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Dimitrij Ovtcharov holte mit der deutschen Mannschaft schon vier Mal den EM-Titel © getty

Nach der Anhörung in der Verbandszentrale hofft der des Dopings verdächtigte deutsche Nationalspieler nun auf einen Freispruch.

München - In der Affäre umdie Doping-Vorwürfe gegen Dimitrij Ovtcharov wächst im Lager des deutschen Nationalspielers nach der Anhörung beim Verbandspräsidium Hoffnung auf ein beinahe sporthistorisches Happy End.

"Ich plädiere auf Freispruch. Jeder weiß spätestens jetzt, dass Dimitrij nicht vorsätzlich gedopt hat", sagte sein Anwalt Manfred Lehnner einen Tag nach der Sitzung in der Frankfurter Zentrale des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB).

"Es muss aus meiner Sicht zum ersten Mal dazu kommen, dass trotz positiver Ergebnisse in A- und B-Proben kein Verfahren gegen den betroffenen Athleten eingeleitet wird", so der Jurist weiter.

Die Faktenlage in der Endphase des so genannten Ergebnismanagements deutet allerdings zunächst mehr auf die Eröffnung eines Verfahrens als auf eine präzedenzfallähnliche Entwicklung hin.

Klare Regularien

Laut Artikel 12.1.1 im Code der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA) ist eine solche Vorgehensweise vorgeschrieben, "wenn nach Abschluss des Ergebnismanagements ein Verstoß gegen die Anti-Doping-Bestimmungen nicht auszuschließen ist".

Selbst der kleinste Zweifel an Ovtcharovs Darstellung von der Einnahme des nachgewiesenen Kälbermastmittels Clenbuterol durch kontaminiertes Fleisch bei einem China-Aufenthalt im vergangenen August müsste demnach also zu einem Verfahren führen.

Für einen solchen Fall jedoch, in dem vor dem Disziplinarorgan Anti-Doping wiederum berechtigte Zweifel an Ovtcharovs Schuld sehr wohl große Bedeutung haben können, scheint der Mannschafts-Olympiazweite gut gerüstet.

"Wichtiger Beweis für meine Unschuld"

"Das Ergebnis meiner freiwilligen Haarprobe ist negativ. Der ohnehin geringe Clenbuterol-Wert in meinen Dopingkontrollen stützte schon meine Darstellung, aber dadurch, dass nun über die Haarprobe für den Zeitraum von mehreren Monaten nichts festzustellen war, ist Doping ausgeschlossen. Das ist ein sehr wichtiger Beweis für meine Unschuld", sagte Ovtcharov.

"Dimtrij Ovtcharov ist ein rundum sauberer Athlet", bekräftigte Lehner den Standpunkt seines Mandanten.

Wie stark besonders die Analyse-Resultate von Ovtcharovs rund vier Zentimeter langen Haarproben und weitere Umstände wie die generelle Bedenklichkeit chinesischer Fleischerzeugnisse zu gewichten sind, muss nun die DTTB-Führung bewerten.

DTTB-Boss sieht Gesprächsbedarf

Ausdrücklich will der Verband jeglichen Eindruck einer möglichen Vertuschung vermeiden und hat dazu bereits im jetzigen Frühstadium der Affäre die NADA ins Boot geholt.

Auch der Doping-Experte Wilhelm Schänzer vom Kölner Institut für Biochemie kam bei der mehr als dreistündigen Anhörung in Frankfurt ausführlich zur Einordnung von Ovtcharovs Ergebnissen zu Wort.

Die Entscheidungsfindung fällt dem Verband nicht leicht. "Wir haben noch Gesprächsbedarf", sagte DTTB-Präsident Thomas Weikert am Dienstag.

"Bedeutende Entscheidung für unseren Sport"

Der Jurist ließ dabei offen, ob Ovtcharov nochmals geladen oder auch andere Nationalspieler wie Rekord-Europameister Timo Boll noch Haarproben nehmen lassen.

"Es wird jetzt noch Diskussionen zwischen DTTB und NADA geben", sagte Lehner voraus.

Weikert, der anders als Ovtcharov und Lehner die Entscheidung über eine Verfahrenseröffnung erst für "die nächste oder übernächste Woche" in Aussicht stellte, unterstrich die DTTB-Bemühungen um einen sachgerechten Beschluss.

"Uns ist sehr bewusst, welch bedeutende Entscheidung wir für den Sportler und auch unseren Sport zu treffen haben. Deswegen werden wir exakt dokumentieren, dass wir genauestens prüfen, um eine falsche Entscheidung weitestgehend auszuschließen."

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