fleischerzeugnissen: "Es gibt in China keine wirksame Nahrungsmittelkontrolle, und dort wird beliebig alles beigemischt, was den Geschmack verbessert."

"Das macht meine Frau mit 68 auch noch"

Auch den gezielten Einsatz der Substanz zum Gewichterhalt nach intensivem Krafttraining hält Franke mit Hinweis auf die mit ihm verheiratete Ex-Leichtathletin Brigitte Berendonk für ausgeschlossen:

"Wir haben ihn befragt: Was die im Tischtennis machen, das macht meine Frau heute mit 68 Jahren auch noch. Das ist also nichts, wo man mit Clenbuterol was machen müsste, das ist noch weniger als im Fußball."

Kritik übt Franke allerdings allgemein an den Verbänden. "Wer Athleten bei einer solch bekannten Sachlage ohne Warnung oder gar eigenes Essen nach China reisen lässt, macht sich an den Aktiven schuldig. Denn damit wird eine positive Dopingkontrolle riskiert und beinahe schon provoziert."

Ovtcharov früh nach Rückkehr kontrolliert

Schimmelpfennig weist die Vorhaltungen zurück ("Bei Olympia 2008 in Peking wurde verbändeübergreifend Unbedenklichkeit bezüglich der Nahrung in China festgestellt"), will aber künftig "noch stärker auf diesen Bereich achten". (Süß bei SPORT1: Hätte er nicht nötig)

Ovtcharov erklärt sich nach "über 100 Reisen nach China ohne spätere Probleme" den momentanen Doping-Verdacht nun damit, dass "ich früher nie so schnell nach der Heimkehr aus China kontrolliert worden bin und das möglicherweise Clenbuterol oder andere Substanzen kurz danach schon wieder abgebaut waren".

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