vergrößernverkleinern
Dimitrij Ovtcharov, geboren 1988 in Kiew, bestreitet jegliches Doping © imago

Der dopingverdächtige deutsche Nationalspieler hatte mit dem Ergebnis gerechnet und erwartet nun "schwierige Wochen".

München - Niederschmetterndes Ergebnis für Dimitrij Ovtcharov: Auch die B-Probe des dopingverdächtigen deutschen Tischtennis-Nationalspielers ist positiv.

Das gab der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) am Donnerstag bekannt.

In der A-Probe war der 22 Jahre alte Russland-Legionär bereits positiv auf das verbotene Kälbermastmittel Clenbuterol getestet worden.

"Natürlich bin ich sehr niedergeschlagen. Aber ich habe mit diesem Ergebnis schon gerechnet", sagte Ovtcharov.

Verunreinigtes Fleisch als Ursache?

Der Befund wurde vom biochemischen Institut der Sporthochschule Köln durch die B-Probe bestätigt.

Ovtcharov erwartet nun nach eigenen Angaben "sehr schwierige Wochen". Zuletzt habe er nur noch sichergehen wollen, dass in dem Verfahren "keine Flaschen oder Nummern vertauscht wurden".

Ovtcharov gibt an, auf einer China-Reise eventuell verunreinigtes Fleisch gegessen zu haben. Er bestreitet jegliche Schuld.

Mündliche Anhörung erwartet

"Auch die B-Probe von Dimitrij Ovtcharov enthielt Spuren von Clenbuterol. Alle Beteiligten hatten dieses Ergebnis erwartet, da ein Analysefehler in der A-Probe in der Regel ausgeschlossen werden kann", teilte der DTTB mit.

Der Verband rechnet damit, dass der Weltranglisten-13. eine mündliche Anhörung beim DTTB beantragen wird.

In dieser würden dann alle Ergebnisse geprüft, Indizien aufgeführt und Experten gehört. Der DTTB könnte danach ein Verfahren beim Disziplinarorgan Anti-Doping einleiten.

Anwalt sieht "Riesengefahr"

Ovtcharovs Rechtsanwalt Michael Lehner sagte am Donnerstag, das "primäre Ziel" sei nun, "dass es kein Disziplinarverfahren gibt. Darum kümmern wir uns in den kommenden Wochen. Ich sehe eine Riesengefahr durch die weltweite Magerfleisch-Produktion."

Auch er habe "zu 99,9 Prozent" ein positives Ergebnis der B-Probe erwartet.

Haarprobe abgegeben

Zunächst hat Ovtcharov nun eine Haarprobe abgegeben, um weitere Fakten zu schaffen.

"Ich warte nur auf das Ergebnis", sagte er. Die Analyse könne laut DTTB ergeben, dass der Mannschafts-Europameister "mit dem verbotenen Stoff tatsächlich nur über einen kurzen Zeitraum in Berührung gekommen ist". Dies wäre eine Entlastung.

Ergebnis kommende Woche

Ein Ergebnis wird Anfang der kommenden Woche erwartet. Davon wird der Verband abhängig machen, ob der 13-malige Europameister Timo Boll und die übrigen Mitglieder der DTTB-Delegation, die bei den China Open unwissentlich Clenbuterol aufgenommen haben könnten, eine Haarprobe abgeben werden.

"Ich stehe zur Verfügung. Ich hoffe immer noch sehr, dass sich Dimitrijs Unschuld herausstellt", sagte Boll.

Berühmtheit durch Fall Krabbe

Katrin Krabbe hatte Clenbuterol einst zu trauriger Berühmtheit verholfen. 1992 wurde die Sprinterin überführt - Deutschland hatte seinen großen Skandal.

Clenbuterol ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Sympathomimetika und wird zur Behandlung von Asthma verwendet.

Zudem besitzt es eine wehenhemmende Wirkung, die in der Tiermedizin und bei der Kälbermast genutzt wird. Durch missbräuchliche Anwendung beim Menschen kann ein leistungssteigernder Effekt erzielt werden.

Anabole Wirkung

Bei sehr hoher Dosierung hat Clenbuterol eine anabole Wirkung auf die quergestreifte Muskulatur.

Dabei werden ständige Muskelabbauprozesse verlangsamt, bei entsprechendem Training und angepasster Ernährung wird ein gegensätzlicher Effekt erzielt - die Muskeln werden auf- statt abgebaut.

In der Nacht zum Donnerstag war bekannt geworden, dass Tour-de-France-Sieger Alberto Contador in A- und B-Probe positiv auf Clenbuterol getestet wurde.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel